Bundesgericht

Wenn alles schief läuft – ein Wutausbruch mit jahrelangen Folgen

(Symbolbild)

Der Angeklagte tickte bei einer Waschanlage aus.

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Der Schaden in der Autowaschanlage war schnell angerichtet. Die juristische Nachbereitung dauert nun schon sechs Jahre.

Es war zu viel. Eine Familienfeier an Weihnachten, eine Freundin, die ihm den Laufpass gegeben hatte, und dann noch eine Autowaschanlage, deren Geldautomat seine Münze nicht annahm.

Als er am 27. Dezember 2012 um vier Uhr nachts ein zweites Geldstück einwarf, um seinen Frust mit dem Waschen seines Autos abzureagieren, funktionierte zwar die Anlage. Doch nun schleuderte der plötzliche Wasserdruck die metallene Spitze der Wasserlanze umher und schlug kleine Dellen in seinen Wagen.

Was folgte, war ein Wutanfall, dem nicht nur Aussenspiegel und Frontscheiben von Fahrzeugen zum Opfer fielen, die bei der Waschanlage parkiert waren. Ein Fahrzeug geriet ausserdem auf wundersame Art in Brand. Als er nach angerichtetem Schlamassel davonfahren wollte, prallte er im Rückwärtsgang in zwei Mustangs, was den Schaden um weitere 20'000 Franken hochschnellen liess.

Etwas später, die Polizei war bereits vor Ort, kam er zurück und bot sich mit seinem Feuerlöscher als Helfer an, der scheinbar zufällig vorbeigefahren war. Erst nach und nach wurde der Polizei klar, dass der Helfer wohl doch der Täter war.

Waren jedoch seine Aussagen, die er noch als Zeuge der Polizei gemacht hatte, im Prozess rechtlich verwertbar? Weshalb hat ihn die Polizei dann als mutmasslichen Täter, aber ohne Beisein eines Verteidigers befragt? Wie viel Geld soll der amtliche Verteidiger aus der Staatskasse erhalten? Und wie konnte das Fahrzeug eigentlich in Brand geraten? War es absichtlich, fahrlässig oder doch ein weiterer technischer Defekt? Mit solchen Folgefragen des Wutanfalls hatten sich seither die Baselbieter Gerichte zu beschäftigen.

Nun hat sich auch das Bundesgericht mit dem Fall befasst. Denn wie es in den Urteilen des Straf- und des Kantonsgerichts heisst, haben die Strafermittler sein Fahrzeug nicht nur beschlagnahmt, sondern auch verwertet zur «Verrechnung des Erlöses mit den Verfahrenskosten». 4500 Franken war das Auto noch wert. Doch dieser Betrag wurde ihm nicht an die Verfahrenskosten angerechnet. Vielmehr erhielt er den Bescheid, mit diesem Betrag hätten gerade die Standplatzkosten getilgt werden können.

Geht nicht, sagt nun das Bundesgericht: Die Standplatzkosten seien im Urteil des Kantonsgerichts nicht als Verfahrenskosten ausgewiesen gewesen. Der Fall ist damit zurück beim Kantonsgericht Baselland gelandet, das nun erneut darüber befinden muss.

Autor

Christian Mensch

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