Bottmingen

Wenn die Post die Briefkästen erst dann füllt, wann sie will

Die Post bestimmt selber, um welche Uhrzeit die Briefträger die Briefkästen füllen.

Die Post bestimmt selber, um welche Uhrzeit die Briefträger die Briefkästen füllen.

In Bottmingen änderten die Briefträger ihre Zustelltour. Ein Ehepaar ärgert sich, dass es seine Post neu erst am Nachmittag erhält. Doch etwas dagegen tun, kann es nicht. Die Post garantiere keine bestimmten Zustellzeiten, heisst es in Bern.

Das Ehepaar Melanie und Philipp Frei-Kölliker ist verärgert. Bis Ende Juni kriegten die beiden Bottminger ihre Post zwischen 9 und 9 Uhr 30 morgens an ihre Liegenschaft auf dem Bruderholz zugestellt. Seit dem 28. Juni kommt der Briefträger aber erst am Nachmittag – während die Nachbarn kaum eine Strasse weiter immer noch am frühen Vormittag den vollen Briefkasten leeren können.

In einer ähnlichen Situation dürften manche Bewohner von Reinach, Oberwil, Münchenstein und einiger Gemeinden im Laufental sein. Denn dort ist kürzlich das gleiche geschehen wie in Bottmingen: Die Routen der Briefträger wurden geändert. Die Post überprüfe die Tourenplanung regelmässig, erklärt Post-Mediensprecher Bernhard Bürki. «Wir planen die Touren nach optimalen logistischen Kriterien, damit möglichst viele Kunden so früh wie möglich bedient werden.» Dass bei einer Umstellung manche Kunden ihre Post früher, andere Kunden später als bisher erhielten, liege auf der Hand.

In Bottmingen lässt sich die Umstellung damit erklären, dass die Briefträger ihre Tour mit derjenigen in Oberwil zusammengelegt haben. Dem Bottminger Ehepaar versprach der Kundendienst der Post, die Boten würden ihre Touren so optimieren, dass sie «bis am frühen Nachmittag abgeschlossen» seien.

Post ignoriert Sonderwünsche

Doch damit liess sie sich nicht abspeisen. Für die beiden ist klar, «dass die ganze irre Umstellung mit Logik nichts zu tun hat und zudem mehr Zeit beansprucht», wie sie dem Kundendienst der Post zurückschrieben. Sie seien auf die Frühzustellung angewiesen. Deshalb fordern sie die Post auf, Briefe wieder morgens zu bringen.

Doch das dürfte schwierig werden. Denn die Post garantiert niemandem einen bestimmten Zustelltermin. Bürki spricht von einer «internen Richtlinie», wonach eine Zustellung «über Mittag oder am frühen Nachmittag» anzustreben sei. «Die Erfüllung von individuellen Wünschen in der Hauszustellung würde zur Folge haben, dass andere Haushalte auf der Tour deswegen länger auf ihre Post warten müssten.»

Die Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hat für die Haltung der Post ein gewisses Verständnis. Geschäftsleiterin Sara Stalder legt die Limite auf 12 Uhr 30. «Kriegt man die Post nachher zugestellt, kann man nichts dagegen unternehmen», sagt sie. Allerdings weist sie darauf hin, dass die Post vor einigen Jahren Pilotversuche mit Nachmittagszustellungen lanciert habe. «Das stiess nicht auf gute Akzeptanz.»

Kaum Reklamationen

Doch dass sich jemand über spätere Zustellzeiten so ärgert wie Philipp und Melanie Frei-Kölliker, ist die Ausnahme. Sowohl bei der SKS als auch bei der Post treffen kaum Beschwerden ein. Und auch die Gewerbebetriebe, die ihre Post möglichst früh benötigen, beklagen sich nicht. Das sagt zumindest Samuel Salm, Mediensprecher von KMU Binningen-Bottmingen.

Den beiden Bottmingern hat die Post gesagt, die idealen Zustellrouten würden per Computer ermittelt. «Dann muss wieder die menschliche Logik herangezogen werden», wie sie schreiben. Bis das passiert, bleibt ihnen eine einzige Hoffnung: «Dass bald Konkurrenz auch für die Briefpost kommt.»

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