Abstimmung

Was das Jagdgesetz für die Region Basel bedeutet

Ein Luchs hat einen Rehbock gerissen. (Archivbild)

Ein Luchs hat einen Rehbock gerissen. (Archivbild)

Ende September stimmen wir über das revidierte Jagdgesetz ab. Bei der Vorlage kollidieren auch im Raum Basel die Interessen.

Die Diskussionen um das revidierte Jagdgesetz sind hochemotional. Die Vorlage, über die das Schweizer Volk am 27. September abstimmt, polarisiert. Während die einen die Wichtigkeit der Gesetzesänderung betonen, geht diese anderen zu weit. Auch im Raum Basel kollidieren die Interessen von verschiedenen Interessensgruppen.

Das revidierte Jagdgesetz dreht sich vor allem um den Wolf. Das Gesetz ermöglicht es den Kantonen künftig, den Wolfsbestand vorausschauend zu regulieren. Dasselbe gilt für den Steinbock, der im Gesetz ebenso als eine regulierbare Art definiert wird. Auch ist es dem Bundesrat möglich, weitere Tierarten wie Luchs, Bär, Biber, Fischotter und Graureiher als regulierbar zu bezeichnen. Naturschutzorganisationen laufen schweizweit Sturm gegen das Jagdgesetz. In beiden Basel setzen sich unter anderem Pro Natura und der WWF gegen das Gesetz ein.

Luchse helfen dem Wald, da sie Rehbestand regulieren

In der Region leben gemäss Untersuchungen zwar keine Wölfe. Für andere Tiere könnte das Jagdgesetz jedoch negative Konsequenzen haben. Allen voran für den Luchs, der hier weit verbreitet ist. Die Katze mit den Pinselohren ist seit Jahren in der Nordwestschweiz heimisch. «Der Luchs hilft mit, die Rehbestände in der Region zu regulieren. Das nützt dem Wald», sagt Förster Josef Borer, der für den Forstbetrieb Schwarzbubenland zuständig ist. Alle Försterkollegen, die er kenne, lehnten das revidierte Jagdgesetz ab.

Der Revierförster engagiert sich derzeit im Solothurner Komitee «Jagdgesetz Nein» gegen die Gesetzesvorlage. «Auch der Solothurner Wald leidet unter hohem Wildbestand, der sich negativ auf die Verjüngung der Vegetation auswirkt», erklärt er. Die natürliche Regulation des Wildbestandes durch Grossraubtiere entschärfe nachweislich die Verbissproblematik, so dass artenreiche Wälder gesichert werden und Schutzwälder stabil blieben. Gut zu sehen, welchen Einfluss Rehe auf den Wald hätten, sehe man in einem Gebiet im Wald bei Seewen, das von einem Kontrollzaun umgeben ist. Für die Rehe ist es unmöglich, ins eingezäunte Areal zu gelangen. «In diesem Gebiet sind die Bäume rund einen Meter hoch, während sie im normalen Wald daneben nur etwa 20 Zentimeter hoch sind.»

Eidgenössisches Gesetz soll Rahmen für kantonales sein

Als Befürworter der Änderung des Jagdgesetzes treten national Jagd Schweiz, die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete und der Schweizer Bauernverband auf. «Es macht sicher Sinn, das eidgenössische Jagdgesetz zu modernisieren», sagt Sandro Jaisli von Jagd Baselland. Das geltende Gesetz, das nun in revidierter Form vors Volk kommt, stammt aus dem Jahr 1986. Für die Behörden sei unter anderem wichtig, Grundlagen zu haben, um einzelne Tiere regulieren zu können, erklärt er.

Gleichzeitig verweist Jaisli aber auch auf das angepasste Baselbieter Jagdgesetz, das kürzlich an den Landrat überwiesen wurde. Dem kantonalen Gesetz diene das schweizerische Jagdgesetz als Rahmen. Für die Jägerinnen und Jäger im Baselbiet sei das kantonale Gesetz stärker von Belang.

Auch Sandro Jaisli sagt: «Wir haben hier in der Region keine Wölfe und Bären.» Bei den Luchsen könne man noch von einem friedlichen Zusammenleben reden. Man wisse aber nicht, wie die Situation in einigen Jahren aussehen werde. Möglicherweise stelle sich bald die Frage, welches Mass an Grossraubwild es in der Region brauche. Da sei es von Vorteil, ein zeitgemässes und nachhaltiges eidgenössisches Jagdgesetz zu haben.

Wie in der ganzen Schweiz sind die Stimmberechtigten auch in beiden Basel und Solothurn aufgefordert, Ende September über das Jagdgesetz zu befinden. Nimmt man eine aktuellen Umfrage zum Massstab, wird es knapp werden. Vor einer Woche wollten 54 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer das revidierte Jagdgesetz annehmen.

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