Strafgericht Baselland

Wildpinkeln oder Masturbation? Heikles «Brünneli» am Birsufer

Weil gerade keine Toilette verfügbar war, hatte sich ein Mann in der Nähe der Birs erleichert. (Symbolbild)

Weil gerade keine Toilette verfügbar war, hatte sich ein Mann in der Nähe der Birs erleichert. (Symbolbild)

Weil Mann gerade keine Toilette vorfand, hatte sich der Spaziergänger in der Nähe der Birs erleichert. Eine Frau hat ihn in flagranti erwischt und hielt ihn für einen Exhibitionisten.

«Ich bin schockiert über diese Anschuldigung, das ist einfach an den Haaren herbeigezogen. Ich habe mich dort erleichtert, ich habe uriniert. Und ja, ich gebe zu, ich war alkoholisiert», betonte der 36-jährige Mann am Mittwoch im Gerichtssaal in Muttenz.

Eine Frau hatte das anders geschildert: Im September 2018 spazierte sie Abends um 18 Uhr in Laufen neben dem Seidenweg in der Nähe der Birs, dort sah sie den Mann und schilderte später gegenüber der Polizei, er habe seine Hand in der Hose gehabt und «Auf-und-Ab-Bewegungen» gemacht.

Angeklagter sitzt wegen anderem Delikt in Untersuchungshaft

Dabei habe er auf den gegenüber der Birs liegenden Kinderspielplatz geschaut. «Die Frau ist dann auf Sie zugegangen?», fragte der Gerichtspräsident. «Ja, ich habe schnell abgeklemmt und abgeschüttelt, aber sie hat gemotzt. Die Vorwürfe sind hanebüchen. Man hat mich im Gefängnis von den Sexualstraftätern trennen müssen, weil ich auf die nicht gut zu sprechen bin».

Der kräftig gebaute Mann kam bereits mit 14 Jahren in den Jugendstrafvollzug, er ist wegen Schlägereien und auch wegen Raubes vorbestraft. Lange betrieb er Thai- und Kickboxen, inzwischen hat er massive Probleme mit Hand-, Sprunggelenken und Rücken, leidet an Arthrose und bezieht eine IV-Rente. Auch Kokain-Entzüge hat er hinter sich, er meinte am Mittwoch dazu, heute sei Alkohol sein grösstes Problem. Derzeit sitzt er wegen einer anderen Geschichte in Untersuchungshaft. «Ich bin in der Vergangenheit immer zu meinen Delikten gestanden. Und ich werde auch in Zukunft zu meinen Straftaten stehen ... die nicht stattfinden werden», beteuerte der 36-Jährige.

Zeuginnen waren sich selbst nicht wirklich sicher

Angezeigt hatte ihn eine Nachbarin, die ihn am Birsufer gesehen hat. Ihre Begleiterin sagte allerdings zurückhaltender aus. «Die Zeuginnen sahen das, was sie sehen wollten. Eine der Zeuginnen sah ihn aus 50 Metern Entfernung und hatte nicht mal ihre Brille dabei», bemängelte Verteidiger Alexander Kunz. Sie habe dann auch zu Protokoll gegeben, natürlich könne es sein, dass er nur gepinkelt habe, sie könne das als Frau schliesslich nicht beurteilen.

Einzelrichter Philippe Spitz sprach den Mann vom Vorwurf der sexuellen Belästigung frei, wobei er ausdrücklich offen liess, was für Bewegungen der Mann tatsächlich gemacht habe. Aber rein rechtlich könne man nicht einen Schuldspruch wegen sexueller Belästigung fällen, wenn der Mann die Frauen nachweislich gar nicht im Blick hatte. Die zweite Frau habe gar explizit gesagt, sie habe sich gar nicht belästigt gefühlt. Laut Bundesgericht müsse eine Belästigung «geradezu unausweichlich» sein, um diesen Tatbestand zu füllen.

Busse von 400 Franken wegen sexueller Belästigung hinfällig

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Busse von 400 Franken wegen sexueller Belästigung ausgestellt, dagegen hatte der Mann Einspruch erhoben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, allerdings können bei Übertretungen wie im vorliegenden Fall beim Kantonsgericht nur offensichtliche Fehler vorgebracht oder reine Rechtsfragen angefochten werden.

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