Verkehrssituation

Weil Bund nun die Verantwortung trägt: Staus für viele weitere Jahre im Gebiet Angenstein

Nadelöhr: Besonders zu Stosszeiten ist das Gebiet Angenstein sehr stark befahren.

Nadelöhr: Besonders zu Stosszeiten ist das Gebiet Angenstein sehr stark befahren.

Die H18 zwischen Delémont und Muttenz gehört nun dem Bund. Verbesserungen im Gebiet Angenstein rücken damit in weite Ferne.

Die Worte der Baselbieter Regierung versprühen wenig Hoffnung: «Es wird schwierig sein, bei den Verkehrsmassnahmen in der Kompetenz des Bundes auf der Achse Basel-Jura massgebliche Beschleunigungen bei den Bundesinvestitionen zu erreichen.» So lautet das Fazit auf ein Postulat von FDP-Landrat Rolf Blatter. Er wollte wissen, wie die Möglichkeiten des Baselbiets aussehen, den Bund zu Verbesserungen der Verkehrssituation zwischen Delsberg und Basel zu bewegen.

Besonderes Augenmerk richtete Blatter in seinem Vorstoss auf den Autoverkehr. Die H18, die von Delémont nach Muttenz verläuft, zählt seit diesem Jahr zu den Nationalstrassen. Die Verantwortung ist im Zuge des Neuen Netzbeschlusses von den Kantonen an den Bund übergegangen.

Vor allem im Gebiet Angenstein und im Raum Laufen ist die Strasse stark befahren. Seit Jahrzehnten stehen Projekte im Raum, die für Entlastung sorgen sollen. Durch die neue Zuständigkeit beim Bund drohen sie aber nach hinten verschoben zu werden.

«Überregionale Nachfrage ist gering»

Der Kanton Baselland hat Vorarbeiten für eine Realisierung des Muggenbergtunnels bei Angenstein sowie die Umfahrung von Zwingen und Laufen geleistet. Die Vorhaben liegen, gemeinsam mit Hunderten weiteren Projekten auf den 400 Kilometer langen neuen Nationalstrassen, nun in der Zuständigkeit des Bundesamts für Strassen (Astra). Damit stehen die Projekte in Konkurrenz zu anderen in der Schweiz.

Hier sieht die Baselbieter Regierung ein Manko, wie sie in der Antwort auf das Postulat Blatters schreibt: «Die überregionale Nachfrage Basel-Westschweiz ist gering und wird gemäss aktuellen Prognosen auch in Zukunft nicht zunehmen.» Die grössten Möglichkeiten, beim Bund einzuwirken, bestünden «noch bei der Engpassbeseitigung Angenstein». Dort könne man mit einem Defizit der Verkehrsinfrastruktur und einer Netzbereinigung argumentieren.

Mit Enthusiasmus den Bund überzeugen

Die Aussagen der Regierung zeugen nicht gerade von Zuversicht und Enthusiasmus. «Dabei braucht es, damit der Bund die Projekte umsetzt, welche die Kantone schon längst hätten realisieren sollen, engagiertes Lobbying in Bern», sagt der Grellinger CVP-Landrat Franz Meyer. Der Baselbieter Regierungsrat sei hier weiterhin gefordert, erst recht nach dem klaren Ja des Baselbieter Stimmvolks am 27. September zur Hochleistungsstrassen-Initiative.

Meyer verlangt überdies: «Die Regierung muss den noch immer ausstehenden Schlussbericht zur Verkehrsberuhigung im Knoten Angenstein endlich vorlegen und sich beim Astra dafür einsetzen, dass der längst überfällige Muggenbergtunnel gebaut wird.»

Projekte geniessen beim Astra nur dritte Priorität

Zusammen mit den beiden Laufentaler Landratskollegen Ermando Imondi (SVP) und Martin Dätwyler (FDP) hat sich Meyer Mitte August vor Ort bei Astra-Direktor Jürg Röthlisberger über die Zukunft der Projekte auf der H18 erkundigt. «Er sagte, dass alle bisherigen Projekte und Projektideen mit dem gleichen Raster auf ihre Dringlichkeit und ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis überprüft werden.»

Im ersten Halbjahr 2021 soll der Bericht an Bundesrat und Parlament übergeben werden mit der Empfehlung, welche Projekte wann realisiert werden sollen. Dies bestätigt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Seine Ausführungen lassen nicht darauf schliessen, dass die Projekte im Baselbiet vom Bund rasch realisiert werden: «Erste Priorität hat die tägliche Verfügbarkeit der Strecken. Dem baulichen Unterhalt und der Erneuerung kommt die zweithöchste Priorität zu. Erst dann folgen Ausbauten im Sinn von Verbesserungen, Kapazitätsausbauten und Ausbauten zu Gunsten Dritter.»

Der Bau der Strassenbauprojekte auf der H18 dürfte also wohl noch lange auf sich warten lassen. Postulant Rolf Blatter lässt sich auf jeden Fall von der Antwort der Regierung nicht entmutigen. «Der Baselbieter Regierungsrat macht leider keine grossen Anstalten, sich beim Bund einzusetzen. Wir müssen uns deshalb ein anderes Vorgehen überlegen.» Eine Möglichkeit wäre es, wenn Nationalräte aus den betroffenen Kantonen gemeinsam beim Astra vorstellig werden.

Meistgesehen

Artboard 1