Liesberg

Wie steht es um die Sicherheit: Ein Jahr nach dem tödlichen Unfall an der Fasnacht in Liesberg

Nach dem Todesfall an der Liesberger Fasnacht 2019 war die Betroffenheit gross.

Nach dem Todesfall an der Liesberger Fasnacht 2019 war die Betroffenheit gross.

Die Baselbieter Fasnachtscomités wollen sich nicht vom Kanton oder von den Gemeinden vorschreiben lassen, wie ihr Sicherheitsdispositiv aussehen soll. Daran ändert sich auch nach dem tödlichen Unfall am Liesberger Umzug vor einem Jahr nichts.

Es war nicht nur für Fasnächtler ein Schock, als an der letztjährigen Liesberger Fasnacht ein Teilnehmer von einem Wagen fiel und starb. Ein Jahr später möchte der Liesberger Fasnachts-Verantwortliche Martin Aregger das Sicherheitsdispositiv nicht komplett ändern. In Liesberg sei immer schon auf die Sicherheit geschaut worden sei, sagt er. Auch dieses Jahr werde man die einzelnen Wagen anschauen und an die Cliquen appellieren, auf die Sicherheit noch mehr zu achten. «Aber letztendlich ist jede Clique selber für die Sicherheit verantwortlich. Jede baut ihren Wagen nach bestem Wissen und Gewissen.» Die Abnahme der Umzugswagen durch staatliche Behörden sieht er eher als schwierig und mit Kosten verbunden an. «Das würden dann wohl manche Clique nicht mehr mitmachen.» Zudem stellt er sich die Frage, wer es verantworten würde, einen Wagen als sicher zu bezeichnen.

Nicht nur in Liesberg sind die Fasnächtler gegenüber staatlichen Regeln kritisch eingestellt. So prüft auch in Laufen ein Comité-Mitglied alle Wagen – nach eigenem Gutdünken, denn ein Reglement dafür gibt es nicht. «Jeder in den Cliquen ist gross genug, um zu wissen, was sicher ist», sagt Obmann Beat Jermann. «So gewinnt letztlich immer die Lösung, die am sichersten ist.»

Der Unfall hat die Cliquen für Sicherheit sensibilisiert

Ein Stück weit mit der Gemeinde zusammen arbeitet das Comité in Pratteln. Gemeinsam mit der Gemeindepolizei hat es verbindliche Sicherheitsbestimmungen ausgearbeitet, die allen Cliquen abgegeben werden. «Aber wir kontrollieren die Wagen selber», sagt Comité-Obmann Peter Lüdin. «Das hat sich bewährt.»

Als Beleg nennt er, dass man letztes Jahr einige Tage vor dem Prattler Umzug einen Wagen in Frenkendorf gesehen habe, auf dem jemand ungesichert tanzte. «Den haben wir darauf hingewiesen, dass das bei uns nicht geht.» Auf solche Sachen sei man seit dem Unfall in Liesberg erst recht sensibilisiert. In Laufen hat der Liesberger Unfall ähnliche Spuren hinterlassen, wie Obmann Jermann erklärt. «Wir haben vor allen Cliquen über Liesberg gesprochen. Spätestens jetzt ist allen klar, wie wichtig Sicherheit ist.»

Die Kantonspolizei ihrerseits sieht es nicht als ihre Aufgabe an, für die Sicherheit der Wagen zu sorgen. «Die mehreren Dutzend Umzüge im Kanton könnten wir gar nicht kontrollieren», erklärt Sprecher Adrian Gaugler. Daran habe auch der tödliche Unfall in Liesberg nichts geändert.

Auf die Unterstützung der staatlichen Organe setzte die Fasnacht Birsfelden. Dort gelten die strengen Sicherheitsbestimmungen aus Basel-Stadt. Kontrolliert wurden sie bisher von der Gemeindepolizei. «Doch ab diesem Jahr müssen wir das selber tun», sagt Obmann Patrick Müller. Die Polizei sei dafür ausgebildet gewesen, sie habe zum Beispiel den Alkoholkonsum der Fahrer getestet. «Solche Sachen können wir natürlich nicht gewährleisten», beklagt Müller – im Wissen, dass auch die Basler Sicherheitsregeln keine Sicherheit garantieren.

Ihm sagte nämlich mal ein Fahrer, mit den vorgeschriebenen Rückspiegeln könne er zwar den ganzen Wagen einsehen. An einem Umzug passiere aber so viel, dass man nie das ganze Geschehen um einen Wagen im Überblick behalten könne. «Wenn ein Kind unter einen Wagen robben will, weil ein Bonbon darunter gefallen ist, hilft auch die beste Regelung wenig.»

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