Windkraft

Windräder blasen Millionen in die Kassen der Gemeinden

Lukrativ für die Waldeigentümer: Der geplante Windpark der IWB auf dem Chall.

Lukrativ für die Waldeigentümer: Der geplante Windpark der IWB auf dem Chall.

Rund 30 Windräder könnten in den nächsten Jahren im Baselbiet aufgestellt werden und sieben Prozent des Stromverbrauchs decken. Dazu kommt, dassn die Pachtzinsen in den nächsten 20 Jahren Millionen in die Kassen der Bürgergemeinden spülen würden.

Im Baselbiet gehts mit der Planung von Windanlagen vorwärts. Seit die Regierung Ende März den Richtplan in die Vernehmlassung gegeben hat, ist klar, in welcher Grössenordnung in den nächsten Jahren Windparks gebaut werden können: Im Richtplan werden sechs Standorte ausgeschieden, an denen insgesamt 33 Windräder aufgestellt werden könnten. Der damit produzierte Strom würde immerhin 7 Prozent des Bedarfs im Kanton decken.

Die Windkraft soll also im Baselbiet einen substanziellen Beitrag an die Energiewende leisten. Befeuern dürften die Planung aber auch finanzielle Perspektiven. Vom Windpark-Bau im Baselbiet profitieren nicht «nur» die drei involvierten Energieversorger IWB, EBL und EBM, sondern auch Landeigentümer. Zum Beispiel von den Pachtzinsen, die sie als jährliche Entschädigung für die Landnutzung erhalten.

Kühe halten zum Vergnügen

In Deutschland, wo die Windkraft in den letzten Jahren einen beispiellosen Boom erlebt hat, ist schon mancher Landwirt reich geworden: Dort werden je nach Windstärke und Stromproduktion 20 000 bis 50 000 Euro an Pachtzinsen pro Jahr ausbezahlt. Wer als Landwirt auf seinem Grundstück einen ganzen Windpark stehen hat – und davon gibt es einige – kann die Kuhhaltung entweder aufgeben oder sie zum Spass betreiben.

Im Baselbiet sind die Verhältnisse etwas anders: Die im Richtplan festgesetzten Standorte liegen zu einem grossen Teil in Waldgebieten – damit auf Boden der Bürgergemeinden. Von den Pachtzinsen profitieren würden also in erster Linie sie. Das von der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) vorangetriebene Windparkprojekt auf den Jurahöhen oberhalb von Liesberg liegt auf Boden der Burgerkorporation. Im Februar 2014 haben die EBM und die Liesberger Burgerkorporation eine Landreservationsvereinbarung unterschrieben.

Zudem dürften die Ansätze kaum so hoch sein wie in Deutschland. An der ersten Informationsveranstaltung der Industriellen Werke Basel (IWB) zum Windpark auf der Challhöhe war im Herbst 2010 von einem Pachtzins von 15 000 Franken pro Windrad und Jahr die Rede. Diese Zahl will man heute bei den IWB und den anderen Energieversorgern nicht mehr bestätigen. Die Pachtzinse sind nämlich – sofern sie nicht von Gemeinden publiziert werden müssen – gut gehütete Geheimnisse. Ferner gibt es für Pachtzinsen keine Tarife; ihre Höhe ist von zahlreichen Faktoren wie etwa dem erwarteten Stromertrag, den Erschliessungskosten und der Marktsituation abhängig. In der Regel bestehen sie aus einer fixen Abgeltung plus einem variablen, ertragsabhängigen Teil.

Urs Steiner, Direktor der Elektra Baselland (EBL), sagt immerhin: «Der damals genannte Betrag liegt zumindest in der Grössenordnung dessen, worüber wir heute diskutieren.» Das würde heissen: Für die vorgesehenen 33 Windräder müssten die Energieversorger den Baselbieter Bürgergemeinden und privaten Landeigentümern mindestens 500 000 Franken ausbezahlen. Bei einer geplanten Laufzeit der Windturbinen von 20 bis 25 Jahren sind dies 10 bis 12,5 Millionen Franken. Ein anständiger Batzen, der die öffentliche Meinung zum Bau der Windparks beeinflusst.

Gemeinden als Investoren

Kommt hinzu: Die Einwohnergemeinden könnten sich am Bau der Windparks beteiligen und so allenfalls weitere Erträge generieren. EBL-Chef Urs Steiner hat dazu eine klare Meinung: «Für uns als Genossenschaft ist es selbstverständlich, Gemeinden und andere lokale Investoren als Teilhaber einzuladen.» Denkbar ist auch, dass sich die Energieversorger gegenseitig an Windparks beteiligen. Ähnlich äussert man sich bei den IWB, die auf dem Chall die grösste Baselbieter Anlage mit bis zu zehn Turbinen aufstellen wollen: «Die Idee ist, dass die Standortgemeinden im Rahmen einer Beteiligungsgesellschaft mitmachen können», sagt Sprecher Erik Rummer.

Im Jura gibt es Gemeinden, die dank der Windkraftanlagen (wieder) schwarze Zahlen schreiben. Anderswo können sich Standortgemeinden von Staudammprojekten tiefe Steuern oder eine teure Infrastruktur leisten. Trifft das in einigen Jahren auch auf die Baselbieter Standortgemeinden der Windparks zu?

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