Fête des Vignerons

Wegen des Ansturms auf Vevey: Der Journalist kam nur noch in Lausanne unter

Vor der Unterkunft stand ein Bahnpolizist. Das Hôtel Agora Swiss Night by Fassbind, fünf Minuten zu Fuss vom Lausanner Bahnhof entfernt, war schon seit anderthalb Monaten ausgebucht. Grund war die Fête des Vignerons im nahen Vevey.

In Vevey soll es schon drei bis vier Monate vor dem Grossanlass keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr gegeben haben, hiess es am Empfang. Der Journalist und seine Partnerin waren als persönliche Gäste des Kantons Basel-Stadt zum Kantonstag eingeladen. Kritische Steuerzahler können sich beruhigen: Übernachtung und Anreise mussten sie selber zahlen.

Doch keine Exklusiv-Bewachung des ausgebuchten Hotels

Auch die vermeintliche Exklusiv-Bewachung des Hotels stellte sich als Fehleinschätzung heraus. Der Bahn-Polizist wartete auf einen Kollegen, der wie er selbst dort übernachtete. Beide kamen aus Basel und waren für eine Woche an die Fête geschickt worden – wohl um an den Bahnhöfen der Menschenmassen Herr zu werden.

Tausend Sonderzüge hätten die SBB für den Anlass bereitgestellt, sagte SBB-Kommunikations-Chefin Kathrin Amacker beim gemeinsamen, musikalisch begleiteten und nassen Spaziergang der geladenen Gäste. Die Strecke führte vom Bahnhof Vevey zum trikantonalen Empfang der beiden Basel und des Juras auf den Terrassen der «Confrérie des Vignerons» direkt am See.

Chic im weissen Kleid mit hellen Pumps strahlte Amacker Optimismus aus, sagte, dass es bald ein Ende haben würde mit dem Dauerregen. Das Gleiche hatte am Vorabend ihr Kollege von der Bahnpolizei gesagt, aber beide sollten sich irren. Zum Anlass war erschienen, was Rang und Namen hat. Regierungsräte und -rätinnen en masse, Behördenvertreter, Botschafter und Staatssekretäre. Auch SBB-CEO Andreas Meyer, der ja aus Basel stammt, gab sich die Ehre.

Der Regen, der den ganzen Tag nicht aufhören sollte, hatte sein Gutes. Alle blieben bis zum Essen, das wegen der Verschiebung des Spectacle in der Arena von 14.30 Uhr auf zwölf Uhr vorgezogen wurde, und waren fleissig am Netzwerken auf den überdachten Terrassen. Für Journalisten war das praktisch, zumal die Gesprächspartner so kaum flüchten konnten.

Werner Baumann, der Gatte der Basler Regierungspräsidentin – eine der Hauptgastgeberinnen an diesem Tag –, erzählte freimütig, dass sie im «erstaunlich wenig mondänen Montreux» in einem Hotel untergebracht gewesen seien, vor dem von 22 Uhr bis Mitternacht ein Musiker-Duo schreckliche Musik zum Besten gegeben habe. Da die zwei eine Bewilligung hatten, war nichts zu machen. Überhaupt hätten sie das Hotel nicht selber auswählen können. Ein Hinweis, dass auch der Einfluss einer Regierungspräsidentin seine Grenzen hat.

Endlich erlösten die Veranstalter die nassen Besucher

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Regen, Regen und abermals Regen und Warten auf die Entscheidung der Veranstalter, alle zu erlösen und den Hauptanlass abzusagen. Um 15:15 Uhr hiess es immer noch, eine Viertelstunde später ginge es los. Aber das wollte auch der Herr aus Nyon nicht wirklich glauben: Er wartete lieber mit seiner betagten Mutter geschützt unter einem Baum mit Blick auf den Eingang, wo sich die Menschen stauten.

Er sollte recht behalten: Mit dem nach 1955, 1977 und 1999 vierten Besuch seiner Mutter des Spectacle würde es vorerst nichts werden. Die Vorstellung wurde auf den 31. Juli verschoben und auch der Berichterstatter entschied sich, nach Hause zu fahren.

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Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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