Die lange Bauzeit von geschätzten zwei bis zweieinhalb Jahren war massgeblich bestimmt durch die Funde aus römischer Zeit, die die Archäologen unter der Strasse erwarten. Dem ansässigen Gewerbe war die Bauzeit deutlich zu lang, sodass es mit prominenter Unterstützung der Wirtschaftskammer auf die Barrikaden ging.

Fels unterhalb der Hauptstrasse

Recherchen der bz zeigen nun aber, dass die archäologischen Grabungen in der Augster Hauptstrasse wohl kürzer ausgefallen wären als ursprünglich geschätzt. Der zuständige Archäologe von Augusta Raurica, Jürg Rychener, geht heute von einer Verzögerung von nur noch zwei Monaten aus – was angesichts der Länge der Bauzeit kaum ins Gewicht fiele.

Wie Rychener vergangenes Jahr feststellen konnte, als wegen Wasserrohrbrüchen die Strasse aufgegraben werden musste, befindet sich unter einem grossen Teil der Hauptstrasse fester Fels direkt unter der Strasse. Das sei ein klares Zeichen: «In den Felsen haben die Römer nichts gegraben; da können wir sicher sein.»

Obwohl das Terrain in moderner Zeit umgestaltet wurde, haben die Archäologen laut Rychener einen recht guten Überblick über die ungefähre Lage der archäologischen Schätze: Die alte römische Strasse wird in etwa unter der jetzigen Kantonsstrasse vermutet; rechts und links von der Strasse in bis zu einem Meter Tiefe liegen Gräberfelder.

Wie lange man die Bauzeit nun mit den neuen Erkenntnissen veranschlagen müsste, können allerdings weder Rychener noch der Kantonsingenieur Oliver Jacobi sagen: Die entsprechende Planungsgruppe wurde wegen des Gewerbeaufstandes bereits 2012 aufgelöst und kam nie über ein Vorprojekt hinaus. Verantwortlich dafür sind aus Jacobis Sicht die Augster selbst: Der Gemeinderat habe zum besagten Vorprojekt nie Stellung bezogen, sondern die Tieferlegung kategorisch abgelehnt, obwohl das Projekt eine Umgestaltung und bessere Aufenthaltsqualität bedeutet hätte.

Gemeinderat Thomas Baumgartner schiebt den Schwarzen Peter zurück: Selbst, wenn die Bauzeit heute kürzer angesetzt würde, bliebe die Gemeinde bei ihrer ablehnenden Haltung, weil die Tieferlegung den Ort zerschneiden würde. Die Ortsumfahrung von Augst sei deshalb unumgänglich: «Ich habe Angst davor, dass auf der A 3 etwas passiert und die Hauptstrasse in Augst die einzige Alternativroute ist.»

Eine Ortsumfahrung prüft der Kanton nun auf Wunsch von Wirtschaftskammer und Landrat. Jacobi macht aber keine Hoffnung auf eine Verwirklichung in den nächsten 20 Jahren: Der Aargau, der die Umfahrung weiterführen müsste, habe zwar im Richtplan auch eine Umfahrungsstrasse von Kaiseraugst vorgesehen, die allerdings auf einer anderen Trasse verliefe. Der Kanton Baselland sah die Tieferlegung vor, weil er eine Route für Ausnahmetransporte sicherstellen muss. Nun will der Kanton im Sommer 2015 wenigstens den Deckbelag der Hauptstrasse erneuern, um die grössten Schäden zu sanieren.

Kanton und Gemeinde im Clinch

Kanton und Gemeinde werfen sich gegenseitig vor, stur zu sein. Selbst die Erneuerung der Leitungen in der Hauptstrasse, die die Gemeinde nach den Rohrbrüchen nun in fünf Etappen bis November durchführt, wollte der Gemeinderat nicht mit der Erneuerung des Deckbelags durch den Kanton terminieren. Laut Baumgartner ist das «technisch» nicht möglich. Dem widerspricht Jacobi: Beide Arbeiten zu koordinieren, sei durchaus üblich. So habe Augst nun 2014 und 2015 eine Baustelle auf der Hauptstrasse.

Wenigstens mit einer Verzögerung durch archäologische Grabungen rechnet Baumgartner bei den Leitungsarbeiten nicht mehr: Die Rohre würden schliesslich in die gleichen Löcher gelegt, die zuvor gegraben wurden.