Jubiläum

Wie Haecky mit seinen Produkten den Weg in jede Küche fand

Seit 100 Jahren bringt die Haecky Import AG in Reinach die Schweizer auf den Geschmack – mit Ketchup, Rum und Kaviar.

Das ist einmal ein Versprechen! Falls jemand der Anwesenden zu Hause kein Produkt der Haecky Import AG finden könne, so dürfe man ihm schreiben – er lasse dieser Person dann eines zukommen.

Als Markus Wehrli, CEO der Haecky Import AG, das sagte, wusste er, dass sich wohl nie jemand bei ihm melden würde. Das war am Montag, als Wehrli Medienvertreter durch den Hauptsitz des Unternehmens in Reinach führte. Kurz, bevor zwischen Gabelstaplern und Holzpaletten die grosse 100-Jahr-Feier stieg (siehe bz von gestern). Haecky mag für den Konsumenten kein Begriff sein – die Marken jedoch, welche das Unternehmen vertreibt, sehr wohl: Unter ihnen befinden sich klingende Namen wie Heinz Ketchup (Haecky importierte dieses ab 1921 und somit als weltweit erstes Unternehmen), Tabasco und HP, weiter Spirituosen wie Jim Beam, Canadian Club oder Courvoisier-Cognac. Von diesem heisst es, er habe schon Napoleon ausserordentlich gut gemundet ...

Aus der Not geboren

Derartige Anekdoten waren an der Geburtstagsfeier am Montag zu Hauf zu hören. Die Geschichte der Haecky Import AG, bis heute ein Familienunternehmen, liest sich wie eine einzige Erfolgsstory. Dabei reagiert der Handel äusserst sensibel auf Veränderungen der Rahmenbedingungen – etwas, was die Firma zuletzt schmerzlich vor einem Jahr erfahren musste, fast auf den Tag genau: Als am 15. Januar 2015 die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs fallen liess, habe er, sagte Markus Wehrli, «sicher zwei Nächte am Stück kein Auge mehr zugetan». Und Peter Haecky, Verwaltungsrats-Präsident und Vertreter der dritten Familiengeneration im Unternehmen, fügte an: «Drei Monate lang war die Geschäftsleitung um Wehrli nur noch damit beschäftigt, eine Strategie zu entwickeln, wie wir jetzt mit der neuen Situation umgehen.»

Dabei ist man bei Haecky Krisen gewohnt. Man könnte sogar mit Recht sagen: Das Unternehmen ging aus der Not hervor. Jean Haecky (1879–1966), der Grossvater von Peter Haecky, gründete die Jean Haecky Hotel und Import AG am 22. April 1916 und somit mitten im Ersten Weltkrieg. Weil in seinem Hotelbetrieb – er besass das Luzerner Traditionshaus «Hotel des Balances» – immer mehr die Gäste ausblieben, begann er damit, hochwertige Lebensmittel, Spirituosen und Weine zu importieren.

Die Nachfrage war – trotz oder gerade wegen – der Kriegswirren gross. Der Geschäftszweig wurde so wichtig, dass sich der Unternehmer 1919 entschloss, von Luzern nach Basel zu übersiedeln. Ausschlaggebend waren die Grenznähe und das Zollfreilager. Der Betrieb an der Laufenstrasse im Gundeldingerquartier wuchs, auch dank Coups wie diesem: Nach dem Krieg war Jean Haecky der erste, der den europäischen Markt wieder mit Kaviar versorgte.

Ein halbes Jahrhundert danach wurde es für die Firma definitiv zu eng in der Stadt – man entschied sich, in Reinach zu bauen, im Kägen-Gebiet, dem heutigen Gewerbegebiet im Südosten der Gemeinde. Dabei fungierte das Unternehmen als Pionier. «Als ich zum ersten Mal hier war», erinnert sich Peter Haecky, «weideten hier Kühe. Das war noch alles Wiese.»

Pionier im Kägen-Gebiet

Die Wahl Reinachs als Firmensitz habe man noch nie bereut, sagt Haecky: «Die Autobahn ist gleich um die Ecke, und auch mit den Gemeindebehörden arbeiten wir gut zusammen.» Seit dem Bezug des neuen Firmensitzes im Jahr 1973 sind die Gebäude immer wieder modernisiert und erneuert worden. Neben Reinach sind Standorte in den Kantonen Tessin, Aargau und St. Gallen hinzugekommen. Und schon früh hielt die Firma die Augen offen für Übernahmen. So ist eine der bekanntesten Marken, die Haecky führt, auf einen Zukauf zurückzuführen. 1993 gelangten die Reinacher in den Besitz der Rum Company AG. Dieser wiederum gehören die Markenrechte für Europa für Rum Coruba («Compagnie Rumière de Bâle») – und damit für den Basler Rum. Die Rohstoffe stammen aus Jamaika, abgefüllt wird der Melassensaft in Reinach.

Mit den Eigenmarken kann Haecky auch die Unwägbarkeiten, welchen ein Importeur stets ausgesetzt ist, ein wenig ausbalancieren. «Es kann jederzeit passieren», sagt Peter Haecky, «dass einer unserer Kunden entscheidet, eine eigene Schweiz-Vertretung aufzubauen. Wir haben dann das Nachsehen.»

Kontinuität herrscht hingegen im Verwaltungsrat der Haecky Import AG. Derzeit ist darin neben der 3. auch die 4. Generation der Familie vertreten. Und auch den Währungsschock hat das Unternehmen verdaut. Die Exporte haben laut Wehrli sogar leicht zugenommen, der Umsatz bewege sich auf gutem Niveau.

Wehrli kann es also getrost wiederholen, sein Versprechen mit den Haecky-Produkten zu Hause – die Gefahr, dass er es einlösen muss, bleibt verschwindend klein.

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