Umzug

Weshalb Nicole Dill ihren Laden im einen Dorf aufgibt und im anderen einen neuen eröffnet

Dieser Dorfladen ist in Läufelfingen bald Geschichte.Juri Junkov

Dieser Dorfladen ist in Läufelfingen bald Geschichte.Juri Junkov

Nicole Dills Dorfladen in Läufelfingen läuft nicht. Ihr Konzept «Regio & Bio» scheint ein Verlustgeschäft zu sein - zumindest in einem kleinen Dorf, das ausser dem Dorfladen kein Lebensmittelgeschäft hat. Per Ende April schliesst sie ihren Laden in Läufelfingen. Aufgeben will sie aber nicht - und startet neu in Gelterkinden.

«Ich ziehe die Notbremse, bevor es zu spät ist», sagt Nicole Dill. Die Inhaberin von Regio & Bio, dem Dorfladen in Läufelfingen, wird diesen nach vier Jahren im April aufgeben, wie sie via Facebook bekannt gemacht hat. Eine Kundin bedauert auf dem sozialen Netzwerk, dass es keinen «Gefällt mir nicht»-Button gibt. Dill baut sich in Gelterkinden mit einem anderen Lebensmittelgeschäft eine neue Existenz auf.

Wie überall hat sich auch bei der Einwohnerschaft von Läufelfingen das Einkaufsverhalten geändert. Nicole Dill beklagt sich über immer weniger Umsatz und immer mehr Verlust. «Noch ein halbes Jahr hätte ich durchzwängen können», erklärt die 31-Jährige, aber dann hätte sie einen Konkurs riskiert.

Nun nimmt sie in Gelterkinden einen neuen Anlauf. Dill wird ihren Laden im Dorfkern an der Bohnygasse im Mai eröffnen. «Dort findet meine Kundschaft alles, was Coop und Migros nicht anbieten», preist sie ihr neues Projekt an: spezielle Frischprodukte und vieles für den täglichen Bedarf.

Nicole Dill weiss, dass viele Leute aus Gelterkinden und Sissach ihr Sortiment schätzen, vor allem Biokäse und -trockenfleisch. «Meine Käsetheke mit über 50 Sorten ist eine Marktlücke», betont die Ladenbetreiberin. Eine Nische ist auch das Vermieten von Racletteöfeli, was sie weiterführen wird. Diese Leute seien aber nicht bereit, nach Läufelfingen zu fahren, um bei ihr einzukaufen. Deshalb sieht Nicole Dill in Gelterkinden eine neue Chance. Ihre vierjährige Tätigkeit im Dorfladen Läufelfingen hat sie auf neue Ideen gebracht.

Viele Produkte bezieht sie aus der Region. Sie möchte auch künftig kleine Lieferbetriebe unterstützen. Bauern müssten faire Preise erhalten, lautet das Credo der Ladenbesitzerin. Diese hat ihre Berufslehre in der Gastronomie absolviert. «Deshalb spüre ich die Kunden besser», ist die 31-Jährige überzeugt, die viel Herzblut in ihren Laden pumpt.

Soziale Ader

Sie beschäftigt derzeit Stundenaushilfen und eine Lehrtochter. In ihrem neuen Geschäft in Gelterkinden möchte Nicole Dill mit ihrer sozialen Ader auch schwer vermittelbare Jugendliche beschäftigen und ihnen quasi einen geschützten Arbeitsplatz bieten. Sie gibt sich in Gelterkinden ein, zwei Jahre Zeit, sich zu etablieren, schränkt allerdings ein: «Ich weiss nicht, wie es herauskommt.»

Vor Dill führte Familie Buser während zehn Jahren den Dorfladen in Läufelfingen. Mit dieser tauscht sie sich noch oft aus. «Meine Vorgängerin versuchte, mit vielen Aktionen Kundschaft anzulocken. Ich probierte, mit regionalen und Bio-Produkten Kunden zu gewinnen. Beides hat nicht funktioniert», bilanziert Nicole Dill etwas ernüchtert.

Auf dem ehemaligen Kohler-Areal in Läufelfingen, das überbaut wird, soll ein neuer Dorfladen entstehen. Dill war von der Gemeinde angefragt worden, winkte jedoch aus finanziellen Gründen ab. Zudem wolle sie ihre eigene Meisterin sein und völlig unabhängig arbeiten, erklärt sie.

Dorfplatz und neuer Laden

Thomas Faulstich, der Läufelfinger Gemeindeverwalter, bestätigt die Anfrage der Gemeinde an Nicole Dill. «Seit ein paar Tagen wissen wir, dass sie ihren Laden aufgeben wird.» Vorübergehend könnte sich im Dorf die Versorgung verschlechtern, sagt Faulstich, weist jedoch darauf hin, dass im Frühjahr auf dem Kohler-Areal eine Bäckerei mit Cafeteria eröffnet wird. Auf diesem Areal ist laut dem Gemeindeverwalter auch ein grösserer Dorfladen vorgesehen; das Projekt ist aber noch nicht spruchreif. Dort wird ein Dorfplatz entstehen, der als Treffpunkt dienen soll.

Die Gemeindeversammlung hat im Dezember den Quartierplan Kohler-Areal einstimmig genehmigt. Seit gestern läuft die 30-tägige Planauflage. Die Investorin Hegibau Liegenschaften AG aus Rothrist realisiert eine Überbauung mit 65 Wohnungen. Die Planung wird noch dieses Jahr abgeschlossen. In der ersten Hälfte 2017 fahren die Bagger auf.

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