Schweizer Salinen

Was hat Baselland dem Salzabbau zu verdanken? Eigentlich (fast) alles!

Salz war für den Kanton Baselland Geburtshelfer, Wachstumsspritze und Goldesel in einem. Doch der Abbau geniesst nur noch wenig Kredit, von Dankbarkeit keine Spur. Dabei begann die Geschichte verheissungsvoll: Mit einem Baselbieter Salz-Rockefeller, den sogar Goethe verehrte.

Die Salinen Schweizerhalle, Rheinfelden und Riburg schlossen sich 1909 zu den «Vereinigten Schweizerischen Rheinsalinen» zusammen. Doch lange waren sich die Salzförderer in der Region Basel spinnefeind gewesen. Das hatte mit einem Monopol zu tun – mit einem Baselbieter Salzmonopol, das den Kanton reich machte und an dem sich, quasi nebenbei, zwei Männer bereicherten, von denen man einen gar nicht unbedingt mit Salz in Verbindung bringen würde: Stephan Gutzwiller.

1837 erhielt der Deutsche Carl von Glenck vom Baselbieter Regierungsrat eine Konzession zur Salzförderung. Im Jahr zuvor war er mit seinem letzten Geld beim Muttenzer Rothuus auf grosse Salzvorkommen gestossen. Diesen Fund bezeichnet Rebekka Schifferle in der Muttenzer Heimatkunde als Einschnitt für den jungen klammen Stand, der «ab sofort in dieser Sache nicht mehr von der Stadt abhängig war». Der Salzverkauf wurde zu einer immens wichtigen Devisenquelle für Baselland. Der Kanton konnte seinen damals äusserst begehrten Rohstoff fortan in die halbe Schweiz verkaufen. Die Geschäftsgebaren der Solebohrer stiessen aber auch auf Widerstand – vor allem Mitkonkurrenten störten sich daran.

Ein Baselbieter Rockefeller, den nicht Öl reich machte

Glencks Agent war kein geringerer als Stephan Gutzwiller, der als Verfassungsrat schon beim Aufbau des Kantons Basel-Landschaft eine wichtige Rolle gespielt hatte. Der Anwalt verhandelte mit anderen Kantonen über die Salzlieferungen und setzte sich in Liestal vehement für das Salzabbaumonopol Glencks ein. Gutzwiller und Glenck mussten sich bald den Vorwurf gefallen lassen, sich persönlich bereichern zu wollen. «Geschichte.bl» zitiert das «Basellandschaftliche Volksblatt» vom 19. April 1837: «So ist der Salzvertrag ihnen ein heiliger Vertrag, weil er ihnen den Beutel füllt und sie zu Herren macht.»

Den Konkurrenten blieb nichts anderes übrig, als sich auf andere Felder zu konzentrieren. Sie zogen ein paar Kilometer weiter rheinaufwärts, nach Kaiseraugst, Rheinfelden und Riburg – so entstanden die aargauischen Salinen, die sich 1874 vereinigten. Erst 1909 kam es zum grossen Schulterschluss. Der Druck der ausländischen Konkurrenz war zu gross geworden. Die Schweizer Salinen in ihrer heutigen Form entstanden.

2014 füllte sich auch der letzte weisse Fleck auf der Karte der Salinen. Damals trat die zuvor unabhängige Saline de Bex, Kanton Waadt, dem Verbund bei. Fortan waren alle 26 Kantone und das Fürstentum Liechtenstein Aktionäre der AG mit Sitz in Pratteln.

Die Schweizer Salinen mögen sich wohl gewundert haben. Ausgerechnet sie, die im Baselbiet als Dank für ihre Verdienste lange Jahre steuerbefreit waren, stossen in ihren Stammlanden auf fundamentalen Widerstand gegen das, was sie hier seit über 180 Jahren mit Erfolg praktizieren. So sistieren sie im Juni 2020 ihre Abbaupläne für die Muttenzer Rütihard für mindestens 20 Jahre, müssen sich im Baselbiet woanders nach Feldern umschauen, und so droht das zuvor Undenkbare: Dass der Saline Schweizerhalle der Rohstoff, die Sole, ausgeht.

Gutzwiller und Glenck sind in ehrenwerter Erinnerung geblieben. Das Baselbieter Personenlexikon schreibt über Gutzwiller, er habe zwar sich selbst als Agent der Saline Schweizerhalle «ein bedeutendes Vermögen» verschafft, aber gleichzeitig auch dem Kanton «die erste finanzielle Basis». Ebenso zu Ruhm gelangte Glenck: Der Bergbaufachmann wird in seinem Heimatland mit dem Ritterkreuz, der Ehrenbürgerschaft von Darmstadt und hohen Ämtern geehrt. Aber nicht nur das: Goethe verewigt den «Salinendirector Glenck», wie er ihn in seinen Tagebüchern nennt, im zweiten Teil des Faust.

Die neunzig Minenarbeiter festen gleich zwei Tage durch

Einen Eindruck davon, wie gross die Freude im Baselbiet war über die neue Einnahmequelle, bieten die Beschreibungen der Eröffnungsfeier. Am 7. Juni 1837 wurde die Saline Schweizerhalle eingeweiht. Laut Prattler Heimatkunde begann die Förderung aber nicht sofort. Die 90 Salinenarbeiter feierten zwei Tage durch – ihren Dienst konnten sie erst am 9. Juni antreten.

Das Spezielle an der Baselbieter Salz-Erfolgsgeschichte: Als Glenck drauf und dran war, seine Förderpläne über den Haufen zu werfen, erinnerte er sich an ein Gutachten eines Fachmannes, der für das Gebiet Rothuus in Muttenz Salzvorkommen vorhersagte. Verfasser war ein Stadtbasler: Peter Merian, Basler Ratsherr, aber auch Universitätsprofessor und Geologe.

So hat zum Baselbieter Salzmärchen auch Basel-Stadt ein dickes Kapitel beigegetragen. Und ausgerechnet ein Vertreter des Daig verhalf mit seinen Prognosen dem separatistischen Landkanton auf die Sprünge. Welch Ironie!

Meistgesehen

Artboard 1