Innovation

Wasserlose Toilette der FHNW begeistert Spitäler - doch die Investoren fehlen

Den Prototyp (rechts) haben Julien Furstos (links) und Claude Lüscher im Spital-Alltag getestet. Doch aussehen soll die wasserlose Toilette schliesslich wie das Modell auf dem Möbel links.

Den Prototyp (rechts) haben Julien Furstos (links) und Claude Lüscher im Spital-Alltag getestet. Doch aussehen soll die wasserlose Toilette schliesslich wie das Modell auf dem Möbel links.

Forscher der Fachhochschule Nordwestschweiz haben eine wasserlose, mobile Toilette entwickelt. Die Idee findet Anklang. Vor allem Spitäler möchten von der innovativen Lösung profitieren. Doch für ein Start-Up fehlt das Kapital.

Bei Hunden hat sich das Robidog-Prinzip durchgesetzt. Die Idee, menschliche Ausscheidungen in Folie eingeschweisst - statt per Druck auf die Spültaste - zu entsorgen, hat es dagegen schwer: «Wir waren bei Airbus, bei der DB und der SNCF, bei der SBB, bei Unternehmen wie Geberit und Francke», berichtet Claude Lüscher von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Muttenz. «Alle haben uns gratuliert, dann aber doch abgewinkt.»

Gegen Medikamente im Abwasser

Dabei stand am Ausgangspunkt der Entwicklungsarbeit ein reales Problem: Der Kanton Baselland möchte keine Spital-Abwässer mehr in den Kläranlagen. Antibiotika, Schmerzmittel, Hormone und Röntgenkontrastmittel lassen sich in der ARA nicht entfernen, viele Wirkstoffe bleiben im Wasser aktiv, auch nachdem der Körper sie ausgeschieden hat. «Wir fassten also den Auftrag, eine wasserlose Toilette zu entwickeln», berichtet Lüscher als Projektleiter und Forscher der Hochschule für Life Sciences.

Das Ergebnis ist ein fahrbarer Hightech-Nachtstuhl, bei dem ein Folienschlauch so über die Toilettenbrille gezogen wird, dass Urin und Fäkalien nach Erledigung des Geschäfts dicht eingeschweisst werden. Ein Förderband spediert den Beutel, der später in der Müllverbrennung landet, in einen Abfallbehälter.

An den technischen Details hat Julien Furstos als diplomierter Mechatroniker fünf Jahre gearbeitet: Zwei Jahre suchte er nach einer Folie, die 10 Tage lang geruchsdicht ist. Dann musste ein Schweissverfahren entwickelt werden, das auch bei Falten in der fünffachen Folie absolute Dichtigkeit garantiert.

Spitäler warten auf solche Lösung

«Die Folie wird derzeit von Hand konfektioniert», berichtet Lüscher als Projektleiter. «Erst wenn es um grosse Mengen geht, lässt sich der Schlauch automatisch herstellen.»

Damit spricht Lüscher die Krux des Projekts an. Zwar hat der Prototyp bei Tests im Bürgerspital in Solothurn bei Patienten und Pflegenden Anklang gefunden. Die Röntgenabteilung der «Insel» in Bern wäre hoch interessiert, das Tiefenauspital würde für die Intensivstation zugreifen und an einer Curaviva-Messe in Lausanne zeigte sich auch Altersheim-Personal begeistert: Der Umgang mit Ausscheidungen der Patienten gehört zwar zum Alltag, aber nicht zu den attraktiven Seiten des Pflegeberufs.

Auch SAC-Hütten wären froh über eine Lösung, bei welcher der Urin der Touristen nicht die hochalpinen Wiesen überdüngen würde. Doch in Kleinserien kommt das Gerät auf 5000 Franken zu stehen und auch die Folie ist teuer. «Erst durch die Fertigung in Serien von 1000 Stück könnte man den Preis auf 2000 Franken senken», berichtet Lüscher.

Gesucht: 2 Millionen Franken

Nun hat die FHNW ein fertiges Produkt, dessen Design an der Hochschule für Gestaltung und Kunst entwickelt wurde. Mit «Nowat» gibt es den Namen für ein Start-up-Unternehmen. Furstos - sein Vertrag mit der FHNW endet diesen Sommer - stünde mit dem Know-how des Erfinders zur Verfügung. Ein provisorischer Businessplan liegt vor. Doch es fehlt das Kapital, der Investor, der industrielle Partner, der an die Idee glaubt und dafür 2 Millionen Franken bereitstellt.

«Dass die Bahnen ablehnen, weil die Nadeln der Spritzen in den Toiletten die Folie durchstechen würde, ist einzusehen», meint Lüscher. Dass aber Mercedes Benz zwar sich an einer wasserlosen Bustoilette sehr interessiert zeigte, aber erst einen entsprechenden Prototyp fordert, übersteige die Möglichkeiten der FHNW, die bereits rund 600'000 Franken in Forschung und Entwicklung sowie in Patente investiert hat.

So setzen Lüscher und Furstos ihre Hoffnung in die Marktstudie, welche die Wirtschaftsabteilung der FHNW in Olten derzeit in Arbeit hat. «Im Mai sollten die Ergebnisse vorliegen. Dann hoffen wir, dass unser flügge gewordenes Forschungsprojekt doch noch den Weg in die Wirtschaft findet», meint Lüscher.

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