Zugbeschaffung

Waldenburgerli wird Tramburgerli: Tango-Tram ist in der Poleposition

Visualisierung der möglichen neuen Tramzüge für die Waldenburgerbahn. Modell basiert auf dem Tango-Tram von Stadler, mit dem die BLT bereits unterwegs ist. Symbolbild Stadler Rail, Appenzellerbahn.

Visualisierung der möglichen neuen Tramzüge für die Waldenburgerbahn. Modell basiert auf dem Tango-Tram von Stadler, mit dem die BLT bereits unterwegs ist. Symbolbild Stadler Rail, Appenzellerbahn.

Der Auftrag für das Fahrzeug ist zwar noch nicht vergeben, dennoch ist Stadler Rail Favorit für die Lieferung der Züge. Die Firma erhielt nämlich den Zuschlag für eine ähnliche Bestellung der Appenzeller Bahnen.

Bei der Waldenburgerbahn bleibt kein Stein auf dem anderen. Die neue Eigentümerin, die Baselland Transport AG (BLT), wird bis 2023 das gesamte Trassee umpflügen, alle Stationen neu bauen und die Schienen auf die Meterspur umspuren. Nun zeichnet sich auch ab, mit welchem Rollmaterial die BLT die 13 Kilometer lange Strecke künftig befahren könnte: mit Tango-Trams in Weiss-Rot.

Solch ein Tram ist auf Visualisierungen zu sehen, welche die BLT derzeit an Informationsveranstaltungen für die Anwohner der Bahnlinie zeigt. Das Unternehmen nimmt mit dieser Farbwahl Rücksicht auf die Befindlichkeiten im Tal. Dort wurde nach der Übernahme der WB durch die BLT befürchtet, das «Waldenburgerli» würde bald in gelb-roter Lackierung unterwegs sein; also so wie die Fahrzeuge der BLT. Solche Bedenken äusserte etwa die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann im April 2015, nachdem die Baselbieter Regierung bekannt gegeben hatte, dass die WB in die BLT integriert werden sollte. Im vergangenen Juni beschlossen die Aktionäre der WB, dass das Unternehmen mit der BLT zusammengelegt wird, rückwirkend per 1. Januar 2016. 32 Mitarbeiter wechselten den Arbeitgeber.

Die BLT besitzt 38 Tango-Trams. Je nach Ausführung ist dieses Fahrzeugmodell auch für den Einsatz im Bahn-Tram-Mischbetrieb geeignet. Für genau solche Fahrten wird auch das abgebildete Tram gebaut: Die Visualisierung wurde für die Appenzeller Bahnen (AB) erstellt. Das Unternehmen hat bei Stadler Rail in Bussnang TG sieben Triebzüge bestellt. Sie verkehren unter anderem zwischen St. Gallen und Trogen. Wie die WB etwa in Oberdorf teilt sich auch die AB in St. Gallen die Fahrbahn mit Fussgängern, Autos und Velofahrern – wird also zum Tram.

Wie gemacht für die WB

Auch auf dem übrigen Streckennetz haben AB und WB viel gemeinsam: enge Platzverhältnisse, tiefe Maximalgeschwindigkeit, (künftig) Meterspur. Weiter sind bei AB wie WB Zweirichtungsfahrzeuge im Einsatz, die Züge können also von beiden Enden her gelenkt werden und haben auf beiden Seiten Einstiege. Ist also hinter den BLT-Kulissen der Typen-Entscheid für die neuen Fahrzeuge längst gefallen?

Man habe eine Visualisierung der Appenzeller Bahnen gewählt, weil deren Fahrzeuge weiss-rot lackiert würden, so wie diejenigen der WB, sagt Fredy Schödler, Leiter Betrieb und Technik bei der BLT: «Die Abbildung ist also realistisch für die WB.» Er bekräftigt aber auch, dass Stadler die Neuausschreibung nicht auf sicher habe: «Wir sind dazu verpflichtet, den Auftrag gemäss GATT/WTO ordentlich auszuschreiben. Wir schauen, was es auf dem Mark gibt, und entscheiden dann aufgrund der Offerten.»

Geprüft wird laut Schödler eine gemeinsame Ausschreibung mit der Aargauischen BDWM und der Lugano-Ponte-Tresa-Bahn. Mit der Publikation der Ausschreibung rechnet die BLT 2017. Die genauen Vergabekriterien sind laut Schödler noch nicht ausgearbeitet. Fest steht aber bereits jetzt, dass die Oberwiler viel Geld einsparen könnten, wenn auf dem Schienennetz künftig nur noch Fahrzeuge des Typs Tango verkehren würden. So käme etwa der Unterhalt viel günstiger.

Auch die derzeitige Höchstgeschwindigkeit der WB würde das Tango-Tram erfüllen: Es fährt bis zu 80 Kilometer pro Stunde, auf dem WB-Netz gelten aktuell maximal 75 Kilometer pro Stunde.

Tangos «tailormade»

Stadler Rail besitzt also gute Karten bei der WB-Neubeschaffung. Das belegt wiederum der Auftrag der Appenzeller Bahnen: Bei deren Ausschreibung war Stadler der einzige Anbieter, der Zuschlag erfolgte im Januar 2014. Sabrina Huber, Mediensprecherin der Appenzeller Bahnen, schreibt, dass die Hersteller «viele spezifische Anforderungen» hätten erfüllen müssen, etwa wegen der engen Platzverhältnisse. Die Appenzeller Tangos seien somit «tailormade», massgeschneidert – und nicht von der Stange. Pro Zug bezahlen die AB etwas mehr als acht Millionen Franken.

Bei der WB verkehren derzeit sieben Trieb- und zehn Steuerwagen von Schindler, die es zu ersetzen gilt; sie verkehren noch auf der exotischen 750-Millimeter-Spur. Noch zeigt man sich bei Stadler wortkarg. Die Medienstelle lässt lediglich verlauten: «Wir erwarten die Ausschreibung für die Waldenburgerbahn mit grossem Interesse.»

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