Meinrad Stöcklin steht gerne im Rampenlicht. So gerne, dass er bei der Baselbieter Polizei als Sprecher geschasst wurde. Jedenfalls glaubt er, er habe alles und alle überstrahlt. Irgendwann hatten die Chefbeamten genug von ihm und liessen ihn fallen.

Doch bald steht er wieder da, wo er am liebsten ist: im Mittelpunkt. Im nächsten Frühling kandidiert der Frenkendörfer für die SVP. Dass er sich für die Rechtsbürgerlichen entschieden hat, ist wohl mehr eine Folge von Zufälligkeiten, die es in der lokalen Politik eben gibt, als eine logische Konsequenz seines Werdegangs. Sektionspräsident Andreas Trüssel habe ihn im Dorf angesprochen und gefragt, ob er nicht für die SVP kandidieren wolle. Da sagte Stöcklin spontan zu, mit der Baselbieter SVP könne er sich identifizieren.

Wenn man mit Stöcklin spricht, dann fragt man sich, ob er sich wirklich eingehend mit seiner neuen Partei auseinandergesetzt hat. Ökologie ist ihm wichtig («Auf meinem Dach habe ich eine Photovoltaik-Anlage installiert») und Soziales.

«Ich habe viele Freunde in Ägypten»

Dass das Eidgenössische Parlament und vornehmlich die Bürgerlichen den Kriegsmaterialexporten zugestimmt haben, findet er «beschämend». Wenn die Novartis ohne Not so viele Stellen streicht, wird er wütend. Und zu den islamophoben Tendenzen seiner Partei, der er seit dem Frühjahr angehört, sagt er: «Wer mich kennt, der weiss, dass ich überhaupt kein Problem mit den Moslems habe. Ich habe viele Freunde in Ägypten, kann mich mit gewissen islamophoben Haltungen der Schweizer SVP nicht identifizieren.» Aber Extremisten gebe es nun mal überall.

Bevor man auf das Thema Sicherheit zu sprechen kommt, fragt man sich allen Ernstes, ob sich da die Baselbieter SVP nicht einen alten Linken angelacht hat. Doch eben, das Thema Sicherheit brennt ihm unter den Nägeln. «Die fast 17 Jahre bei der Polizei haben schon geprägt und Spuren hinterlassen», sagt Stöcklin. «Ich finde, generell haben Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaft zugenommen. Da fehlt zunehmend der Respekt, welcher die Schweiz zu dem gemacht hat, was sie ist.»

Stöcklin glaubt, dass härtere Strafen eine Wirkung zeigen würden, fordert solche für schwere Straftaten wie Gewalt, sexuelle Übergriffe, Drogenhandel im grösseren Stil, schwere Verkehrsdelikte. Der 51-Jährige gibt sich bescheiden, wenn er über seine Wahlchancen spricht. Er sagt, er habe «einen eher marginalen» Leistungsausweis, sei lediglich Listenfüller mit dem Vorteil, bekannt und authentisch zu sein und keine Hemmungen zu haben, zu seiner Meinung zu stehen.

Er geigte Journalisten die Meinung, schimpfte über die Sportberichterstattung

Davon kann so manch einer ein Lied singen: Als Pressesprecher geigte er einzelnen Journalisten die Meinung, als RTV-Basel-Geschäftsführer und Präsident des Verbands Baselbieter Sportjournalisten schimpft er regelmässig über die einseitige Sportberichterstattung. Alles konzentriere sich in Basel immer nur auf den Fussball.

Seinen Standpunkt zu vertreten, hat Stöcklin ziemlich früh gelernt: Als Teenager zu Hause am Familientisch in Reinach, wo er aufgewachsen ist. Politik war hier immer ein Thema. Die Eltern waren CVP-nahe, seine Schwester ist bis heute eine Linke, er selbst war in jungen Jahren ebenfalls am ehesten der SP zugeneigt, demonstrierte gar gegen den Bau von AKW.

Eine Karriere als Politiker kam aber damals nicht infrage, dafür hatte er keine Zeit übrig. Als «talentierter Handballer» (Selbstdeklaration) spielte er für den lokalen Handballverein in der 1. Liga, daneben ging er an Wochenenden gerne mit Freunden aus. Und fand darüber hinaus bald seine berufliche Bestimmung. Nach dem Handelsdiplom arbeitete er kurz für eine Versicherung, ehe er 1988 bei Radio Raurach anheuerte und sich prompt im Regionaljournalismus etablierte.

«Greller, als die Polizei erlaubt»

Bald wechselte er zur bz, wurde Sportchef, folgte im Jahr 2000 dem Ruf des Kantons, für den er knapp 17 Jahre tätig sein sollte. Im vergangenen Jahr trennte sich die Polizei «in gegenseitigem Einvernehmen», wie es offiziell hiess.

Doch sein Abgang erfolgte alles andere als in Minne. Stöcklin wetterte daraufhin in der Öffentlichkeit über den Baselbieter Polizeikommandanten, warf ihm Mobbing vor. Die «SonntagsZeitung» setzte den Titel: «Greller, als die Polizei erlaubt.»

Stöcklin überlegte, eine Strafanzeige einzureichen, hat nun aber davon abgesehen. Der eine oder andere Kantonsangestellte könnte wohl nervös werden, wenn Stöcklin im März gewählt würde. Er sagt: «Es läuft vieles nicht so, wie es sollte in diesem Kanton, es wird stillos mit Mitarbeitern umgegangen. Man fragt sich schon, warum gewisse Chefbeamte noch da sind.»

Stöcklin bezeichnet sich heute als gelassen

Zwei Jahre ist die Schlammschlacht her. Einen Rachefeldzug plant er aber nicht. Früher, räumt Stöcklin ein, sei er aufbrausend gewesen, heute aber bezeichnet er sich als ausgesprochen gelassen. «Das Reisen, vor allem nach Nordafrika, aber auch nach Asien, hat mir auch die Augen geöffnet», sagt er.

Während sich die Leute in der Schweiz über fünfminütige Zugverspätungen ärgerten, habe man in anderen Ländern mit existenziellen Problemen zu kämpfen. Im Ton ist er moderater geworden, doch eckt er mit seinen Haltungen immer noch an. «Wer nach rund 30 Jahren in der Kommunikation nur Freunde hat, dem fehlt ein gewisses Profil, der hat irgendetwas falsch gemacht», sagt er.

Dass er als Christ betont islamfreundlich ist, wird in seinem neuen beruflichen Umfeld nicht von allen goutiert. Seit dem Frühjahr amtet er als Sprecher der katholischen Kirche Basel-Stadt, was ihn nicht davon abhält, sich weiterhin als Anhänger der Theorien des umstrittenen Friedensforschers Daniele Ganser zu bezeichnen. «Was bei den Anschlägen am 11. September geschah, darüber wird bis heute der Mantel des Schweigens gehüllt», findet Stöcklin.

Amerikaner und Nato als Ursprung des Leids

Das Leid dieser Welt, es lasse sich im Wesentlichen auf die Amerikaner und die Nato zurückführen. Einen Maulkorb werde er sich auch im Wahlkampf nicht verpassen lassen, sagt Stöcklin.

Kantonalpräsident Oskar Kämpfer sagt, es sei an den kantonalen Sektionen zu entscheiden, wen sie antreten lassen. Er glaube, dass Stöcklin gut zur SVP passe und habe nicht vor, dessen Haltungen zu Verschwörungstheorien zu durchleuchten. «Ich werfe auch niemanden aus der Partei, wenn er an die Homöopathie glaubt, obwohl auch nicht bewiesen ist, dass sie etwas nützt», sagt Kämpfer.

Vielleicht wird sich Kämpfer eines Tages die Haare raufen, sollte Stöcklin am 31. März gewählt werden. Denn eines ist sicher: Stöcklin lässt sich nicht den Mund verbieten. Das hat er schon öfter bewiesen.