Autofahrer, die vergangene Woche im Feierabendverkehr durch das Leimental fuhren, konnten einem ungewöhnlichen Schauspiel beiwohnen. Auf einem frisch abgeernteten Feld entlang der Hauptstrasse bei Biel-Benken versammelten sich rund vier Dutzend Störche. Wenige hundert Meter weiter Richtung Chall waren auf einem anderen Feld bei Bättwil noch einmal etwa gleich viele Vögel zu sehen.

In der Region gehört Biel-Benken seit Jahren zu den Storchen-Hotspots. Hier brüten zwei Storchenpaare, die in den zurückliegenden Monaten für fünffachen Nachwuchs gesorgt haben. Es existiert sogar ein Verein, der sich den schwarz-weissen Vögeln verschrieben hat.

Beat Huggenberger, Kopf der Storchenfreunde Biel-Benken, hat in den letzten Tagen ebenfalls eine spezielle Erfahrung mit Störchen in seiner Gemeinde gemacht. An einem Grillfest am 31. Juli flogen rund 20 Tiere nur wenige Meter über die Partygesellschaft.

Zu den in Biel-Benken brütenden Tieren und ihren Jungen gesellen sich immer im Hochsommer einige Dutzend hinzu. «Die zahlreichen Äcker und das viele Wiesland um unsere Gemeinde machen sie für Störche attraktiv», sagt Beat Huggenberger. Momentan finden die Vögel auf den gepflügten Feldern und auf den halbhohen Naturwiesen allerhand Nahrung. Dazu gehören Regenwürmer, Mäuse, Engerlinge, Käfer und Heuschrecken.

Fliegen nach Frankreich, Spanien oder nach Afrika

Bis vor wenigen Tagen befanden sich viele Störche noch in ihren Brutquartieren. Ende Juli endete die Brutzeit der Vögel, weshalb sie jetzt auf Nahrungssuche gehen. «Sie stärken sich, bevor sie in einigen Wochen in den Süden fliegen», erklärt Bruno Gardelli, Regionsleiter Nordwestschweiz der Gesellschaft Storch Schweiz. «Die Störche aus der Region Basel fliegen in der Regel das Rhonetal hinab nach Frankreich und Spanien.» Manche Tiere überwinterten auch in Gibraltar oder in Nordafrika. Im nächsten Frühling werden dann diejenigen, die den Winter überlebten, mit grosser Wahrscheinlichkeit an ihre letztjährigen Brutplätze zurückkehren.

Wer derzeit im Raum Basel viele Störche sehen möchte, muss Glück haben. «Man kann die Vögel derzeit zwar vielerorts in der Region entdecken», sagt Bruno Gardelli. Eine Garantie, dass sie mehrere Tage nacheinander am selben Ort nach Nahrung suchen, gebe es jedoch nicht. «In der Regel fliegen sie von Feld zu Feld.» Die Chance, auf eine grössere Gruppe zu stossen, sei auf dem Laufenfeld zwischen Laufen und Breitenbach intakt. Auch im Raum Möhlin und in der Umgebung des Oberwiler Gymnasiums seien regelmässig Störche zu sehen.

Es gibt in der Schweiz immer mehr Störche

Dass sich im August in der Region auf den Feldern Störche tummeln, ist nicht neu. Ihre Anzahl ist in den vergangenen Jahren aber gestiegen. «Der Storchenbestand im Raum Basel nimmt langsam, aber stetig zu», erklärt Beat Huggenberger von den Storchenfreunden Biel-Benken. Ein Grossteil der Tiere sei beringt, weshalb man feststellen könne, wohin sie fliegen. «Die Biel-Benkemer Störche verbrachten die Wintermonate in den letzten Jahren unter anderem in den afrikanischen Ländern Senegal, Burkina Faso und Marokko.»

Gesamthaft existieren in der Schweiz rund 500 Storchenpaare, die in der letzten Brutzeit etwa 1000 Junge zur Welt gebracht haben. In der Nordwestschweiz leben etwa 100 Paare, von denen rund die Hälfte in Basel-Stadt brütet: im Basler Zolli und im Tierpark Lange Erlen. Einige davon stärken sich im Baselbiet, bevor es sie in den Süden zieht.