Tenniken

Wenn Kühe Geld verdienen - Experiment mit Erlebnisbauernhof

Zaghafte Annäherungsversuche auf dem Hof Gisiberg in Tenniken.Lucas Huber

Zaghafte Annäherungsversuche auf dem Hof Gisiberg in Tenniken.Lucas Huber

Um drei Kälber zu retten, geht Bauerstochter Sibylle Zwygart einen ungewöhnlichen Weg: Sie ruft einen Erlebnisbauernhof ins Leben. Kinder sollen die Kälber kennen lernen können. Auch möchte sie ihnen die Landwirtschaft näher bringen.

Alissia ist mit ihrem Bruder Bruno hier. Die beiden Kinder kommen aus der Stadt. Nun tragen sie Gummistiefel und bürsten ein Kalb. «Das ist anders als bei einem Pferd», sagt Alissia, «irgendwie schwieriger.» Sibylle Zwygart stimmt ihr zu. Rinder, sagt die Bauerntochter und Tiermedizinstudentin, seien stur. Darum rät sie den Kindern zu gemächlichen Bewegungen, als sie die Anatomie der drei Kälber erklärt. Dann erleichtert sich eines – und die Kinder kreischen kollektiv «Iiiieh».

Vor acht Monaten, bei der Kalbung, dachte Sibylle Zwygart, ihr Vater wolle sie hinters Licht führen. Da käme noch ein drittes, hatte der Tenniker Landwirt gesagt an jenem 11. Juli im vergangenen Jahr. Es wäre nicht das erste Mal gewesen. Beim ersten Kalb, Svea, hatte die angehende Tiermedizinerin der Mutter noch alleine assistiert. Als sie merkte, dass da noch mehr kommt, rief sie ihren Vater, der beim zweiten half: Sven. Und dann kam Svenja.

Vater liess sich auf Experiment ein

Dem geübten Blick des Landwirts entging nicht, dass die beiden weiblichen Kälber unfruchtbar waren. Angehende Milchkühe, denen der Nachwuchs verwehrt bleibt, geben auch keine Milch. Es drohte die Schlachtung. Dann hatte Sibylle Zwygart eine Idee: Wenn sie 120 Franken pro Tier und Monat verdiente, könnte sie die Kosten für die drei Kälber decken. «Sie waren mir bereits ans Herz gewachsen, und ich wollte ihnen das Leben retten», sagt sie.

Ihr Vater liess sich auf das Experiment ein. So machte sich die 23-jährige Studentin daran, einen Traum umzusetzen, den sie schon in früher Jugend hatte: eine Art Erlebnisbauernhof. Klappt es, ergäbe das in ihrem Fall ein ganzes Füllhorn an möglichen Aktivitäten, insbesondere für Kinder. Auf sie richtet Zwygart ihr Angebot aus.

Immer samstags will sie Kinder willkommen heissen auf dem Gisiberg, ein paar Autominuten oberhalb von Tenniken. Um die Kälber zu streicheln, sie zu putzen und zu füttern. Und mit ihnen Spaziergänge zu unternehmen, wenn sie dafür genügend trainiert sind. «Es geht aber auch darum, dass die Kinder wieder einen Bezug zur Landwirtschaft bekommen. Viele wissen nämlich nicht mehr, woher die Milch kommt. Oder sie haben keine Möglichkeit, das Landleben zu erleben», sagt Zwygart.

Kühe als Zugpferde

Noch haben sich die Kälber nicht ganz an den Kinderbesuch gewöhnt. Zaghaft scheuen sie noch, das Gewusel ist ihnen nicht geheuer. «Rinder sind sehr lernfähig. Svea, Svenja und Sven werden sich schnell daran gewöhnen», erklärt Zwygart. Schliesslich gehe es nämlich auch darum, die Tiere zu beschäftigen. Dazu könnte auch gehören, dass die Tiere beritten oder vor eine Kutsche gespannt werden. «Möglich ist es. Und wenn mein Vater Zeit hat, liegt sicher auch mal eine Traktorfahrt drin.»

Davon wissen Alissia und Bruno noch nichts. Trotzdem wollen sie gerne wiederkommen auf den Hof Gisiberg, wo nicht nur Kälber locken, sondern auch ein gigantischer Heustock. Auf dem hat Sibylle Zwygart schon als Kind getobt. Nun will Alissia toben. Das gibt den ungeübten Kälbern eine Verschnaufpause.

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