Sissach

Wie aus einem Stück Sissacher Wald eine wahre Goldgrube wurde

Davon lebt die Bürgergemeinde: Die Deponie Strickrain oberhalb Sissachs.

Davon lebt die Bürgergemeinde: Die Deponie Strickrain oberhalb Sissachs.

Die Deponie Strickrain sichert ein reichhaltiges Kulturleben in der Bürgergemeinde Sissach. Bis heute wird dort Bauschutt aus der ganzen Region abgelagert. Und dies bringt Geld in die Kassen von Sissach.

Die Erfolgsgeschichte der Sissacher Bürgergemeinde begann in den Sechzigerjahren. «Meine Vorgänger damals mussten noch jeden Fünfer zweimal umdrehen», sagt der heutige Bürgergemeindepräsident Heiner Kern-Moret. Im Gegensatz zu vielen anderen Bürgergemeinden habe man zu der Zeit noch keine Immobilien besessen. Nur das Waldstück im Gebiet Strickrain, «das war prädestiniert für eine Deponie». Deshalb begann man mit dem Ablagern von Bauschutt, erst aus der Gemeinde, später und bis heute aus der Region.

Inzwischen ist die Inertstoff-Deponie zur Goldgrube geworden. Sie lässt Geld in die Kasse der Bürgergemeinde fliessen, ohne dass diese aktiv dazu beitragen müsste. Denn die Administration der Deponie übernimmt die Einwohnergemeinde, die Bewirtschaftung das Forstrevier Sissach. Die Hälfte des Gewinns geht an die Einwohnergemeinde. «Ohne die Deponie wären die Steuern für natürliche Personen zwei Prozent höher», sagt Kern. Die andere Hälfte geht an die Bürgergemeinde.

Damit war diese in den letzten Jahrzehnten in der Lage, einigen Reichtum anzuhäufen. Dank der Kapitalerträge könnte sie inzwischen auch ohne Deponie leben. «Aber es ist angenehm, mehr machen zu können als andere», sagt Kern. So ist die Bürgergemeinde Sissach der grösste Aktionär der Raurica Wald AG, die das Holzkraftwerk in Basel betreibt. Das Kapital lässt man aber nicht nur arbeiten, man macht auch selber etwas damit. «Wir haben das eine oder andere gekauft», sagt Kern – was sehr bescheiden ausgedrückt ist. Der Bürgergemeinde gehören unter anderem das Wacht-Gebäude an prominenter Lage, das Heimatmuseum, diverse Waldhütten, Landwirtschaftsland und Wald. Dort betreibt sie Waldhütten und einen Spielplatz.

Bürgerrecht ist begehrt

Besonders stolz ist Kern auf den Erwerb des Kinos Palace. «Ohne uns gäbe es kein Kino mehr in Sissach», sagt er. Betrieben wird es derzeit von einem Pächter, mit Erfolg. Überhaupt versteht die Bürgergemeinde Kultur nicht nur als Pflegen von Traditionen. Sie stiess die Sissacher Kulturnacht an, ebenso «Jazz uf em Strich». «Jeder Verein, der etwas in Sissach auf die Beine stellen möchte, kann bei uns anklopfen», sagt Kern.

Sissach ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Von 6300 Einwohnern sind nur etwa 1200 Ortsbürger. Trotzdem erfreut sich die Bürgergemeinde grosser Popularität – was nicht nur mit ihrer finanziellen Grosszügigkeit zu tun hat. Kern wird manchmal mit «Grüezi, Herr Bürgermeister» begrüsst. Und nach dem Banntag – in Sissach ein reiner Männeranlass – hat er viele Anfragen von Bürgern, die sich aktiv einbringen wollen. In manchen Jahren gibt es mehr Schweizer als Ausländer, die Ortsbürger werden wollen. Offensichtlich ist das Bürgerrecht begehrt.

In einigen Jahren ist der Strickrain voll. Doch der Geldregen wird nicht so bald versiegen. Denn es gibt Pläne, die Deponie zu erweitern. «Es wäre doch ideal, dort neue Kapazitäten zu schaffen, wo es schon eine Deponie gibt», sagt Kern. Inertstoff-Deponien gelten als ökologisch unbedenklich.

Ja zu Windparks, egal ob rentabel

Und bereits winkt die nächste Geldquelle: Windparks. In den 396 Hektaren Wald der Bürgergemeinde dürfte es einige gute Standorte dafür geben. Wie rentabel man die Räder betreiben kann, ist noch offen.

Doch unabhängig davon: Kern ist offen für Windparks. Er denkt nicht nur an seine Bürgergemeinde, sondern an die Zukunft Sissachs und darüber hinaus, wenn er sagt: «Mir geht es darum, Alternativen zur bisherigen Energiegewinnung zur Verfügung zu stellen.»

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