Neu Schauenburg

Welch schön' Gemäuer – nur leider löchrig! Aber jetzt kommt Hilfe

Baselland macht vorwärts mit der Sanierung seiner grossen Burgen. Als Nächstes dran ist die Neu Schauenburg zwischen Pratteln und Frenkendorf. Ein Teil der Ringmauer droht zusammenzustürzen.

Neu Schauenburg ist ein sprechender Name. Die Burgruine heisst so, weil sie einen wunderbaren Ausblick bietet – bei klarer Sicht sieht man vom Kettenjura bis in die Vogesen. Oder eben: Schaut man bis vom Kettenjura bis in die Vogesen.

Doch die Burgruine zwischen Frenkendorf und Pratteln bröckelt. 2017 stürzte ein Teil der Ringmauer ein. Darum haben die Eigentümerschaft und der Kanton Baselland beschlossen, die Anlage teilzusanieren und zu sichern. Geht alles nach Plan, fliegt heute Mittwoch ein Helikopter Baumaterial und Gerüste zum Bauplatz auf 600 Metern Höhe.

Die Ausbesserungen und Sicherungsarbeiten beginnen im April und sollten im August abgeschlossen sein. Die Kosten belaufen sich auf 685000 Franken. Laut dem stellvertretenden Baselbieter Kantonsarchäologen Christoph Reding ist noch nicht klar, ob die Massnahmen zur Bekämpfung der Verbreitung des Coronavirus die Arbeiten verzögern.

Eigentümerin übernimmt 30 Prozent der Kosten

Parallel zur Sanierung wird die Anlage bauarchäologisch dokumentiert – denn noch immer birgt die Neu Schauenburg Geheimnisse. Es ist nicht einmal gesichert, wie alt sie ist. Scherben weisen auf Vorgängerbauten aus dem 12. Jahrhundert hin.

Gesichert ist hingegen: Die Neu Schauenburg ist, anders, als ihr Name vermuten lässt, älter als ihre Schwester, die Alt Schauenburg aus dem 13. Jahrhundert. Die verwirrenden Namenszusätze erhielten die Anlagen, die rund 600 Meter Luftlinie voneinander entfernt sind, nach dem Basler Beben 1356. Beide Burgen wurden zerstört, doch im Gegensatz zur unteren Burg wurde die obere nicht wieder aufgebaut. Und weil nur noch bei einem Gemäuer wieder Leben einzog, nannte man sie die neue Burg, eben: Neu Schauenburg.

Die Neu Schauenburg wechselte nach dem Basler Beben Dutzende Male die Besitzer. Danach starb das Geschlecht der Herren von Schauenburg aus – die Familie hatte die Namen der Burg übernommen. Nach 1500 zerfiel die Anlage.

Heutige Eigentümerin ist Renata von Tscharner. Sie übernimmt 30 Prozent der Sanierungskosten. Weitere 20 Prozent steuert der Bund bei. Die Hälfte der Aufwände stammen vom Swisslos-Fonds Baselland. In den vergangenen Jahren wurden auch die Homburg und die Ruine Pfeffingen saniert. Ebenfalls diesen April starten die Arbeiten an der Ruine Farnsburg.

Ein Pavillon als romantisches Relikt der Merians

Ihr heutiges Aussehen mit dem Pavillon verdankt die Neu Schauenburg einer Familie aus dem Basler Daig. Die Merians kauften das Gemäuer im 18. Jahrhundert. Auf dem höchsten Punkt liessen sie ein Belvedere errichten. «Gewohnt wurde darin nicht», sagt Christoph Reding. «Aber man konnte in ihm ungestört die Aussicht geniessen.» Im Bereich des Pavillons ist die Ringmauer 2017 brüchig geworden.

Dass die Planungen drei Jahre dauerten, hat laut Reding auch mit den umfangreichen Vorabklärungen zu tun. «Eine Burgruine zu sanieren benötigt einiges an Fachwissen.» Da der Pavillon unter Denkmalschutz steht, ist auch die kantonale Denkmalpflege involviert.

Öffentlich zugänglich sein wird die Burg nach den Arbeiten nicht. Da vorderhand «nur» rund ein Viertel der Anlage saniert wird, herrscht weiterhin Gefahr von Steinschlag. So müssen Besucher auch künftig mit der Aussicht vorlieb nehmen.

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