Strafgericht Baselland

Weg vom Schnaps! – Betrunkener mit Gewehr muss in die Psychiatrie

(Symbolbild)

Der Mann bedrohte im alkoholisieren Zustand Passanten mit einem Gewehr.

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Nachdem ein Mann im Februar 2018 in Reinach mit einem Gewehr Leute bedroht hat, bleibt er nun vorläufig in der Forensik. Wie man ihn behandeln will, ist aber noch unklar.

Es waren eher symbolische Zahlen: Zehn Monate Gefängnis hatte Staatsanwältin Desirée Stramandino gefordert, sechs Monate hingegen Verteidiger Ozan Polatli. Das Dreiergericht rechnete ein wenig anders und kam schliesslich auf eine Freiheitsstrafe von acht Monaten. Darin ist bereits ein massiver Rabatt enthalten, weil der Mann als vermindert schuldfähig eingestuft wurde. Für den 32-jährigen Mann macht das keinen Unterschied: Die Strafe wird zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben.

Im vergangenen Februar spazierte er mit einem abgesägten Jagdgewehr im und um den Coop in Reinach herum und hielt mehreren Passanten die Waffe an den Kopf oder zielte in der Gegend umher. «Schreckung der Bevölkerung» hiess für die Staatsanwaltschaft der passende Tatbestand. «Er wollte nicht einen erheblichen Teil der Bevölkerung erschrecken, es waren drei Leute plus ein Zuschauer», relativierte Verteidiger Ozan Polatli.

Die drei Richter sahen das ähnlich, zumal auf den Videoaufnahmen auch zu sehen sei, dass niemand in Panik geraten ist. Eine Frau dachte gar, der Mann habe in der Tasche bloss einen Schirm gehabt. Das Gericht beliess es bei einer Verurteilung wegen versuchter Drohung. Dazu kam ein Schuldspruch wegen Gewalt gegen Beamte, weil er bei seiner Verhaftung ziemlich renitent gewesen ist.

Da der Mann ukrainischer Staatsbürger ist, hätte er auch für ein einschüssiges Jagdgewehr auf jeden Fall einen Erwerbsschein benötigt, diesen hatte er jedoch nicht. Auch glaubten ihm die Richter nicht, dass die mitgeführten Würgeschlingen für ihn bloss harmlose Küchenutensilien waren, um Butter oder Käse zu schneiden.

Bei ihm zu Hause fand man eine halbfertige Rohrbombe, die von der Polizei sicherheitshalber gesprengt wurde, bevor man das pyrotechnische Gemisch genau analysieren konnte. Ob sie tatsächlich selbstständig sprengfähig gewesen war, blieb damit offen. Im Zweifel gingen die Richter davon aus, dass hier lediglich ein Versuch gegen das Sprengstoffgesetz vorlag. Er selber konnte nicht erklären, was er damit wollte. «Ich erinnere mich nicht mehr. Ich war besoffen und müde», meinte er.

Behandlung noch unklar

Ein Gutachten sah ein hohes Risiko für künftige Gewalttaten, es sei eine engmaschige Betreuung nötig. Wie der langjährig alkoholabhängige Mann diese nun genau erhalten soll, bleibt unklar: Nach rund sechs Monaten in Untersuchungshaft konnte der Mann Ende August vorzeitig in die geschlossene Abteilung eines Massnahmenzentrums wechseln.
Wie am Rand der Verhandlung klar geworden ist, plant man dort aber inzwischen den Übertritt in eine psychiatrische Klinik: Im Massnahmezentrum liege der Schwerpunkt auf der Arbeitsintegration, und dafür sei der Mann noch nicht weit genug. Er leidet an einer leichten Form einer Schizophrenie.

Er selber willigte in die Massnahme von unbestimmter Dauer ein, zeigte sich aber unzufrieden mit den erhaltenen Medikamenten. Auch sei das Leben ohne Alkohol, Cannabis und Kokain sei für ihn hart, betonte er. Auf einen Landesverweis verzichtete das Gericht. Ob das Migrationsamt die B-Bewilligung des Handwerkers künftig erneuern wird, bleibt damit allerdings offen.

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