Spitallisten

Welche Angebote braucht es wirklich? Beide Basel wollen auch bei den Psychiatrien eingreifen

So soll es 2023 aussehen: Links der Neubau Krisenintervention und rechts jener der Alterspsychiatrie. (Visualisierung)

So soll es 2023 aussehen: Links der Neubau Krisenintervention und rechts jener der Alterspsychiatrie. (Visualisierung)

Die Psychiatrie Baselland baut für 66 Millionen Franken zwei neue Gebäude. Gleichzeitig starten in beiden Basel die Arbeiten an der ersten gemeinsamen Spitalliste für psychiatrische Angebote. Wie bei den Akutspitälern wollen die Regierungen auch hier klarer steuern. Passen die Neubauten da noch ins Konzept?

In Zeiten, in denen die Devise «ambulant vor stationär» wie ein Mantra gepredigt wird, mutet es zuerst seltsam an, dass die Psychiatrie Baselland (PBL) gestern in Liestal voller Stolz den Spatenstich für zwei Neubauten zelebrierte. Rund 100 Gäste, darunter der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber, gratulierten der PBL um CEO Barbara Schunk für das Megaprojekt. 66 Millionen Franken investiert das Unternehmen, um bis 2023 der Alterspsychiatrie und der Krisenintervention eine neue Heimat zu geben. Dazu wird das Haus B umfassend saniert. Schon im Januar 2021 nimmt zudem der Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie den Betrieb auf.

Bedarf an psychiatrischen Angeboten steigt

«Wir bauen hier zwar für die stationäre Psychiatrie, es sind aber Ersatzbauten und wir werden unsere 220 Betten nicht aufstocken», sagt Schunk im Anschluss an die Zeremonie zur bz. Und Weber betont in seiner Ansprache: «Wir gehen davon aus, dass der Bedarf an stationärer Psychiatrie mit zunehmender Alterung und kultureller Vermischung der Bevölkerung weiter zunimmt und gleichzeitig vermehrt ambulante Angebote genutzt werden.» Die PBL investiert in beides: Im Januar 2021 öffnet das ambulante Zentrum für psychische Gesundheit in Binningen.

Mit all diesen Erneuerungen hofft die PBL auch, gute Karten bei den Gesundheitsdirektoren beider Basel zu haben, die den Gesundheitsraum in Zukunft stärker regulatorisch steuern wollen – und das nicht nur bei den Akutspitälern, sondern auch im psychiatrischen Bereich. So will es die gemeinsame Spitalplanung, die vom Stimmvolk 2019 angenommen wurde. Doch während das Regulationsinstrument, die gemeinsame Spitalliste, bei den Akutspitälern bereits per 1. Juli 2021 in Kraft tritt, ging fast unter, dass auch neue Listen für die Psychiatrien und für die Rehabilitation erstellt werden. Wie die Kantone auf Anfrage bestätigen, sollen diese aber erst 2024 bereit sein.

«Es fehlt noch die Datengrundlage, die für die Akutspitäler schon vorhanden ist», sagt Anja Oswald, Direktorin der Riehener Klinik Sonnenhalde auf Anfrage. Bevor die neuen Spitallisten erstellt werden können, braucht es also ein Psychiatriekonzept sowie einen Versorgungsplanungsbericht, der auf einer Bedarfsanalyse basiert. Trotz des weiten Zeithorizonts haben die Arbeiten daran bereits begonnen. Fünf Konzept- und eine Steuerungsgruppe mit Fachexperten sind schon aktiv.

Psychiatrische Praxen im Visier von Regulator Weber

Doch haben die Gesundheitsdirektoren auch im psychiatrischen Bereich vor, so resolut einzugreifen, wie sie es etwa beim Orthopädie-Überangebot angekündigt haben? «Stellen wir eine Über-, Unter- oder Fehlversorgung fest, werden wir das tun, ja», sagt Weber zur bz. Er stützt die Einschätzung von Schunk, dass der stationäre Bereich in der Region derzeit ausgewogen aufgestellt ist. Einen anderen Bereich hat Weber aber bereits auf dem Radar: «Es kann sein, dass wir an gewissen Orten zu viele psychiatrische Praxen haben.» Auch dies werde nun geprüft.

Ein anderes Thema liegt Oswald besonders am Herzen: «Wir brauchen dringend innovative Präventions- und Frühinterventionsangebote. Doch diese werden immer noch nicht vom KVG oder Kanton finanziert.» Auch Schunk sieht die Problematik. Tatsächlich macht ihnen Weber Hoffnung: «Ich glaube digitale Angebote wie Telemedizin werden früher oder später ein Thema werden. Laut Spitalversorgungsgesetz haben wir die Möglichkeit, Leistungen zu unterstützen, wenn diese zu einer Verlagerung in den ambulanten Bereich beitragen – so wie wir es bereits bei Tageskliniken tun.»

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