Sie ist Künstlerin und Botschafterin: Bea Borner, 53-jährig, aus dem Aargau stammend, in Basel wohnhaft. Bei ihr wird aus Abfall Kunst. Kaffeekapseln von Nespresso haben es ihr besonders angetan. Mit ihren Kunstwerken ist sie auch Botschafterin – für eine saubere Umwelt. Borner zeigt eindrücklich, wie man Abfälle verwerten kann. Ihre Objekte sind derzeit in der Oberen Fabrik in Sissach zu sehen.

Die Ausstellung heisst «excelse», abgeleitet von «to excel», was überbieten, übertreffen heisst. Dies in Anlehnung an die Nespresso-Werbung, in der Hollywood-Star George Clooney sagt: «What else?» Ein Anwalt habe ihr jedoch abgeraten, dieselben Wörter zu verwenden wegen möglicher juristischer Streitigkeiten, erzählt Bea Borner und ergänzt stolz: «Mit Überbieten, Übertreffen setze ich noch einen drauf.»

Alles Handwerk und Unikate

Wer die Taschen, Schmuckstücke, Lampenschirme, Kleidungsstücke begutachtet, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Auch Stoffe aus alten Kleidern werden gezeigt. Alles Handwerk und Unikate. Borners Kreativität mit den gebrauchten Kaffeekapseln aus hochwertigem Aluminium und in «super Farben» ist grenzenlos. Sie fertigt daraus auch Weihnachtsschmuck und Dekorationsgegenstände.

Ihre Kunst ist ihre Leidenschaft. Darin blüht Bea Borner, eine Perfektionistin, die an sich selber hohe Ansprüche stellt, richtiggehend auf. Und: «Ich nehme Leuten das schlechte Gewissen. Sie sind erleichtert, wenn sie sehen, was ich aus ihren Abfällen mache.» Reich wird die 53-Jährige damit jedoch nicht. «Das Materielle ist mir nicht so wichtig, ich will bloss meine Rechnungen bezahlen können», meint sie trocken.

Borner ist seit rund einem Jahr selbstständige Künstlerin. Die gelernte Werklehrerin übte diesen Beruf aber nur kurz aus – bis 1983. «Ich wollte nicht länger Polizistin spielen», blickt sie zurück. Danach war sie an verschiedenen Orten angestellt, entwarf Pullover, machte dazu Anleitungen mit Fotos und Texten und stickte auch selber. Dann kamen die Computer, das Freizeitverhalten änderte sich. Sie wurde arbeitslos und machte aus der Not eine Tugend.

Jede Kapsel hat ihre Geschichte

Davon kann sich in der Oberen Fabrik jede und jeder selber überzeugen. Bea Borner erzählt, dass hinter jeder gebrauchten Kaffeekapsel eine Geschichte stecke. Bestimmte Menschen, die aus einem bestimmten Grund zusammen einen Kaffee genossen haben, zum Beispiel. Diese Geschichten erhält sie zusammen mit den Kapseln von Freunden, Bekannten und vielen anderen Personen. Borner schwebt vor, diese Geschichten zu sammeln und zu dokumentieren.

Die Künstlerin macht sich auch Gedanken, wie sie ihre Idee weiterentwickeln kann. «Ich würde sehr gerne mit einer Institution oder mit benachteiligten Leuten zusammenarbeiten, die nach meinen Vorstellungen solche Produkte herstellen», verrät Borner ihre soziale Ader. Sie habe ihre Werke zwar unter Designerschutz gestellt, würde sich aber bei einer Kooperation grosszügig zeigen.

Bea Borner investiert fast ihr ganzes Leben in ihre Leidenschaft. Aber nur fast. Sie hat noch andere Jobs im Event-Management – für Good News als Hostess, bei der Bâloise Session kümmert sie sich um Spezialwünsche der Künstler. Eine Künstlerin betreut Künstler. Bald ist es wieder so weit.

Die Ausstellung «excelse» gastiert in der Oberen Fabrik in Sissach bis 17. Oktober. Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch (jeweils 10 bis 17 Uhr) sowie Donnerstag und Freitag (jeweils 14 bis 21 Uhr).