Lokführermangel

Wenn Züge aus Personalmangel nicht fahren, missachten die SBB ihren Auftrag

Das Läufelfingerli über dem Viadukt Rümlingen

Am Samstag fuhren auf der Linie S9 zwischen Sissach, Läufelfingen und Olten – in der Region als «Läufelfingerli» bekannt – keine Züge. Der Grund: Die SBB haben schlicht zu wenig Lokführer. Eine Panne mehr für die Bundesbahnen, die zunehmend ihren öffentlichen Auftrag missachten.

Was wir bei einigen Nachbarländern stets mit einem spöttischen Lächeln zur Kenntnis nahmen, ist auch hier angekommen. Je länger, je mehr können wir uns nicht darauf verlassen, dass die Züge fahren. Der Lokführermangel stellt allerdings seit Jahren schon ein ungelöstes Problem dar. Insgesamt müssten 1000 neue Führer angestellt werden. Die Gewerkschaften warnen vor Überlastung und Burnouts.

Dass die Behörden als Auftraggeber sich empören, ist nachvollziehbar – die SBB missachten ihren Auftrag. Seit Jahren versuchen sie indes erfolglos, mit aufwendigen Marketingkampagnen Menschen für den Beruf des Lokführers zu begeistern. Bisher aber konnten sie nicht zufriedenstellend erklären, weshalb es nicht gelungen ist, mehr Personen einzustellen. Die jährliche Entlöhnung von 70 553 Franken könnte womöglich der Beschwerlichkeit des Jobs nicht angemessen sein, ist er doch geprägt von unregelmässigen Arbeitszeiten und anderen Belastungen, etwa der latenten Gefahr eines Suizids.

Die SBB sollten mehr darauf setzen, die Attraktivität des Berufes zu steigern, statt die Bahn auf die Strasse zu verlegen. Dazu kommt, dass die SBB wie bei vielen anderen Skandalen als kommunikationsscheuer Privatbetrieb auftreten, der seine Fehler nur mühselig eingesteht – und dabei zu wenig Transparenz schafft.

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