Strahlung

Wegen Kindergarten: Pratteln will doch keine Handy-Antenne

(Archivbild)

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Nachdem die Gemeinde eine neue Mobilfunk-Antenne bewilligt hatte, fällt ihr nun ein, dass sie in der Nähe einen Kindergarten geplant hat. Nun will man sich gegen die Sendeanlage wehren, Denn die könnte Kindergärtner bestrahlen.

Bei Salt Mobile wird man sich verschaukelt vorkommen. Zuerst bewilligt die Gemeinde Pratteln dem Unternehmen eine neue Mobilfunk-Antenne. Dann aber legt sie dagegen Einsprache ein.

Vorgesehen ist die Sendeanlage auf dem Dach des Prattler Jugendhauses. Die Gemeinde als Eigentümerin der Liegenschaft an der Gottesackertrasse stimmte der Antenne zu, unterschrieb auch das Baugesuch. Das war im September 2015. In der Einsprache, die am 1. Februar beim kantonalen Bauinspektorat einging, spricht sie aber von einer «veränderten Situation». Zwar wurde die Einsprache mittlerweile abgelehnt. Ein Weiterzug ist jedoch möglich.

Die «veränderte Situation», das ist ein Kindergarten, den die Gemeinde schon lange neben dem Jugendhaus plant. Kindergärten gehören laut der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) zu den sogenannten «Omen», ein Akronym für «Ort mit empfindlicher Nutzung». In ihrer Umgebung gelten strengere Strahlenschutzwerte. Die Gemeinde fürchtet wohl, dass sie Schutzmassnahmen erstellen müsste, wenn die Antenne bereits in Betrieb ist.

Der springende Punkt: Verändert hat sich die Situation nicht erst im Winter. Denn die Gemeinde plante den Kindergarten schon viel früher. Am 6. Dezember 2015 publizierte sie die Präqualifikation des Wettbewerbs für vier neue Doppelkindergärten. Einer davon: der Kindergarten auf der Jugendhauswiese. Vom Millionenprojekt war schon vor Jahren die Rede. Auf der Bauverwaltung hatte man den Kindergarten wohl schlicht übersehen, als man das Baugesuch von Salt Mobile unterschrieb.

Von einem «amtlich bewilligten Schildbürgerstreich» spricht der Prattler Einwohnerrat Benedikt Schmidt (Unabhängige). So heisst sein Vorstoss zur Antenne, den er kürzlich im Orts-Parlament eingereicht hat. In der Interpellation will er vom Gemeinderat unter anderem wissen, ob er vom «Zick-Zack-Kurs der Gemeinde» gewusst habe. Und ob er gewillt sei, die Einsprache weiter zu ziehen. «Es scheint so», sagt Schmidt zur bz, «dass auf der Verwaltung die eine Hand nicht weiss, was die andere macht.»

Gab die Gemeinde den Tipp?

Noch wegen eines anderen Aspekts könnte die Beantwortung der Interpellation peinlich werden. «Wenn ich richtig über die Vorgeschichte informiert bin», schreibt Schmidt im Vorstoss, «(...) Dann bot die Gemeinde das Dach des Jugendhauses als Alternative an.» Als Alternative deshalb, weil Salt ursprünglich im historischen Zentrum bauen wollte. Das wiederum dürfte beim Gemeinderat auf wenig Begeisterung gestossen sein: Der Prattler Ortskern zählt zu den schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung. Der Gemeinderat liess gestern verlauten, er beantworte keine Fragen zu hängigen Vorstössen.

Im Abweisungsbescheid geht das Bauinspektorat auch auf den Punkt der Strahlenbelastung ein. Es schreibt: «Geplante Nutzungserweiterungen, wie zum Beispiel ein Doppelkindergarten mit Aussenanlage, sollen dann berücksichtigt werden, wenn entsprechende Projekte im Baubewilligungsverfahren bereits öffentlich aufgelegt sind.» Das bedeutet: Bevor klar ist, was und ob überhaupt gebaut wird, sind tiefere Grenzwerte kein Thema.

Einsprache erhoben haben auch weitere Parteien, darunter Benedikt Schmidt. Auch sie wurden abgewiesen.

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