Fusion

Will der Baselbieter Landrat ebenfalls eine Fusion zwischen BLT und BVB?

Heute diskutiert der Baselbieter Landrat über eine Fusion der beiden öV-Unternehmen BLT und BVB. Bei den Politikern ist ein Zusammengehen umstritten. Die Der Basler Grosse Rat hat einen entsprechenden Vorstoss bereits letztes Jahr gutgeheissen.

Das Gärtlidenken überwinden. Mit einer weitsichtigen Idee den Tram- und Busverkehr in der Region besser vernetzen. Dies fordert die Aescher SP-Landrätin Christine Koch. Vor knapp 30 Jahren wurde der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) eingeführt – laut Koch «einer der grössten Aktivposten unserer Region überhaupt».

Nun sei wieder ein grosser Schritt nötig. Für Koch wäre dies die Fusion der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) mit der Baselland Transport (BLT). Der Basler Grosse Rat hat im November mit 68 zu 9 Stimmen einen Vorstoss der SP gutgeheissen, der von der Regierung eine Auslegeordnung für eine Fusion verlangt. Heute berät der Baselbieter Landrat darüber.

Basler Parlament sagte Ja

«Im regionalen öV verpufft sehr viel Energie, weil wir uns zwei Trambetriebe auf demselben Netz leisten», sagt Koch. Zwar funktioniert die Zusammenarbeit von BVB und BLT im Alltag in der Regel reibungslos, wie etwa die gemeinsame Leitstelle zeigt. Doch auf strategischer Ebene hat es wiederholt Streit gegeben – Stichworte sind die gemeinsame Beschaffung neuer Trams oder der Betrieb der künftigen Linie über den Margarethenstich. Zwar haben die Regierungen beider Basel letztere Frage mittlerweile geklärt.

Für SP-Fraktionschefin Kathrin Schweizer müssen die Scharmützel um Leistungen der Betriebe im jeweils anderen Kanton aber ein für alle Mal ein Ende haben. «Am besten lässt sich dies mit einer Fusion erreichen», findet sie.

Gegenteiliger Meinung ist Rolf Richterich, FDP-Fraktionschef im Landrat. «Aus Sicht der öV-Nutzer tut Konkurrenz gut.» Eine Fusion würde auch nationalen Trends entgegenlaufen, wonach im öV die Besteller immer häufiger Leistungen ausschreiben. Dann erübrige sich der kleinkrämerische Streit über den Betrieb kantonsübergreifender Linien.

öV-Holding statt Fusion

CVP-Fraktionschef Felix Keller hält eine Fusion angesichts stark unterschiedlicher Kulturen für nicht durchführbar. Keller könnte sich aber vorstellen, den öV-Unternehmen in der Region eine Holding-Struktur zu verpassen – wie sie der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) kennt. Dieser funktioniert im Gegensatz zum TNW nicht «nur» als Ticket-Verbund, sondern als organisatorisches Dach über 40 Betriebe.

Ebenfalls ablehnen will den Vorstoss die SVP: Sie könnte sich zwar vorstellen, dass in der Region nur noch Trams mit einer Farbe unterwegs sind. Diese müssten aber gelb sein, sagt Fraktionschef Dominik Straumann. «Für eine Übernahme der BVB durch die BLT ist sind wir zu haben.»

Höchstwahrscheinlich wird heute also eine bürgerliche Mehrheit im Landrat die Fusions-Idee bodigen. Dies, obwohl die Regierung bereit wäre, das Anliegen entgegenzunehmen. «Das würde mich ärgern. Wir fordern ja nicht à tout prix die Fusion, sondern dass uns Chancen und Risiken aufgezeigt werden», sagt SP-Landrätin Koch.

Ein Vertreter der Basler Linken würde sich indes über ein Nein aus dem Baselbiet freuen: VPOD-Regionalsekretär Matthias Scheurer bezeichnet die Fusion als «Schwachsinn». Die beiden Unternehmen seien miteinander nicht vergleichbar: «Die BLT ist von ihrem Verständnis her immer noch ein Fuhrhalterbetrieb. Die BVB betreibt klassischen Service public.»

Ein Zusammengehen wäre laut Scheurer verbunden mit einer Privatisierung – und damit einer Schlechterstellung des Personals. SP-Mitglied Scheurer erklärt sich den Vorstoss seiner Genossen so: «Sie wollten angesichts der aufgeladenen Stimmung zwischen BVB und BLT Gutes tun. Leider konnte ich sie nicht überzeugen, dass das eine schlechte Idee ist.»

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