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Wenn die Quarantäne zur Versuchung wird: Für Menschen mit Verhaltenssüchten kann die Isolation gefährlich werden

Wissen um die Gunst der Stunde: Online-Casinos.

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In Zeiten von Corona ist das Internet für die meisten von uns eine Erleichterung. Unsere Freizeit hat sich, so gut es geht, ins Netz verlagert. Für Menschen, die an einer Verhaltenssucht leiden, kann die soziale Isolation, gepaart mit dem Internetkonsum, jedoch zu einer Gefahr werden.

«Die Coronakrise könnte für Verhaltenssüchtige kritisch werden», sagt Renanto Poespodihardjo, Leitender Psychologe der Abteilung für Verhaltenssüchte an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK). Die Abteilung bietet rund 80 Betroffenen im Jahr eine ambulante Therapie. Seit zwei Jahren führt sie ausserdem ein stationäres Angebot für Verhaltenssüchte, das schweizweit in dieser Form einmalig ist. Dort behandelt sie Menschen, die ein spezifisches Verhalten nicht mehr kontrollieren können und daher entweder als kauf-, internet-, sex- oder geldspielsüchtig bezeichnet werden.

Besonders kritisch schätzt Poespodihardjo die aktuelle Situation für Kaufsüchtige ein. So sei shoppen im Internet verhältnismässig einfach und die Versuchung gross, auch für jene, die vor dem Coronavirus vor allem Läden aufsuchten. Für Personen mit einem problematischen Internetkonsum könnte sich die Lage ebenfalls verschärfen. «Online-Gaming erfährt jetzt einen richtigen Boom», sagt der Psychologe.

Die Nachfrage nach Onlinepoker etwa habe sich in den vergangenen Tagen verdoppelt. Eine Sexsucht, oft ausgelebt durch den Konsum von Pornografie, kann sich laut Renanto Poespodihardjo in beide Richtungen entwickeln. «Wer alleine lebt, ist sicher mehr gefährdet. Wer jetzt aber seine Familie rund um die Uhr zu Hause hat, wird vermutlich weniger konsumieren.»

Bei seinen ambulanten Patientinnen und Patienten habe er glücklicherweise noch keine Rückfälle festgestellt. Seit Beginn des Lockdowns haben er und sein Team alle angerufen, die im vergangenen Jahr in Behandlung waren und proaktiv nach ihrem Befinden gefragt. Wegen der aktuellen Massnahmen führt die Abteilung für Verhaltenssüchte die ambulanten Therapien nur noch online durch, also via Chat und App, oder telefonisch.

Online-Casinos buhlen um neue Kunden

Derzeit sorgt sich der Psychologe aber vor allem um jene, die nicht in Therapie sind. «Was die Internetsucht betrifft, rechne ich mit einem Schub an Problemen.» Jetzt, da die Schulen geschlossen sind und Jugendliche zu Hause sitzen, würden viele noch mehr Zeit im Internet und beim Gamen verbringen. «Das könnte zur Folge haben, dass der Wunsch nach echter Bewegung und Kommunikation abnimmt.»

Das heisse nicht, dass man ganz auf das Surfen verzichten müsse. «Wenn das Internet für neue Dinge genutzt wird, etwa um ein Kochrezept auszuprobieren oder mit Freunden zu telefonieren, dann ist das in Ordnung.»

Erschwerend zur sozialen Isolation kommt hinzu, dass viele Unternehmen die Gunst der Stunde nutzen, um für Kunden zu werben. So stellt der erfolgreiche Pornografie-Anbieter Pornhub seinen Nutzern gratis den Premium-Zugang zur Verfügung. Auch Online-Casinos buhlen um Aufmerksamkeit. Das Anfang 2019 in Kraft getretene Geldspielgesetz erlaubt konzessionierten Schweizer Casinos, Online-Geldspiele anzubieten.

Mittlerweile bewerben fünf Casinos in der Schweiz ihre digitalen Geldspiele an Bahnhöfen, im Internet, im Fernsehen und sogar in personalisierten Newslettern, wie die Stiftung Sucht Schweiz in ihrer jüngsten Medienmitteilung kritisierte. Nach aktuellsten Erhebungen haben drei Prozent der Schweizer Bevölkerung einen problematischen oder exzessiven Geldspielkonsum 

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