Religion

Welche Rolle spielt die Religion in der Politik der Region?

Mit Thomi Jourdan von der EVP (l.) und Anton Lauber von der CVP (r.) treten zwei Vertreter christlicher Parteien gegeneinander an. Spielt die Religion dabei eine Rolle?

Mit Thomi Jourdan von der EVP (l.) und Anton Lauber von der CVP (r.) treten zwei Vertreter christlicher Parteien gegeneinander an. Spielt die Religion dabei eine Rolle?

Im Baselbiet treten bei der Ersatzwahl für Peter Zwick mit Anton Lauber und Thomi Jourdan Vertreter der katholischen CVP und der reformierten EVP gegeneinander an. Spielt die Religion dabei eine Rolle? Die Frage ist generell für die Politik in der Region aktuell.

Der Kulturkampf ist wieder im Gange, könnte der unbedarfte Beobachter denken, wenn er die Ausgangslage für die Baselbieter Regierungsratswahlen betrachtet: Mit Anton Lauber und Thomi Jourdan treten ein CVP-Katholik und ein EVP-Reformierter gegeneinander an. Von einer religiösen Auseinandersetzung könne keine Rede sein, betonen beide Seiten, bevor sie zu sehr weltlichen Argumenten greifen.

Doch völlig unbedeutend scheint die Frage nach der religiösen Einstellung eines Kandidaten nicht zu sein: Im ersten Wahlgang wurde die Zugehörigkeit von Eric Nussbaumer zu einer Freikirche thematisiert, und letzten Herbst war bei den basel-städtischen Regierungsratswahlen darüber diskutiert worden, dass SVP-Kandidat Patrick Hafner die Gellertkirche besucht, die als evangelikal gilt. Seine Kandidatur wurde auch von der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) unterstützt, der religiösesten unter den christlichen Parteien.

Die Rückkehr einer alten Frage

Damit taucht ein Thema wieder auf, das in den letzten Jahrzehnten immer mehr in Vergessenheit geraten ist, jene nach der Rolle der Religion in der Politik. Der Präsident der Baselbieter EVP, Urs von Bidder, winkt ab; es gehe beim anstehenden Wahlgang nicht um die Ausmarchung zwischen katholisch und evangelisch, sondern um zwei Kandidaturen aus dem politischen Zentrum. Aber ja, die Religion spiele in seinem politischen Leben durchaus eine Rolle: «Die christliche Überzeugung ist für mich und uns die Basis, auf der wir politisieren. Das heisst aber nicht, dass wir die Bibel als Entscheidungsgrundlage verwenden.»

In Basel hat Anfang Woche Lukas Engelberger das Präsidium der CVP übernommen. Der 37-jährige Jurist sieht sich selbst als durchaus religiösen Menschen, aber nicht als religiösen Politiker: «In der täglichen politischen Arbeit ist der Glaube kein Faktor, für mich persönlich aber ist er etwas Wichtiges.» Und fügt an: «Ich würde mich nicht als fromm bezeichnen, aber sicher als gläubig.» Und so stimmt er von Bidder ein Stück weit zu: «Der Glaube gibt mir sicher eine Grundlage für die Meinungsbildung.»

Im Gespräch wird deutlich, dass für den evangelischen Landschäftler von Bidder die Bedeutung der Religion in seinem politischen Leben höher ist als für den katholischen Städter. «Wir selbst und auch die politischen Gegner wissen, dass wir Christen sind, wir müssen uns und anderen das nicht laufend vorhalten und beweisen», sagt von Bidder dazu.

Engelberger, der zeitweise in einem Pfarreirat sass, ist sich bewusst, dass in seiner ehemals katholisch-konservativen Partei inzwischen auch viele Nicht-Katholiken politisieren und deshalb nicht einmal der Name sakrosankt ist: «Das C im Parteinamen ist immer wieder ein Thema, es gibt Menschen, die es als einschränkend empfinden, andere sehen es als Orientierungshilfe.»

Nachwuchs aus der Sonntagsschule

Nach wie vor ist das katholische Milieu vor allem in ländlichen Gebieten eine wichtige Stütze der CVP. Aber die Rekrutierungsbasis ist viel breiter. Nicht so bei den Evangelischen, erklärt von Bidder: «Aktive und konstruktive Mitglieder finden wir vor allem in christlichen Kreisen.» Und er führt aus, die EVP sei näher bei ihren religiösen Wurzeln als die katholische Konkurrenzpartei: «Die CVP ist von ihrer Tradition her und von ihrer nationalen Bedeutung her ganz anders politisch verankert. Darum tendiert sie auch mehr zum politischen Taktieren. Bei uns stehen die Werte im Vordergrund.» Doch auch Engelberger sieht sich klar als Verfechter christlicher Werte: «Die Menschenwürde ist ein zentraler Wert unserer Politik und des Christentums.»

Beide Mitte-Parteien berufen sich auf die Werte des christlichen Glaubens. Aber sie verbindet auch, dass sie sich gegen den Vorwurf ideologischer Verblendung verwahren: «Wir verwenden die Bibel nicht als Entscheidungsgrundlage im politischen Alltag», sagt von Bidder. Und Engelberger erteilt dem politischen Katholizismus eine Absage: «Stellungnahmen der katholischen Kirche zu aktuellen politischen Fragen sind für uns nicht massgebend.»

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