Feuerwehr

Wenn die Einsatzhäufigkeit zunimmt und die Verfügbarkeit sinkt

Brand im Gewerbegebiet Kiesstrasse in Allschwil, Juli 2014.

Brand im Gewerbegebiet Kiesstrasse in Allschwil, Juli 2014.

Bei Alarmierung Innerhalb von zehn Minuten beim Magazin – das schaffen längst nicht mehr alle Miliz-Feuerwehrleute. Einige Gemeinden prüfen deshalb ein neues Modell.

Der Prattler Einwohnerrat musste nicht lange diskutieren. Er beauftragte Ende August den Gemeinderat mit der Prüfung, ob die Mitarbeiter der Gemeinde verpflichtet werden sollen, Feuerwehrdienst zu leisten. Die Idee dahinter:

Gemeindeangestellte verbringen ihre Arbeitszeit in der Gemeinde. Sie sind also schnell vor Ort, wenn tagsüber ein Schadensfall auftritt. Und die Gemeinde hat die Pflicht, eine funktionsfähige Feuerwehr zu betreiben. Also hat sie auch ein ureigenes Interesse daran, ihre Angestellten für den Feuerwehrdienst frei zu stellen.

Das Prattler Beispiel könnte Schule machen. Denn im Gegensatz zu Berufsfeuerwehren haben Miliz-Feuerwehren ein Problem: Die Brandbekämpfer, die auswärts arbeiten, können oft nicht innerhalb der geforderten zehn Minuten auftauchen. Oder sie werden am Arbeitsort gebraucht, sind unentbehrlich. Dieser Umstand beschäftigt auch den Feuerwehrverband beider Basel.

Präsident Dominik Straumann sagt: «Die Einsatzhäufigkeit nimmt zu. Gleichzeitig sind die Arbeitgeber immer weniger bereit, ihre Angestellten während der Arbeitszeit gehen zu lassen.»

Zum Pikett-Dienst verpflichtet

Ob die Feuerwehrmänner und -frauen einrücken, wenn sie sich während eines Alarms am Arbeitsplatz befinden, liegt im Ermessen jedes Einzelnen. Es hängt nicht zuletzt vom Druck am Arbeitsplatz ab – und der nimmt laut Straumann zu. Deshalb brauche es immer mehr «Tagesverfügungsbereitschaft», so der Fachbegriff. Diese könne man mit den Gemeindeangestellten herstellen. Deshalb begrüsst Straumann den Grundsatz, dass man Gemeindeangestellte in die Feuerwehr einbindet. «Im Leimental gibt es bereits einige Gemeinden, die das kennen.»

Dort betrifft die Regelung allerdings nur Angestellte des Werkhofs. «Pikettdienst tagsüber zu leisten, ist laut Anstellungsvertrag mit ihrer Funktion verbunden», sagt der Oberwiler Gemeindeverwalter André Schmassmann. Abgesehen davon, dass sie keine Atemgerät-Ausbildung haben, sind Werkhof-Mitarbeiter vollständiger Bestandteil der Feuerwehr. Sie haben zudem den Führerschein für Lastwagen. «Ausbildungstechnisch ist das von Vorteil», sagt Schmassmann.

Ortskenntnisse von Vorteil

Der Feuerwehrkommandant Martin Thürkauf ist froh, mit den Werkhof-Mitarbeitern handwerklich begabte Feuerwehrleute zu haben. «Und sie kennen die Eigenheiten des Dorfs; wissen zum Beispiel, wo die Werkleitungen sind.

In Oberwil gab es dieses Jahr zwei Brände, bei beiden hatte die Feuerwehr genug Personal. Ob das auch ohne die Werkhof-Mitarbeiter der Fall wäre, will der Kommandant nicht abschliessend beurteilen. Schliesslich ist auch die Gemeinde ein Arbeitgeber, für den jede Abwesenheit Kosten verursacht.

«Man muss immer anschauen, was gegenüber dem Arbeitnehmer vertretbar ist», sagt Thürkauf. Wenn Werkhof-Mitarbeiter grad am Betonieren seien, könnten sie natürlich nicht sofort einrücken.

«Kein Killerargument»

Eine Zeit lang waren in Oberwil auch die Hauswarte in die Feuerwehr eingebunden, doch davon ist man wieder weggekommen. Hatten sie nämlich für einen Anlass einen Saal zu betreuen, musste man für ihren Pikettdienst einen Ersatz suchen, «und das kostet», sagt Schmassmann. Schwierigkeiten gibt es auch, wenn in kalten Wintern das Schneeräumen Priorität hat.
Und es liegt auf der Hand, dass man nicht jeden dazu zwingen kann, bei der Feuerwehr mitzumachen. In Bottmingen wird das Thema mit Werkhof-Stellenanwärtern schon im vornherein besprochen. Auf Antrag darf man sich aus gesundheitlichen Gründen freisprechen lassen, wie Gemeindeverwalter Martin Duthaler erklärt. Ähnlich geht Therwil vor. «Ich habe nicht das Gefühl, dass die Feuerwehr bei einer Anstellung unserer Werkhof-Mitarbeiter das Killerargument ist», sagt Gemeindepräsident Reto Wolf.

Anders könnte das aussehen, wenn die Feuerwehrpflicht auf alle Gemeindemitarbeiter ausgedehnt wird. Das steht nämlich in Pratteln zur Diskussion, ohne Einschränkung auf den Werkhof. «Dann würden wir auf dem Arbeitsmarkt schon Probleme kriegen», sagt Schmassmann. «Da haben wir jetzt schon schlechte Karten, vor allem was unsere tiefen Kaderlöhne angeht.»

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