Kommentar

Warten auf die echte Freiheit

Tatsächlich gibt es auf dem Schweizer Markt keine Alternativen für die 3. und 4. Primar, findet bz-Redaktor Michael Nittnaus.

Tatsächlich gibt es auf dem Schweizer Markt keine Alternativen für die 3. und 4. Primar, findet bz-Redaktor Michael Nittnaus.

Eigentlich ist es ein Affront. Da beschliessen nicht weniger als 85 Prozent des Baselbieter Stimmvolks, dass künftig Primar- und Seklehrer in allen Fächern eine Wahl haben, welches Lehrmittel sie einsetzen. Und dann bestimmt der Bildungsrat, dass just jenes, das am Ursprung allen Widerstands stand – «Mille feuilles» – für die Schüler der dritten und vierten Primar vorerst alternativlos bleibt.

Das erstaunt umso mehr, da Bildungsdirektorin Monica Gschwind den Bildungsrat präsidiert. Jene Regierungsrätin also mit der Idee zur Lehrmittelfreiheit. Dafür erhielt die Freisinnige zu Recht viel Lob. Gschwind zog sogar die Mille-feuilles-Hauptkritiker der Starken Schule auf ihre Seite, die von ihrer Verbotsforderung abrückten. Für Gschwind ist es daher sehr ärgerlich.

Doch genauer betrachtet, war die Situation absehbar. Tatsächlich gibt es auf dem Schweizer Markt keine Alternativen für die 3. und 4. Primar. «Léo et Théo», das die Starke Schule fordert, kommt aus Italien, «La petite pierre» aus Deutschland. Beide bräuchten Anpassungen, um ein Leitlehrmittel zu sein. Dass der Verlag Klett und Balmer erst 2021 mit einem komplett neuen Lehrmittel bereit steht, ist bezeichnend. Bisher war der Markt praktisch eine geschützte Werkstatt von einigen wenigen Staatsverlagen. Erst jetzt traut sich die Konkurrenz. Dass der Markt aufgebrochen wird, ist positiv. Auch wenn Lehrer und Schüler noch ein Jahr länger auf die echte Freiheit warten müssen.

Meistgesehen

Artboard 1