Hoher Bestand

Wildschweine verwüsten Felder – Baselbieter Bauern verlangen, dass Jäger mehr Tiere schiessen

Auf den Liesberger Weiden haben die Wildschweine in den letzten Wochen ihre Spuren hinterlassen. In zahlreichen Feldern wühlten die Tiere nach Nahrung – die Liesberger Bauern beklagten grossräumige Landschäden. Schuld geben die Landwirte den Jägern.

Fehlen im Wald die Eichen- und Buchenfrüchte, suchen die Wildschweine auf den Feldern nach Nahrung. Als Folge beklagen die Bauern in den Wintermonaten oft grosse Landschäden. Des Bauern Leid ist des Jägers Freud: Wenn die Wildschweine den Wald verlassen, erleichtert dies die Jagd nach den schlauen Tieren.

Wegen der Frosttage im Frühjahr 2017 und des natürlichen Zyklus gab es kaum Früchte. Entsprechend hoch fallen die Abschusszahlen der Wildschweine im Ende März 2018 endenden Jagdjahr aus. Die Baselbieter Jäger schossen weit über 1400 Wildschweine – ein Allzeitrekord.

Besonders augenfällig sind in diesem Frühjahr die Landschäden in Liesberg. Schon im vergangenen Jahr wüteten die Wildschweine in der Laufentaler Gemeinde überdurchschnittlich stark auf den Feldern. Nun richten die Liesberger Landwirte vermehrt Vorwürfe an die Adresse der lokalen Jagdgesellschaft Falkenfluh.

«Die Jäger blieben inaktiv», sagt etwa Florian Buchwalder. Der Bauer beklagt in diesem Frühjahr auf seinen Feldern rund 5000 Löcher. In den letzten beiden Jahren schossen die Liesberger Jäger nur neunzehn Wildschweine. Zu wenig, für eine weitläufige Landgemeinde wie Liesberg, finden die Bauern. Zum Vergleich: In Liestal, wo die Schäden auch ausserordentlich hoch ausfielen, gelang es der örtlichen Jagdgesellschaft, von April 2017 bis Mitte März des aktuellen Jahres 58 Sauen zu erlegen.

«Wir haben Probleme, das grosse Gebiet in den Griff zu bekommen», gibt Erich Joray, Präsident der Jagdgesellschaft Falkenfluh zu. Liesberg sei aber ein Sonderfall, da es von Wäldern umgeben ist und in unmittelbarer Nähe zu den Kantonen Solothurn, Jura und zum Elsass liegt. Auch Christoph Tassera, ebenfalls Mitglied der Liesberger Jagdgesellschaft weist auf die geografischen Gegebenheiten der Gemeinde hin. «Die Wildschweine kommen vielfach aus dem Wald auf Laufner Seite, der im Osten an Liesberg angrenzt.

Dies wirkt sich für uns erschwerend aus.» Auch aus dem Elsass kommen wiederholt Wildschweine, die auf ihrer Nahrungssuche kurzzeitig das Land verwüsten und sich dann zurückziehen. Tassera hierzu: «Wir sind darauf angewiesen, dass uns die Bauern frühzeitig informieren.» Nach wie vor gilt die Nachtjagd nach Wildschweinen als anspruchsvoll: «Die Bedingungen müssen stimmen und selbst dann braucht der Jäger Stunden, um eine Sau zu erlegen», sagt Tassera.

Immer mehr Wildschweine

Die Zustände in Liesberg sind nicht dramatisch. Denn wie aus den Statistiken ersichtlich ist, schwanken die durch Wildschweine verursachten Landschäden stark. «Oft locken landwirtschaftliche Flächen mit Muttertierhaltung die Wildschweine an», sagt Rudolf Schweizer, Obmann der Schwarzwildkommission Jagd Baselland. Denn auf den überdurchschnittlich gedüngten Weiden gibt es viele eiweisshaltige Tierchen, die im Untergrund heranwachsen. «Vor allem im Frühjahr haben die Wildschweine grossen Bedarf nach Proteinen», sagt Schweizer.

Während das Ausmass der Landschäden stark schwankt, gibt es bei der Wildschwein-Population eine konstante Zunahme. «Über ganz Mitteleuropa betrachtet ist der Wildschweinebestand seit den 60er-Jahren exponentiell gewachsen», sagt Holger Stockhaus, kantonaler Jagdverwalter. Durch den stetig wachsenden Bestand steht die Jägerschaft unter einem hohen Druck. Stockhaus: «Es wäre gut, wenn die Abschusszahlen über mehrere Jahre hochgehalten werden könnten.» Denn selbst bei einem guten Jagdjahr wie das Vergangene es war, bleibt der Wildschweinebestand mindestens gleich hoch.

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