Waldenburgerbahn

Waldenburgerli in neuem Gewand – doch die Farben gefallen nicht allen

Der grosse Aufschrei wegen der künftigen Zugkompositionen der Waldenburgerbahn in Gelb-Rot bleibt jedoch aus.

Manche werden grosse Augen gemacht haben, als die Baselland Transport AG (BLT) am Dienstag bekannt gegeben hat, wie die neuen Züge der Waldenburgerbahn (WB) aussehen werden: gelb-rot und nicht rot-weiss wie jetzt. Die bz hat sich am Mittwoch im Vorderen Frenkental umgehört. Wegen der Farbwahl wird Kritik laut, von einer allgemeinen Aufruhr ist aber nichts zu spüren.

«Kein Waldenburgerli mehr»

Verena Roppel aus Bennwil meint wehmütig: «Das ist kein Waldenburgerli mehr. Schade, aber das Alte verschwindet immer mehr.» Ihr Mann, Jakob Roppel, beurteilt die «Schockfarben» zwar als Vorteil, weil die Bahn so besser gesehen werden könne. Er stört sich jedoch daran, dass «die Stadt derart weit hinaufkommt mit so Trams». Davon halte er nicht viel. Ins selbe Horn stösst die Oberdörferin Claudia Geneto: «Mir gefällt die Farbe gar nicht. Die Züge sehen nicht mehr aus wie das Waldenburgerli, sondern wie BLT-Drämmli.» Für eine 65-jährige Frau aus Hölstein, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist das «keine riesen Katastrophe», dennoch bedauert sie, dass man künftig nicht mehr im heutigen Rot-Weiss fahren werde. Denn diese Farben seien identitätsstiftend.

«Es versteht sich wohl von selbst, dass ich mit der neuen Farbwahl nicht hundertprozentig zufrieden bin», sagt Waldenburgs Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann, die auch dem BLT-Beirat angehört. Aber es folge nun mal ein neuer Abschnitt. «Unsere WB, wie wir sie kennen, ist spätestens Ende 2022 Geschichte.» Kaufmann findet es taktisch ungeschickt, dass die BLT an den Infoanlässen in den Gemeinden im Frühjahr stets Visualisierungen mit rot-weissen Zügen präsentiert hat.

Mit Gemeindewappen

Dies begründet Fredi Schödler, stellvertretender Direktor der BLT, damit, dass man sich damals über die neue Farbgebung noch gar keine grossen Gedanken gemacht habe. «Wir setzten uns erst bewusst mit der Farbwahl auseinander, als die Fahrzeugbeschaffung und die Bauprojekte konkret wurden.» Die BLT betreibe die WB, deshalb soll sie auch im Waldenburgertal mit ihren Farben auftreten, erklärt Schödler. Die Züge werden mit dem WB-Logo, dem Schriftzug «Waldenburgerbahn» sowie mit Gemeindewappen versehen. Geplant ist, die neuen Fahrzeuge zu taufen, sodass jedes Dorf im Waldenburgertal «seinen» Zug hat. «Die Identifikation mit dem Tal ist uns wichtig», betont der BLT-Kadermann.

«Hauptsache: Die Bahn läuft»

Erstaunlich ist, dass viele ältere befragte Leute, die im Waldenburgertal wohnen, Gelb-Rot an den WB-Zügen problemlos akzeptieren. So erklärt Hanspeter Wagner (81) aus Hölstein, dass ihn das keineswegs störe. «Hauptsache: Die Bahn läuft, wird ruhiger und fährt mit neuem Rollmaterial auf breiteren Gleisen.» Einem Bewohner des Seniorenzentrums Gritt in Niederdorf beeindrucken die Farben nicht gross. Er ergänzt augenzwinkernd: «Ich bin farbenblind, aber nicht bei Rot, sondern bei Braun und Grün.»

Die Waldenburgerin Erna Probst (86), die regelmässig mit der WB zum Einkaufen nach Oberdorf oder zum Arzt nach Liestal fährt, sagt zum neuen Design: «Es ist gar nicht schlecht. Man sieht das Zügli dann gut. Gleich vorhin in der Bahn haben Fahrgäste gesagt: ‹Es ist schön, das Gelb.›»

Friedl Treier aus Oberdorf freut sich: «Gut, kommt Farbe ins Dorf und in die Landschaft. Mir ist egal, ob die WB gelb wird oder ihre bisherige Farbe behält – nur nicht grau oder grün.» Heute bauten alle graue Häuser mit dunkelgrauen Storen. Das sei doch langweilig. «Wichtig ist, dass die Bahn nicht grün ist: Das haben die Basler schon», sagt der 74-Jährige und lacht.

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