Pünktlich zum Auftakt gab es den obligaten Knatsch. «Haltet euch endlich an die Regeln», schimpfte Nils Jocher auf Twitter, «langsam nervt es.» Der Nationalratskandidat der Baselbieter Juso ärgerte sich über all jene Konkurrenten, die ihre Wahlplakate bereits vor dem offiziellen Starttermin am Freitag um Mitternacht aufgehängt hatten.

Zum Beweis publizierte der Frenkendörfer Bilder von einzelnen SVP- und FDP-Kandidatenplakaten, die bereits am späten Freitagabend hingen. Prompt entwickelte sich in den Sozialen Medien eine Debatte über Sinn und Unsinn solcher Verstösse und allfällige Sanktionsmöglichkeiten. «Da gibts nur eins», forderte der Oberwiler GLP-Landrat Yves Krebs, «Plakate durch Werkhof abnehmen lassen und den Parteien/Kandidierenden in Rechnung stellen.»

Enge Grenzen, breite Auslegung

Selbstredend dürften Werkhofmitarbeiter am vergangenen Freitagabend wenig Lust verspürt haben, in ihren Gemeinden spät nach Dienstschluss wegen übereifriger Wahlkämpfer zu patrouillieren. Entsprechend sind keine Fälle bekannt geworden, in denen Plakate entfernt worden wären. Für den 2. Landschreiber Nic Kaufmann hat sich die Diskussion um die zu frühe Plakatierung diesmal in vergleichsweise engen Grenzen gehalten: «Vor vier Jahren hat die Frage, wann man genau mit der Plakatierung beginnen darf, zu Diskussionen geführt, die diesmal ausblieben. Ich denke, dass die Parteien besser instruiert wurden und die bisher unterschiedliche Interpretation der Regelung geklärt wurde.»

Ebenso wenig hat die Baselbieter Polizei irgendwelche Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Wahlplakaten zu berichten, wie ihr Sprecher Adrian Gaugler zu Protokoll gibt.

Tendenziell weniger, aber nicht viel

Hingegen lässt sich nach den ersten Tagen der offiziellen, sechswöchigen Aushangdauer feststellen: Der im Vorfeld vorausgesagte Rückgang der Plakatflut hat allenfalls stellenweise stattgefunden, aber bestimmt nicht in grossem Umfang. An den üblichen neuralgischen Stellen türmen sich bereits wieder die vertrauten Plakatsäulen, gefolgt von grossformatigen Blachen auf freiem Feld; so zwischen Grellingen und dem Eggfluetunnel oder zwischen Muttenz und Pratteln. Aber auch die Verkaufsflächen der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) sind üppig mit persönlichen Baselbieter Kandidatenplakaten oder - seltener - mit jenen ganzer Parteilisten belegt.

Hierbei fallen insbesondere jene von Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser auf. Nur mit seinem Nachnahmen in grossen Lettern und ohne FDP-Logo wirbt der Füllinsdörfer für sein Wahlmotto «Mache, was wichtig isch». Hierzu passt eine weitere Beobachtung des 2. Landschreibers: «Es gibt nicht mehr nur die klassischen Köpfe, die einen frontal anschauen anschauen. Viele Porträts sind mit einem Blick zur Seite oder teilweise sogar mit angeschnittenen Personen», sagt Nic Kaufmann. 

Andere stechen wegen ihrer Formate oder Motive aus der Masse heraus. Am auffälligsten sind die Plakate in Herzform der Reinacher SVP-Kandidatin Caroline Mall. Die Idee dafür sei ihr spontan in den Sinn gekommen, und der Sonderwunsch beim Drucken kostenmässig kaum ins Gewicht gefallen: «Ich will damit zeigen, dass meine Kandidatur von Herzen kommt.» Die SVP-Landrätin betont, sie habe alle 300 Exemplare eigenhändig aufgehängt. Ihr persönliches Wahlkampfbudget bewege sich im tiefen vierstelligen Bereich. «Aber wenn man alles selber macht und kreativ ist, kann man mit so wenig sehr viel herausholen.»

Der SVP-Apfel geht auch anders

Zu diskutieren gibt das Sujet von Malls Laufentaler SVP-Fraktionskollegin Jacqueline Wunderer. Genussvoll beisst die Röschenzerin in einen Apfel. Nichts läge näher, dahinter eine ironisierende Anspielung auf den Streit zu vermuten, den die SVP-Mutterpartei mit dem heftig kritisierten «Wurm-Plakat» vom Zaun gebrochen hat. Direkt darauf angesprochen reagiert Wunderer ausweichend: «Ich will mit meinem Plakat zum Ausdruck bringen, wie schön und gesund unsere Schweiz derzeit noch ist.» Ihr Plakat solle Aufmerksamkeit erregen, wachrütteln und sensibilisieren. Und insbesondere die Botschaft verbreiten, «dass ich gegen das EU-Rahmenabkommen in der derzeitigen Fassung bin».

Wie Wunderer ist Caroline Mall überzeugt davon, mit ihrer Idee gut anzukommen. «Ich habe ausschliesslich positive Reaktionen auf meine Herz-Plakate erhalten», sagt Mall, «so im Stil von: Endlich mal was anderes!» Zwar sei sich bewusst, dass «voll gehängte Kandelaber im Wahlkampf kein schönes Bild sind». Aber irgendwie müsse man sich ja als Kandidatin präsentieren können.