Jubiläum

Wie aus dem Birsfelder Kino Roxy ein Theater- und Tanzhaus wurde

Seit Neustem wieder zu sehen: Das alte Kino-Logo auf dem Vordach des Theaters Roxy.

Seit Neustem wieder zu sehen: Das alte Kino-Logo auf dem Vordach des Theaters Roxy.

Vor 25 Jahren wurde das ehemalige Kino Roxy zu dem, was heute ein renommiertes Theater- und Tanzhaus ist. Das Protokoll einer Erfolgsgeschichte.

1994 wandelte sich das Roxy in Birsfelden vom Kino zum Theaterhaus. An seiner Geschichte lässt sich ablesen, wie die Theaterszene in Basel in dieser Zeit gewachsen ist. Es lässt sich bei dieser Gelegenheit aber auch noch tiefer in die Vergangenheit eintauchen.

Am 2. Februar 1927 wurden an der Muttenzerstrasse die «Lichtspiele Birsfelden» eröffnet. Den Auftrag zum Bau gab Josef Adelmann, Besitzer des berühmten Basler Varieté-Theaters Küchlin. Ein Mann des Show-Business, der das Potenzial des Films in ländlicher Gegend erkannte. So kam Birsfelden zu einem der ersten Landkinos der Schweiz. Der Unternehmer ging damals klug vor: Um den Neubau zu finanzieren, baute er zusätzlich Wohnungen, ein kleines Geschäft und eine Werkstatt ein. Von dieser Idee profitiert das Theaterhaus noch heute.

Vorerst gab es jedoch im Jahr 1950 einen Besitzerwechsel. Max Gass-Seitz verpasste dem Haus ein neues Logo und nannte es, ganz auf der Höhe der damaligen USA-Welle, Roxy. Das Vorortskino funktionierte bis in die Achtzigerjahre. Dann ging es mit dem Filmgeschäft bergab. 1986 schloss das Roxy und wurde Eigentum der Neuapostolischen Kirche. Der Wechsel von der Unterhaltungs- in die Religionsbranche klappte jedoch nicht. Bereits Anfang Neunzigerjahre stand das Haus wieder zum Verkauf. Es schlug die Stunde der Theaterleute.

Seit Beginn ein Produktionshaus

Die Gründung eines Theaterhauses in den Neunzigern ist etwas anderes als der Bau eines Kinos in den Zwanzigern. Ersteres braucht Geschäfts-, Letzteres eine Portion Wahnsinn. Ueli Kaufmann, Christoph Rudin und Sylvia Scalabrino waren mit solchem gesegnet. Das Trio organisierte die Finanzierung des Kaufs, überzeugte Behörden, gewann Künstler, gründete einen Verein und gab dem Theaterhaus in Birsfelden die Grundzüge eines Konzepts, dem es heute noch verpflichtet ist. Bereits bei der Eröffnung am 21. Oktober 1994 war klar: Das Roxy soll vor allem ein Produktionshaus für die Basler und basellandschaftliche Szene sein. Hier sollen Stücke regionaler Formationen geprobt und uraufgeführt werden, das Haus soll Platz bieten für Gastspiele und auch den Vereinen der Gemeinde Birsfelden eine Heimat sein.

Die Bilanz der ersten Saison: 35 Theater-, 29 Tanzaufführungen, 24 Konzerte, acht Dichterlesungen, vier kulturpolitische Debatten und ein Kabarettabend. Das ist gegen aussen hin beeindruckend, für jeden ehrenamtlich arbeitenden Verein jedoch eine Überforderung. Das rief ein weiteres Thema auf den Plan, das jedes Theaterhaus begleitet: den Kampf um die Finanzen.

Die Notwendigkeit einer solchen Spielstätte war bei Gemeinde und Kanton damals unbestritten. Birsfelden unterstützte das Roxy von Beginn weg, Baselland übernahm die Miete und bezahlte 1997 erstmals 30 000 Franken direkte Subvention. Christoph Meury, bisher im Vorstand des Vereins tätig, übernahm die künstlerische Leitung und schrieb die Erfolgsgeschichte des Hauses bis 2013 weiter.

Internationale Erfolge, lokale Anbindung

«Die Leistung des Roxy misst sich nicht bloss in Zahlen, sondern ebenso am Erfolg der Inszenierungen, die hier entstehen.» Das sagt Sven Heier anlässlich der Programmpräsentation zur aktuellen Saison. Der international gut vernetzte Theaterleiter führt das Haus seit sechs Jahren. Mit 93 Vorstellungen und 70 Prozent Zuschauerauslastung stimmen die Zahlen. Die mittlerweile 550 000 Franken Subvention werden, so der Landrat will, pünktlich zum Jubiläum um 100 000 Franken aufgestockt.

Der künstlerische Erfolg rechtfertigt die Erhöhung. Das Roxy ist mittlerweile zum Sprungbrett für die junge Theater- und Tanzszene der Region avanciert. Ein aktuelles Beispiel: «Such Sweet Thunder» des Basler Tänzers Tobias Koch gewann vor einigen Wochen den renommierten Young Choreographer’s Award beim Impuls-Tanz in Wien. Die Uraufführung war in Birsfelden.

Voraussetzung für solche Erfolge ist neben der guten Vernetzung die Struktur des Produktionshauses: Bühne, Künstlerwohnung, Proberaum, Büro und Bar sind unter einem Dach vereint. Dem Erbauer sei’s gedankt.

Heier und sein Team sind dabei, diesen Standortvorteil auszubauen. Seit diesem Jahr verfügt das Roxy nahe dem Gemeindehaus über einen zweiten Proberaum. Gleich gegenüber dem Theater, im Erdgeschoss der Avia-Tankstelle, entsteht derzeit ein Co-Working-Space für Tanz- und Theaterschaffende. Hier erhalten sie für ihre Projekte professionellen Support vom Roxy-Team.

Heier betont, dass auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, mit Schulen und Vereinen weiterhin gedeiht. Und Birsfelden rückt vermehrt in den Fokus der Künstler. Zum Jubiläum kreiert die Dramaturgin Katharina Germo an der Chilbi einen Hörspaziergang namens «Multiversum Birsfelden». Die Gruppe vorschlag:hammer entwickelt mit Einwohnern der Gemeinde ein Kriminalstück namens «Twin Speaks».

Am 26. und 27. Oktober wird das eigentliche Jubiläum begangen. Da kommt es zur Uraufführung eines Films über die bewegte Roxy-Geschichte. Und Vertreter der heutigen Tanzszene erarbeiten mit solchen der Vorgängergeneration einen gemeinsamen Abend, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in den Blick nehmen soll.

 

Das gesamte Programm unter www.theater-roxy.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1