Als Samstag um 17.30 Uhr die ersten Töne der South West Oldtime All Stars auf der Bühne bei der Kirche gespielt werden, hat für die Besucher des «Jazz uf em Platz» in Muttenz so richtig begonnen. Jürg Honegger ist dagegen schon mittendrin und begibt sich zur Lounge, wo ein Apéro mit über 100 Gästen aus Politik, Wirtschaft sowie Sponsoren und Gönnern ansteht. Der OK-Präsident des beliebten Kulturanlasses, der bereits zum 35. Mal stattfindet, wirkt alles andere als gestresst. Das liegt daran, dass die Hauptarbeit bereits am Vortag erledigt worden ist – nun läuft die Maschine, die 280 Helferinnen und Helfer in Schuss halten, wie geschmiert.

Mit seinem Panama-Hut ist Honegger nicht zu übersehen, auch das macht ihn zum beliebten Gesprächspartner. Kurz vor 18 Uhr steht seine Begrüssungsrede an. Er erspäht den einzigen Ort in der Lounge, an dem es nicht von Leuten wimmelt, schnappt sich eine Harasse und stellt sich drauf. In seiner Ansprache thematisiert er das attraktive Musikprogramm und meint augenzwinkernd: «Wer schon um 22 Uhr nach Hause geht, ist selbst schuld. Wer um 23 Uhr geht, auch. Ich würde bis 1 Uhr bleiben – mindestens!»

Dann werden Apéro und Smalltalk fortgesetzt, ehe Honegger wieder gebraucht wird. Der Fotograf eines regionalen Magazins bittet ihn, mit zwei Helferinnen zu posieren. «Wir wurden wohl ausgewählt, weil wir jung und weiblich sind und gerade in der Nähe waren», schmunzelt Aurélie Dörig, die eine der beiden. Die Fotosession zieht sich in die Länge, weil der OK-Chef einen Anruf erhält. «Das passiert öfter», lacht Angela Honegger, die andere Helferin und Tochter des begehrtesten Mannes an diesem Abend.

Wenn der Vorhang viel zu gross ist

Danach geht es ins Pfarrhaus, wo Honegger dieser Tagen sein Büro hat. Während er seine Rede hält, um die Ballroomshakers auf der Bühne vor dem Gemeindehaus anzukündigen, kreuzt sich sein Weg mit dem von Frau Anne. Sie hat soeben die Seite eines Fotobuchs mit aktuellen Bildern der South West Oldtime All Stars fertiggestellt und holt sich die Unterschrift jedes Musikers. Mit der Rede im Hosensack macht sich der Mann mit dem Hut auf hinter die Bühne, plaudert hier und da und erklärt, von wem der Anruf gekommen ist: «Jemand aus der Entourage von Chris & Mike wollte wissen, ob man schon den Vorhang aufspannen kann.»

Als die Ballroomshakers mit «I Just Wanna Make Love To You» loslegen, bahnt sich der OK-Präsident den Weg zurück in die Lounge und gönnt sich ein Gläschen Wein: «Es ist das erste Mal, das ich ein bisschen entspannen kann.» Allzu lange dauert das nicht, denn die South West Oldtime All Stars müssen verpflegt werden und der Infostand meldet, dass der für die Sicherheit zuständige Polizist vor Ort ist. Zudem ist der Vorhang, der vor dem Auftritt von Chris & Mike fallen soll, grösser als erwartet und bedeckt die komplette Bühne vor der Kirche. Honegger wird seine Ansage somit nicht am gewohnten Ort machen können. «Improvisieren ist angesagt», lächelt er, treibt eine Leiter auf, stellt sie vor die Bühne und kündigt das populäre Duo an.

Mittlerweile ist die Dunkelheit eingebrochen, nur noch King Pleasure And The Biscuit Boys müssen angesagt werden. Kann sich der OK-Chef nun auch einmal hinsetzen und wie die anderen 4000 Menschen bei jazzigen Klängen und guter Stimmung relaxen? Er verneint, hält aber fest, dass jede «Jazz uf em Platz»-Ausgabe auch ihm tolle Momente beschert. «Am schönsten ist es, wenn ich ganz hinten stehe und sehe, wie die vielen Leute an den Tischen Musik und Ambiance geniessen.»