Fasnacht Liestal

Weil nur noch «Party» gefragt ist, zieht die traditionsreiche Rotstab-Clique einen Schlussstrich

In Liestal geht eine Ära zu Ende: Die Rotstab-Clique nimmt ab 2019 nicht mehr am Fasnachts-Umzug Teil. Die traditionsreiche Clique begründet den Schritt damit, dass sie sich als «Störfaktor» fühle: Das Publikum goutiere Trommeln und Pfeifen nicht mehr.

Die 88. Teilnahme an der Liestaler Fasnacht wird zugleich auch die Letzte sein: Die Rotstab-Clique läuft ab kommendem Jahr nicht mehr an der Liestaler Fasnacht mit.

Wie sie auf ihrer Webseite mitteilt, empfinde sie sich zunehmend als Störfaktor an der Liestaler «Fasnachts-Party». Die Teilnahme am Umzug mache «je länger je weniger Spass», das Publikum zeige sich desinteressiert an dieser traditionellen Form der Fasnacht: «Ein immer geringerer Teil der Zuschauer interessiert sich noch für das Sujet, der Zeedel wird kaum noch gelesen.»

Die Rotstab werde nicht aufgelöst, jedoch werde man sich künftig auf Anlässe konzentrieren, «an welchen die musikalische Tradition der Trommeln und Piccolos noch geschätzt wird.» Für die Strassenfasnacht gelte aber: «Aadie Fasnecht, 88 Joor sy gnue.»

Rotstab-Cabaret ist nicht gefährdet

Der Stamm habe den folgenschweren Entscheid «nach langem Diskutieren» gefällt. Neben dem Desinteresse des Publikums würde auch eine Rolle spielen, dass der zeitliche Aufwand für die Durchführung des Rotstab-Cabarets sehr hoch sei. Dieses sei vom Entscheid nicht tangiert und werde in gewohnter Form weitergeführt. 

Die Rotstab-Clique nahm seit ihrer Gründung 1930 an der Fasnacht Teil, mit Ausnahme der Jahrgänge während des Zweiten Weltkriegs. Sie ist eine der traditionsreichsten Fasnachts-Gruppierungen in Liestal. 

«Wurden auch schon angepöbelt»

Stamm-Obmann Pascal Epple sagt auf Anfrage: «Wir sind zu einer Minderheit geworden. Wir wurden auch schon angepöbelt und nachgeäfft. So kann es nicht mehr weiter gehen.» Die ganze Fasnachtsszene befinde sich im Wandel, das sei überall in der Region zu beobachten, nur falle es auf dem Land stärker auf als etwa in Basel, weil es dort noch etliche traditionelle Cliquen gebe. 

«Es wird einfach immer schwieriger für uns, unsere Kernaktivitäten, etwa das Gässle, durchzuführen.» Man habe auch nichts gegen die immer populärer werdenden Guggen. «Zu ihnen ist das Verhältnis gut.» 

Komitee-Obmann zeigt sich überrascht

Ruedi Schafroth, der Obmann des Fasnachts-Komitees Liestal, sagt, er habe erst am Montag vom Entscheid der Rotstab-Clique erfahren. «Das hat mich total überrascht. Ich bin aus allen Wolken gefallen.» Für die Liestaler Fasnacht bedeute es einen «immensen Verlust», wenn die grösste und älteste Trommler- und Pfeifer-Formation nicht mehr teilnehme. 

Nachvollziehen könne er die Begründung für den Rückzug nicht ganz. «Gerade der Umzug ist nicht einfach nur Party.» Er macht sich auch Sorgen um den Nachwuchs: «Wenn man nicht mehr am Umzug mitläuft, wofür soll man dann noch einer Clique beitreten?»

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