Bubendorf

Wenn eine Balkonerweiterung den Dorffrieden stört

Links das Haus mit dem strittigen Balkon und rechts das Pfarrhaus.

Links das Haus mit dem strittigen Balkon und rechts das Pfarrhaus.

Eine Balkonerweiterung sorgt für Diskussionen mit der Ortsbildpflegerin Lilo Münch und resultiert in Vorwürfen an ihre Adresse. Kurt Müller, der seinen Balkon erweitern will, spricht gar von Amtsmissbruach seitens Münch. Der Dorfsegen hängt schief.

«Ich nenne so etwas Amtsmissbrauch», sagt Kurt Müller, der gegenüber der kantonalen Ortsbildpflegerin Lilo Münch vom Amt für Raumplanung (AfR) mit schwerem Geschütz auffährt. Grund für die Aufregung Müllers ist, dass das Amt ihm nicht gestatten will, seinen Balkon auszubauen.

Müller stört sich daran, dass die Ortspflegerin vom Schreibtisch aus willkürliche Entscheide fälle, welche über «schön oder nicht schön» entscheiden. Er sagt auch, dass er den Eindruck habe, dass Münch grundsätzlich keine Zeit für Ortsbesichtigungen aufbringen will. «Ich nenne so etwas Amtsmissbrauch und stelle die Frage der Daseinsberechtigung der kantonalen Denkmalpflege, im Speziellen auch wenn ich an den Dorfkern in Seltisberg denke.»

Behörde wehrt sich

Martin Kolb, der Leiter des AfR, hält fest, dass die Grundlage der Stellungnahme des AfR im Wesentlichen das Zonenreglement der Gemeinde Bubendorf gewesen sei. Letztlich entscheide aber das Bauinspektorat (BIT) über Baugesuche. «Der Begriff ‹Willkür› ist in diesem Zusammenhang reine Polemik und ich weise ihn in aller Form zurück.»

Kolb sagt weiter, dass sich Münch einzig zu den denkmalpflegerischen und ortsbildpflegerischen Belangen geäussert habe. «Im vorliegenden Fall ist das Projekt nicht zonenkonform und widerspricht dem kommunalen Reglement zum Zonenplan Siedlung.»

Nachbarhaus als Gegengrund

Das BIT äussert sich ähnlich. Es hält es fest, dass die Voraussetzungen für die Sanierung des beantragten Balkons nicht gegeben seien. Es sagt Müller auch, dass das auf dem Nachbargrundstück liegende Pfarrhaus, welches ein Kulturdenkmal ist, durch bauliche oder technische Veränderungen auf der Parzelle von Müller in seiner Umgebung nicht beeinträchtigt werden darf. «Die vorgesehene Verbreiterung der Laubenerschliessung verändert das Erscheinungsbild jedoch in ungünstiger Weise und kann in der vorliegenden Form nicht befürwortet werden».

Im aktuellen Fall gelten erhöhte gestalterische Anforderungen. «Das angedachte grün-weisse Aluminiumgeländer erfüllt die Voraussetzungen nicht», kommentiert Kolb. Dennoch: Das AfR signalisiert Gesprächsbereitschaft. Mitte Oktober bestätigte Münch dem Projektverfasser, ETH-Architekt Lucas Gossweiler, eine Mitte September getroffene Vereinbarung, wonach der Bau mit Auflagen genehmigt werden könne.

Eine davon ist, dass ein Metallgeländer als Staketengländer ausgeführt werden müsste. Eine andere, dass ein Holzgeländer in der bestehenden Form mit Holzbrettern realisiert oder ebenfalls als Staketengeländer ausgebildet würde. In jedem Fall müsste der Balkon aber – als architektonisches Element der Laube – überdacht sein.

Architekt ist unzufrieden

Der Architekt teilt die Haltung des BIT nicht. «Entgegen der Auslegung des BIT bin ich der Meinung, dass das Projekt zonenkonform ist und dem kommunalen Reglement nicht widerspricht. Die Begründung, dass aufgrund der konstruktiv erforderlichen Stützen, der Balkon zu einem Gebäude wird und deshalb überdacht werden muss, kann ich nicht nachvollziehen.»

Gossweiler sagt der bz schliesslich, dass er vor der Eingabe diverse Abklärungen getroffen habe. «Wir geniessen nämlich den Ruf, korrekt und gut – auch im Voraus – mit den Behörden zusammenzuarbeiten.»

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