Muttenz

Weltrekordversuch gelungen: 1459 Kinder erhielten gemeinsam Schachunterricht

Unter dem wachsamen Auge von Guinness World Records liessen sich Muttenzer Schüler auf einem Sportfeld erklären, wie Schach funktioniert. Damit holen sie den Weltrekord im Massenunterricht des Brettspiels.

Der Turm darf nur gerade laufen, der Läufer quer, die Königin darf alles und den König muss man immer am besten schützen: Die Grundregeln des Schachspiels sind recht einfach. Am Donnerstag in Muttenz brauchte der Schachlehrer Peter Hug nur etwas mehr als 30 Minuten, um sie zu erklären – doch die 1459 Muttenzer Primar- und Sekundarschüler vor ihm werden diese halbe Stunde wohl nie vergessen.

Klassenweise sassen sie auf dem Spielfeld der Sportanlage Margelacker vor ihren Schachbrettern – und am Ende waren sie allesamt stolze Weltrekordhalter. Ihre Leistung: Sie bildeten zusammen die grössten Schachstunde, die die Welt jemals gesehen hat – wobei die Teilnahme strengen Regeln folgte. 35 Stewards wachten darüber, dass niemand weglief oder mit dem Handy spielte.

Ausser den Lehrern war niemand auf dem Rasen zugelassen. Und die Kinder mussten zeigen, dass sie den Lernstoff auch wirklich verstanden hatten, in dem sie Hugs Fragen mit Aufstehen (für ein «Ja») oder Händewirbeln («Nein) beantworteten. Die Stunde musste mindestens 30 Minuten dauern. All das forderten die Regeln für Massenrekorde von Guinness World Records Ltd., dem Unternehmen, das alljährlich das Weltrekordbuch herausgibt und am Donnerstag den Weltrekord abnahm.

Jubeln wie die Weltmeister

Während des Unterrichts sassen alle still. «Es entspricht meiner Erfahrung, dass sobald das Thema Schach ist, plötzlich alle ganz ruhig sind», sagte André Vögtlin, Präsident des Schachklub Muttenz, der den Anlass organisierte. Die Idee dazu hatte er zum 60-Jahr-Jubiläum des Vereins. Im Frühling konnte er die Gemeinde dafür gewinnen, danach die Muttenzer Primarschulen und einige Sekundarschulklassen. «Schach hat viel mit Zahlen, Kombinieren und Strategie zu tun», sagt Marianna Hersche, Leiterin der Muttenzer Primarschulen. «Man kann das Spiel immer gut im Unterricht einsetzen.»

Kurz nach Abpfiff erklärte Sofia Greenacre von Guinness World Records den bisherigen Weltrekord (1009 Teilnehmer) für gebrochen. Das Diplom überreichte sie dem Schachklub Muttenz. Auch die Kinder durften etwas behalten: Neben einem grossen Schachbrett mit Figuren erhielten sie eine Znünitüte, auf der «Weltrekordhalter» steht. Einige Kinder posierten damit wie Fussballer mit dem-Weltmeisterpokal.

PR-Anlass fürs Schachspielen

Vögtlin hatte schon im Voraus kaum Zweifel daran gehabt, dass der Weltrekordversuch klappen würde. «Organization is everything», hatte ihm Greenacre zu den Erfolgschancen gesagt. Und akribisch organisiert, das war der Anlass. Die Schulklassen zogen so geordnet vom Platz, wie sie gekommen waren. Viele Kinder kriegte man aber kaum von ihrem Schachbrett los, so akribisch waren sie ins Spiel vertieft.

Das war ganz im Sinne von Vögtlin. Er erhofft sich in den kommenden Wochen einen Zulauf von Kindern in seinen Schachklub. Vorsorglich sind Einführungskurse geplant, im November findet ein Familienschachturnier statt. «Der Weltrekordversuch war ein riesiger PR-Anlass fürs Schachspielen», sagte er. Oder wie ein Steward meinte: «Vielleicht war unter den 1459 Kindern ein zukünftiger Schachweltmeister.»

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