Nachgefragt

Werden Weibel bald zu Bodyguards?

Die 46-jährige Diana Boner ist neue Präsidentin der Vereinigung der Standes- und Bundesweibel.

Die 46-jährige Diana Boner ist neue Präsidentin der Vereinigung der Standes- und Bundesweibel.

Diana Boner ist die neue und erste weibliche Präsidentin der Vereinigung der Standes– und Bundesweibel. Zusammen mit Cornelia Kissling vertritt sie dort den Kanton Baselland.

Frau Boner, Sie wurden am Wochenende zur neuen Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung der Standes- und Bundesweibel gewählt, als erste Frau überhaupt. Freut Sie das besonders?

Diana Boner: Ja durchaus, denn es hat lange gedauert, bis nun eine Frau dieses Amt bekleiden darf. Die Vereinigung wurde bereits 1946 gegründet. Doch nun wurde ich aktiv angefragt, ob ich das Präsidium übernehmen möchte.

Ist das Amt des Weibels also immer noch eine Männerdomäne?

Ich war 1997 die erste Standesweibelin der Schweiz, die ihre Kantonsregierung an offiziellen Anlässen begleitete. Und auch heute sind unter unseren 107 Mitgliedern nur 15 Frauen. Immerhin stelle ich langsam eine Besserung fest, die Regierungen scheinen sich daran zu gewöhnen, dass eine Frau sie begleitet. Eine Frau im Ornat, also der Amtstracht in den Kantonsfarben, war halt lange ein ungewohntes Bild. 1997 gab es noch nicht einmal einen weiblichen Begriff für Weibel. In der bz wurde unter anderem «Ratsweib» vorgeschlagen. (lacht)

In den Augen der Öffentlichkeit sind Weibel eigentlich nur bei Staatsanlässen und 100. Geburtstagen sichtbar. Stimmt dieses Bild?

Im Ornat treten wir tatsächlich nur selten auf. Wir erfüllen aber noch viele weitere Aufgaben, die von Kanton zu Kanton abweichen können. Im Baselbieter Landrat etwa arbeitet meine Kollegin Cornelia Kissling in zivil. Zu 90 Prozent bin ich Sachbearbeiterin der Regierungsgeschäfte.

Was wollen Sie als Präsidentin konkret anpacken und verändern?

Zum einen wollen wir in den sozialen Medien präsenter sein. Ein anderes Thema, das ich vorantreiben möchte, ist die Sicherheit. Viele Weibel haben das Bedürfnis, sich diesbezüglich weiterzubilden, weil wir ja am nächsten an den Regierungs- und Bundesräten dran sind.

Heisst das, dass Weibel zu Bodyguards werden sollen?

Das nicht, aber vielleicht gibt es Möglichkeiten, unser Auge zu schulen, um Gefahrensituationen schneller zu erkennen. Vor einem Jahr hatten wir bereits eine Fachtagung zum Thema, doch seither hat sich nicht viel getan. Es besteht ein kleiner Graben innerhalb der Vereinigung zwischen Traditionalisten und offener Eingestellten, ob dies wirklich zu unseren Aufgaben zählen sollte. Hier möchte ich ansetzen. Es braucht einen Umbruch.

Kommt es denn häufiger zu Beschimpfungen oder sogar tätlichen Angriffen gegen Regierungsräte, das dieses Umdenken nötig macht? Zum Beispiel in Baselland?

Im Baselbiet habe ich zwar noch keine solche Situation erlebt, aber Sicherheit ist ein Bedürfnis, das allgemein in unserer Gesellschaft wichtiger geworden ist. Bei uns Weibeln spielt sicher auch das Attentat auf das Zuger Parlament von 2001 eine Rolle, das im Hinterkopf noch immer präsent ist. Man stellt sich halt schon die Frage, was man selbst machen könnte, sollte man plötzlich in so etwas hineingeraten.

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