Interview

«Wenn uns Wertstoff-Einnahmen fehlen, müssen wir die Abfallsackgebühr erhöhen»

Marie-Theres Beeler, Liestaler Stadträtin: «Was diese Firmen machen, ist illegal» (zvg)

Marie-Theres Beeler, Liestaler Stadträtin: «Was diese Firmen machen, ist illegal» (zvg)

Die Liestaler Stadträtin Marie-Theres Beeler will nicht zulassen, dass Private der Stadt das Geschäft mit Abfall-Wertstoffen streitig machen

Die Wertstoffe von Recyclinggut sind begehrt, weil sie zu Geld gemacht werden können. Diverse Firmen versuchen, sich auch ein Stück von diesem Abfallkuchen zu ergattern. Oft umgehen sie dabei die Gemeinden und wenden sich direkt an die Einwohner, so auch in Liestal. Die Stadt ist darob gar nicht erfreut. Die zuständige Stadträtin Marie-Theres Beeler erklärt die Hintergründe.

In Liestal versuchen derzeit Firmen, Abonnemente mit Privatpersonen abzuschliessen, um gegen Entgelt deren Wertstoffe wie Glas zu entsorgen. Besteht denn ein Bedürfnis nach einer solchen Dienstleistung?

Marie-Theres Beeler: Es gibt etwa 20 Personen, die ein solches Abonnement abgeschlossen haben. Ich vermute, das sind Leute, die unser Angebot nicht gut genug kennen. Sei es, weil sie vor kurzem zugezogen sind, nicht ortsgewandt sind oder die Sprache nicht verstehen. Für uns ist das Anlass, wieder einmal aufzuzeigen, welche Entsorgungsmöglichkeiten es in Liestal gibt. Aber es ist klar: Das Abfallmonopol liegt im Baselbiet bei den Gemeinden, und was diese Firmen machen, ist illegal, weil sie keine Bewilligung von uns dafür haben.

Ist Liestal allenfalls bereit, Firmen solche Bewilligungen zu erteilen, wie es etwa Basel handhabt?

Es sind keine weiteren Bewilligungen geplant. Bezüglich Wertstoffen haben wir einen Vertrag mit Texaid für die Verwertung von Alttextilien und eine Leistungsvereinbarung mit der Velostation Liestal fürs Einsammeln verschiedener Wertstoffe, die in die städtischen Sammelcontainer gehen. Die Velostation macht das unter dem Strich günstiger als die Firmen, die jetzt illegal Kunden suchen. Für eine Jahresgebühr von derzeit 250 Franken bringt sie mit ihrem Kurierdienst täglich die Einkäufe nach Hause und nimmt das Recyclinggut mit. Mit Entsorgungsbewilligungen an Private würden wir nicht nur dieses sinnvolle Angebot einer gemeinnützigen Organisation konkurrenzieren, sondern auch unserem Abfallbetrieb schaden.

Wie meinen Sie das?

Die Gelder, die wir für den Verkauf der Wertstoffe erhalten, fliessen in die Abfallrechnung. Würden diese Einnahmen oder ein Teil davon fehlen, müssten wir die Abfallsackgebühren erhöhen. Es ist ja kein Zufall, dass nur die Recyclingstoffe und nicht der Hauskehricht begehrt sind.

Um was für einen Betrag geht es denn beim Verkauf der Wertstoffe in Liestal?

Das sind rund 100'000 Franken pro Jahr.

Um die 20 Haushalte haben bis jetzt ein Abonnement in der Grössenordnung von 18 Franken pro Monat bei den Firmen gelöst. Was passiert jetzt? Haben diese Leute ihr Geld in den Sand gesetzt? Und werden Sie die Firmen anzeigen?

Wir suchen das Gespräch mit den Firmen. Ob wir auch gegen sie vorgehen, haben wir noch nicht diskutiert. Sicher ist, dass wir nicht die Privatpersonen belangen, weil sie sich auf das illegale Angebot eingelassen haben.

Welche Personengruppen können überhaupt ein Interesse daran haben, für die Entsorgung von etwas zu bezahlen, das sie an Sammelstellen gratis abgeben können?

Ich vermute, das sind ältere Leute, die nicht mehr so mobil sind und die Velostation nicht kennen. Oder eben jene, die nicht wissen oder verstanden haben, welche Entsorgungsmöglichkeiten es bei uns gibt.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1