Biel-Benken ist bekannt für seine Klapperstörche. Seit 2008 nistet ein Paar auf dem Turm der Dorfkirche. Doch es gibt ein weiteres Nest in luftiger Höhe: Ein Pärchen hat sich im vergangenen Frühling einen Mobilfunk-Mast ausgesucht, um seine Jungen gross zu ziehen – ein ziemlich exklusiver Nistplatz für Störche, zumindest in der Schweiz.

Der Mast ist rund 30 Meter hoch und befindet sich im Biel-Benkemer Gewerbegebiet. Auch wenn sich der Bruterfolg nicht einstellte: Die Nistarbeit der Vögel verdreckte die darunter liegende Antenne mit Kot, Gewölle und anderem Material. Die Eigentümerin der Anlage, die Mobilfunkanbieterin Salt, habe zu Beginn gar nichts vom Vogelpaar gewusst, sagt Beat Huggenberger, Kopf der Storchenfreunde Biel-Benken. «Doch es gelang uns, Salt davon überzeugen, den geschützten Tieren Asyl zu gewähren.» Nicht nur das: Die Firma öffnet sogar ihr Portemonnaie für ihre gefiederten Untermieter.

Die Storchenfreunde schlugen vor, auf dem Mast eine Plattform anzubringen. Huggenberger kontaktierte Salt im vergangenen Frühling und erstellte erste Pläne des Aufsatzes. Nach monatelanger Ungewissheit sowie unzähligen E-Mails und Telefonaten erklärte sich das Unternehmen Anfang Oktober bereit für die Lösung mit der Plattform. Salt schreibt auf Anfrage: «Mit dieser Plattform sollte die Antenne nicht mehr betroffen sein. Somit haben wir hier eine Win-Win-Lösung gefunden.»

In luftiger Höhe und mit medialer Begleitung: Der Jungstorch von Biel-Benken bekommt seinen Ring.

In luftiger Höhe und mit medialer Begleitung: Der Jungstorch von Biel-Benken bekommt seinen Ring.

Kein Metall – wegen Strahlung

Betrieben wird die Sendanlage von Suntel Suisse AG. Die auf Mobilfunk-Basisstationen spezialisierte Firma liess die Plattform anfertigen und organisiert den Aufbau, alles finanziert von Salt.

Am kommenden Freitagvormittag ist es soweit, sofern das Wetter mitspielt: Dann treffen eine Hebebühne und ein Kran an der Kreuzung Jakobsstrasse-Gewerbestrasse ein. Eine Bedingung stellte Salt von Beginn an: Die Plattform muss aus Holz angefertigt sein, damit sie die Sendeleistung der Anlage nicht beeinträchtigt.

Die Tiere selber stören sich offenbar nicht an ihrer strahlenden Nistunterlage. «Sie haben sich diesen Platz selber ausgesucht», sagt Huggenberger. «Von daher gehe ich davon aus, dass sie sich nicht beeinträchtigt fühlen.»

Nachbarn nehmen Dreck in Kauf

Nicht nur Salt zeigt sich den Störchen gegenüber freundlich gesinnt. Laut den Storchenfreunden sind die umliegenden Gewerbebetriebe «gewillt, die Verschmutzung ihrer Werkhöfe durch herunterfallendes Nistmaterial klaglos zu tolerieren.»

Die Storchenansiedlung in Biel-Benken ist eine Erfolgsgeschichte. Vor elf Jahren liess sich das Pionierpaar «Biel» und «Benken» auf dem Turm der reformierten Kirche nieder. Bereit gestellt hatte das Nest schon damals Beat Huggenberger. Die Storchenfreunde sorgen seither für den Unterhalt des Nests, für die Reinigung des Kirchendachs und für die Beringungen der Jungtiere. Davon gab es einige: Bisher hat das Kirchturm-Nest 24 Jungstörche hervorgebracht.

Salt gibt sich stolz: «Es ist erfreulich, dass sich die Störche auf unserer Antenne wohlfühlen!» Wer weiss: Vielleicht nimmt die Firma den Vogel bald in ihr Logo auf.