Corona-Virus

Wenn es nur so einfach wäre: Der Report zu den Baselbieter Testzentren

Statt sechs Stunden dauert es mehr als zwei Tage, bis Getestete im Baselbiet ihr Corona-Ergebnis erhalten.

Über zwei Tage lang mussten sie warten. Am Mittwochnachmittag hat ein Leser mit seiner Frau die neue Abklärungsstation in Lausen besucht, um festzustellen, ob sie sich mit dem Corona-Virus infiziert hat. Eigentlich hätte ein mobiles Team vorbeikommen sollen, schreibt der Mann in einer Mail an die Redaktion. Doch dieses sei komplett ausgelastet gewesen. Er und seine Frau seien darum gebeten worden, nach Lausen zu fahren. «Da hätten wir auch das Ergebnis schneller», sei ihm gesagt worden. Fünf bis sechs Stunden sollte es dauern, bis man Bescheid erhält, hiess es bei der Eröffnung der beiden neuen Abklärungsstationen in Lausen und Münchenstein. Am Freitagnachmittag, 48 Stunden nach dem Besuch in Lausen, hat das Ehepaar noch immer keine Sicherheit. Erst um 18.30 Uhr kommt die Entwarnung per SMS: Der Test ist negativ.

Dass sie so lange auf das Ergebnis warten mussten, ärgert ihn. Seine Frau sei eine Risikopatientin, schreibt der Leser. Er sei nicht arbeiten gegangen, während sie auf den Bescheid warteten – und fürchtete deshalb um seinen Job. «Wir sassen einfach zu Hause fest», sagt er.

Die lange Wartezeit ist ein Fall unter vielen: Eine weitere Leserin meldete sich am Freitag, sie sei ebenfalls am Mittwoch in einer Abklärungsstation gewesen, um sich testen zu lassen. Bei einem negativen Ergebnis, so sei ihr erklärt worden, erhalte sie noch am selben Tag eine SMS. Bei einem positiven Ergebnis gebe es einen Anruf. Auch sie hat, mehr als zwei Tage später, noch nichts gehört.
Sie arbeite im Gesundheitsbereich – für sie wäre es deshalb besonders wichtig, zu erfahren, ob sie infiziert ist. In der Zwischenzeit isoliere sich die Frau zu Hause selbst. Und findet deutliche Worte: «Ich fühle mich ehrlich gesagt im Stich gelassen.»

Anzahl Tests in den letzten Tagen stark gestiegen

Tatsächlich waren die angekündigten fünf bis sechs Stunden eine zu optimistische Prognose. Denn, wie Andrea Bürki vom Informationsdienst des kantonalen Krisenstabs sagt, betreffe die Situation nicht nur einzelne Personen. «Im Moment müssen die getesteten Personen mit längeren Wartezeiten rechnen», so Bürki. Wie lange man auf sein Resultat warten müsse, könne sie nicht genauer sagen. Bekannt ist aber der Grund für die Verzögerungen: Das Institut Viollier, das die Tests auswertet, ist schweizweit tätig.

Momentan wird es von Tests regelrecht überflutet. «Die Anzahl Tests ist in den letzten Tagen stark gestiegen», sagt Andrea Bürki. Zwar seien die Kapazitäten und das Personal vorhanden, das Problem seien die Massen: «Häufig erhält das Institut eine grosse Anzahl Tests gleichzeitig.» Die Patienten würden in den Abklärungsstationen jedoch persönlich und über Informationsblätter orientiert, dass es momentan schwierig sei, verbindliche Zeitangaben zu machen, betont Bürki.

An Kapazität in den beiden Abklärungsstationen mangelt es derweil nicht. Die rund 130 Personen – inklusive Zivilschützer – , die an den Standorten im Einsatz sind, würden zum jetzigen Zeitpunkt noch ausreichen, wie Bürki sagt. Es komme zwar ab und an zu Wartezeiten, diese würden sich jedoch in Grenzen halten. «Am ersten Tag lagen die Wartezeiten bei einer bis zwei Stunden. Mehr als das war es aber nie», so Bürki.

Wer keine Symptome hat, wird nicht getestet

Es komme auch vor, dass Patienten gar nicht warten müssten. In Lausen beispielsweise, wo die Station 24 Stunden am Tag geöffnet ist, sind die Nächte weniger streng als die Tage: In den ersten beiden Nächten gingen zwischen 10 und 20 Personen in die Station, um eine Infektion abzuklären. Insgesamt liessen sich am Mittwoch und am Donnerstag an beiden Standorten rund 1100 Personen testen.

Die Regel, dass man nur mit Symptomen einen Test machen soll, halten jedoch nicht alle ein: «Es melden sich auch Personen, die Angst haben, sich infiziert zu haben und Personen, die vom Arbeitgeber geschickt werden», so Bürki. Doch da bleibt der Krisenstab streng: Generell getestet werden nur medizinisches Personal oder Personen, die klare Symptome aufweisen.

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