Auszeichnung

Was für herrlicher Brutalismus: Das Mischeli-Areal mit Heimatschutzpreis ausgezeichnet

Setzt laut Heimatschutz einen Kontrastpunkt zu vielen «Rendite-Überbauungen»: die reformierte Kirche mit dem neuen Kirchgemeindezentrum. (zvg)

Setzt laut Heimatschutz einen Kontrastpunkt zu vielen «Rendite-Überbauungen»: die reformierte Kirche mit dem neuen Kirchgemeindezentrum. (zvg)

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Reinach wird gewürdigt für die Neugestaltung.

Nicht ein jahrhundertealtes Gebäude, sondern ein modernes Ensemble ist mit dem Baselbieter Heimatschutzpreis 2019 ausgezeichnet worden: das Mischeli-Areal mit seiner markanten Kirche. Laut dem Baselbieter Heimatschutz «steht die neue Bebauung auf dem Mischeli-Areal in Reinach für gute Baukultur im Baselbiet und setzt damit einen Kontrapunkt zu vielen Rendite-Überbauungen im Kanton».

Die Organisation würdigt auch die Kombination von Architektur und Umgebungsgestaltung bei der Neukonzeption, deren Planungsphase 1992 begonnen hat. Zusammen mit den kommerziellen Nutzungen des renovierten Shopping Centers ist ein Quartierzentrum mit Ausstrahlung entstanden.

Von Überbauung verschont geblieben

Die Mischeli-Kirche, ein kubisch gegliederter Sichtbetonbau, wurde von Architekt Ernst Gisel geplant und 1963 errichtet. Dieser setzte in der Schweiz Akzente im Kirchenbau der Nachkriegszeit. Damals stand das reformierte Gotteshaus noch weitgehend auf der grünen Wiese ausserhalb des Dorfes.

Die Hochkonjunktur sei voll im Schwung und die oft ziellose Bautätigkeit im Norden Reinachs im Begriff gewesen, das freie Land bis auf das Feld um die Kirche mit einem unstrukturierten Häuserteppich zu überziehen, ist den Unterlagen des Baselbieter Heimatschutzes zu entnehmen. «Die Kirche trotzte standhaft diesem säkularen Ansturm der Agglomerationsarchitektur inklusive Shopping Center und stand weiterhin einsam auf einer freien Wiese.» Die beiden Parzellen der Gemeinde und Kirchgemeinde blieben von einer Überbauung verschont.

Als das alte Kirchgemeindehaus den Bedürfnissen nicht mehr genügte und ein Neubau vorgesehen war, wurde die Gelegenheit genutzt, um das ganze Gelände neu zu entwickeln. Das neue Kirchgemeindehaus, das vor sechs Jahren aufgerichtet worden ist, kontrastiert stark mit der Kirche. Zwei Gebäude auf dem östlichen Teil des Grundstücks enthalten 28 Seniorenwohnungen der Genossenschaft Aumatt.

Laudatorin lobt Heimatschutz

Es sei nur «konsequent», wenn der Heimatschutz sein Augenmerk auf Anstrengungen richte, die zentrale Orte im vielfach als ungestalt empfundenen Siedlungsraum ausserhalb der alten Kerne zu stärken versuchen. Dies hielt Kunsthistorikerin Dorothee Huber in ihrer Laudatio fest, als der Preis am vergangenen Freitag überreicht wurde. Denn die Auszeichnung für die Neugestaltung des «Mischeli» stehe in Zusammenhang mit den jüngsten Wakker-Preisen an vorbildliche Planungen in kaum beachteten Agglomerationsgemeinden, so Huber. Und der Heimatschutz bilanzierte: «Hat die Kirche dem Quartier seit einem halben Jahrhundert ein Gesicht gegeben, so haben das Gemeindezentrum und der Kirchplatz zusammen mit der Aufwertung der Grün- und Freifläche dem Quartier zu einem bisher fehlenden identitätsstiftenden Zentrum verholfen.»

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