Nachgefragt

Welche Waren sind nun wichtig? «Die Schwierigkeit ist abzugrenzen, was zum täglichen Bedarf gehört»

Luftbild des Areals der Landi Reba.

Luftbild des Areals der Landi Reba.

Am Montag und Dienstag meldeten sich Leute bei uns und kritisierten, dass bei der Landi immer noch das ganze Sortiment zur Auswahl stehe. Wie war das möglich?

Beat Gisin: Dies war mit dem Kanton und dessen Krisenstab so abgesprochen. Am Sonntagnachmittag nach dem Regierungsentscheid haben wir sofort reagiert und Kontakt aufgenommen. Mit dem Krisenstab besprach ich das weitere Vorgehen. Wir durften am Montagmorgen normal öffnen und mussten im Verlauf dieses Vormittags einen Vorschlag einreichen, wie wir diesen Beschluss umsetzen können.

Weshalb wurde dieser zeitliche Aufschub gewährt?

Die Landi hat einen Teil der Grundversorgung für die ländliche Bevölkerung sicherzustellen. Aber wir bieten auch viel Non-Food an. Die Schwierigkeit ist abzugrenzen, was zum täglichen Bedarf gehört.

Was zählt genau dazu?

Nahrungsmittel: klar. WC-Papier: zwar nicht essbar, aber auch klar. Wie sind Holzpellets zum Heizen oder Holzkohle zum Grillieren einzustufen? Zählen auch Setzlinge zum täglichen Bedarf? Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten. Und was, wenn der Staubsauger oder der Küchenmixer den Geist aufgibt? Dabei spielt auch die Länge einer Krise eine Rolle – dauert sie eine Woche oder zwei Monate.

Wie beurteilte der Krisenstab Ihren Vorschlag?

Am Montagabend erhielt ich einen Anruf. Der Krisenstab teilte mir mit, der Rechtsdienst des Kantons würde aufgrund unserer eingereichten Artikelliste klären, wie man zu einer einheitlichen Linie gelangen könne. Uns wurde erlaubt, die Läden weiterhin in der gewohnten Form geöffnet zu haben, unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Am Dienstagvormittag machten wir uns an die Arbeit und trennten ab, was eindeutig war. Aber es gibt immer noch offene Fragen.

Ein Augenschein der bz am Mittwochvormittag hat gezeigt, dass Sie die Artikel für die Grundversorgung und die anderen, die Sie derzeit nicht verkaufen dürfen, nun abgegrenzt haben. Trotzdem: In Gelterkinden kann man noch Hanfseile und Ketten, in Aesch draussen vor dem Eingang Pflanzen kaufen. Das zählt nicht zur Grundversorgung.

Die Hanfseile und Ketten stammen aus dem landwirtschaftlichen Sortiment. Für die Landwirtschaft haben wir ebenfalls einen Versorgungsauftrag zu erfüllen. Bei den erwähnten Pflanzen handelt es sich um Setzlinge. Diesbezüglich stehen wir noch im Austausch mit den Behörden. Etwas ist mir wichtig: Uns geht es keineswegs darum, mit dem Kanton zu feilschen, damit wir mehr Umsatz generieren können. Es geht einzig und allein um unsere Verantwortung gegenüber der Bevölkerung.

Mussten Sie in Ihren Läden Waren umplatzieren, damit die Absperrungen nicht zu kompliziert wurden?

Teils, teils. Wir achteten darauf, dass der Kundenfluss gewährleistet ist und keine Sackgassen entstehen. Sonst kämen sich die Kunden zu nahe, sie müssen sich frei bewegen können. Wir haben auf die Markierungen ein besonderes Augenmerk gelegt.

Steht derzeit Ihr ganzes Personal im Einsatz?

Ja. Am Hauptsitz in Aesch sowie in den Filialen Bubendorf, Laufen und Gelterkinden sind das insgesamt 130 Mitarbeitende. Angestellte, die zu den Risikogruppen gehören, arbeiten von zu Hause aus. Unser Umsatz wird massiv zurückgehen. Das für uns wichtige Frühlingsgeschäft mit Pflanzen, unser Hauptzweig, fällt dieses Jahr flach.

Sie arbeiten im Home-Office. Lässt sich die Landi von zu Hause aus leiten?

Viel besser als ich gedacht habe. Schon vergangene Woche hielten wir Meetings via Telefonkonferenz ab. Mit der heutigen Technologie geht das gut. Jeden Morgen führen wir von der Geschäftsleitung mit unserem internen Krisenstab Telefonkonferenzen. Meine Beobachtung: Eine Krisensituation wie jetzt stärkt ein Team und schweisst zusammen. Und natürlich bin ich trotzdem immer wieder auch vor Ort präsent.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1