Auch wenn alle Seifenkisten mit Liebe und viel technischem Gespür gebaut wurden, müssen die wichtigsten Funktionen vor dem Start geprüft werden. Die Kisten rollen zum Probelauf und bevor sie auf die Startrampe dürfen, checkt sie Gero Götze durch. «Ich prüfe die Lenkung, die Bremsen und die Kiste allgemein», fasst der Kisten-Inspektor zusammen. Der Junge, der mit seiner Kiste zuvorderst steht, rollt zu Götze. «Bremsen!», befiehlt er ihm. Der Pilot blockiert sein Fahrzeug und Götze versucht, die Kiste wegzustossen. Sie bewegt sich aber keinen einzigen Millimeter. «Perfekt», meint der Inspektor.

Dann folgt die Lenkung. «Einmal voll nach links einschlagen und dann nach rechts», gibt Götze vor. Er prüft, wie einfach sich die Räder einschlagen lassen und ob die Lenkvorrichtungen, die meist aus dicken Drahtgeflechten bestehen, halten. Der Junge rudert mit dem Steuerrad hin und her. Götze hilft ihm, indem er die Kiste ein bisschen rollen lässt. Das geht einfacher, denn schliesslich ist keine moderne Servo-Lenkung eingebaut. Der junge Pilot ist glücklich, als Götze die Lenkung akzeptiert. Auch sehr zufrieden ist er mit der Ausrüstung: Helm, Schoner und Handschuhe. «Das muss sein», erklärt er und gibt dem Jungen seine Startnummer.

Bevor es auf die Piste geht, müssen die Seifenkisten auf Herz und Nieren getestet werden.

Bevor es auf die Piste geht, müssen die Seifenkisten auf Herz und Nieren getestet werden.

Der Kontrolleur hat selber jahrelang viele Kisten gebaut. «Als meine Tochter elf Jahre alt wurde, hatte ich keine Pilotin mehr», lacht er. Trotzdem ist er bei den tollkühnen Kisten hängen geblieben.

Grossandrang in der Notfallwerkstatt

Die ersten Gefährte rollen die leicht abschüssigen Strassen hinunter, sie weichen den aufgestellten Autoreifen aus, fahren über eine selbst gebastelte Wippe und brettern durch eine «Waschstrasse», wo etwas Wasser und Schaum über zwei leichte Hindernisse fliesst. 59 Kisten fahren die Strecke ab. Nach dem Probelauf kommt Hektik in der Notfallwerksatt beim Ziel auf. Ein Reifen ist vom Bremsen aufgeplatzt und der Ersatzreifen ist etwas dicker. Der Mechaniker, der zwischen dem Probelauf und dem ersten Lauf der beliebteste Mann auf dem Platz ist, schleift den Bremsklotz etwas zurück, damit die «Fonduekiste» wieder starten kann. «Haben sie eine Raffel?», «Einen Schmierspray?», «Etwas Heissleim?», sind Fragen, die auf ihn einprasseln. Er muss aber noch bei «SpongeBob» etwas frisch anschweissen, bevor er einem Vater seinen Winkelschleifer in die Hand drückt und diesen machen lässt. Schlussendlich flickt er noch einem «Ferrari» eine Türe und zieht einem «Motorrad mit Seitenwagen» ein neues Bremskabel ein.

Kreativität und Plausch sind genauso wichtig

Der Samariter desinfiziert derweil die Wunde eines Jungen, er hilft kurz danach aber auch jenem Seifenkisten-Piloten, der einen wunderbaren Kreisel mit Dornacher Amtshaus und Baustellen nachgebildet hat, als er die Dekoration beim letzten Hindernis verliert und beschädigt.

Wer denkt, die ganze Seifenkisten-Sache sei nur etwas für Jungs, der irrt: Auch Mädchen fahren mit ihren selbst gestalteten Kisten den Hang herunter. Letztes Jahr hat eine Pilotin mit ihrer Kiste an einem Reifenstapel angehängt und ist zur Seite gefallen.

Da aber Mädchen (oder ihre Väter) sicherheitsbewusster sind, hat diese Kiste einen Überrollbügel. Kreativ sind aber alle Erbauer und das zählt genauso wie der Plausch, den alle haben.