Hilfe an Ärmste

«Wir können uns kaum vorstellen, wie dankbar die Nepalesen für alles sind»

Pilzinfektionen muss die Hautärztin Ruth Gonseth in Nepal häufig diagnostizieren; oft fehlt es an Wasser für die Hygiene.

Pilzinfektionen muss die Hautärztin Ruth Gonseth in Nepal häufig diagnostizieren; oft fehlt es an Wasser für die Hygiene.

Ruth Gonseth lässt sich auch von Korruption nicht unterkriegen und hat neues Spital-Projekt aufgegleist.

Sie muss bei ihren Projekten in Nepal Rückschläge einstecken, sich mit korrupten Personen herumschlagen und manchmal in tiefstes Elend eintauchen. Trotzdem hat die Liestaler Ärztin und alt Nationalrätin Ruth Gonseth (72) nichts von ihrem Elan verloren, ebenso wenig von ihrer Überzeugung, mit der Stossrichtung ihrer Hilfsprojekte im südostasiatischen Himalaja-Staat richtig zu liegen. Ihre Triebfeder erahnt man, wenn man sie erzählen hört: «Wir können uns die Armut, die in grossen Teilen Nepals herrscht, hier bei uns nicht vorstellen. Wir können uns aber auch kaum vorstellen, wie dankbar die Nepalesen für alles sind.» Hinzu kommt, dass die seit sieben Jahren pensionierte Dermatologin immer noch sehr gerne selber medizinisch Hand anlegt.

Und das tut sie nächstes Mal von Ende Januar bis Mai in ihrer eigenen Dermatologie-Station am Ratnanagar-Spital im Süden von Nepal, zwischen Kathmandu und der indischen Grenze – was gerade mehrfach neu ist. Denn in ihrer siebenjährigen «Hilfskarriere» in Nepal konnte Gonseth als Ausländerin noch nie so lange am Stück arbeiten. Doch jetzt hat der von ihr präsidierte Verein Shanti Med Nepal den Status einer internationalen Nichtregierungsorganisation erhalten, weil er mehr als 100 000 Franken pro Jahr in Nepal investiert. Dadurch besitzt Gonseth ein Jahres- statt wie bisher ein Touristenvisum.

Gonseth zog Reissleine

Neu ist auch die Dermatologie-Station, was wiederum mit einem Rückschlag beim bisherigen Hauptprojekt von Shanti Med zu tun hat: Der Verein betrieb fast fünf Jahre lang ein Ambulatorium, das einst von einer nepalesischen Familienstiftung gegründet und mangels Geld wieder geschlossen wurde. Die Abmachung sei gewesen, dass sich diese Stiftung zu einem Fünftel an den Betriebskosten des Ambulatoriums beteilige, doch das habe sie nie getan, sagt Gonseth.

Auch nicht geklappt hat der im Verlaufe des letzten Jahres geplante Umzug ins unmittelbar daneben stehende Spital. Dieses sei von der indischen Regierung bezahlt worden, doch viel Geld sei in korrupte Hände geflossen und das Spital trotz einer Nachzahlung aus Indien immer noch nicht fertiggestellt.

Zudem soll jener Manager das Spital führen, den Gonseth einst beim Ambulatorium wegen Korruption entlassen hatte. Kurz und gut, Gonseth zog im Herbst die Reissleine und verlegte ihre Aktivitäten ins sieben Kilometer entfernte Ratnanagar-Spital. Obwohl dieses laut Gonseth ein Einzugsgebiet von gegen 100'000 Personen hat, darf man es sich nicht wie ein hiesiges Regionalspital vorstellen: Es verfügt über 15 Betten, die Angehörigen sind verantwortlich für die Verpflegung und die Wäsche der Patienten. Oft ist das Spital über Stunden ohne Strom, weil er abgestellt wird und es an Treibstoff für den Generator fehlt. Gonseth mangelt es also nicht an Arbeit. Die Einrichtung einer Dermatologie-Station sowie gespendete Dialyse-Geräte waren die ersten Schritte. Als Nächstes folgt eine Solaranlage auf dem Dach, die für regelmässige Stromversorgung sorgt.

Und auch neu: Gonseth wird am Spital von einem der raren Hautärzte in Nepal unterstützt. Er, und damit sind wir beim zweitwichtigsten Hilfsprojekt von Shanti Med Nepal, konnte seine Ausbildung zum Dermatologen in Manila auf Kosten des Vereins absolvieren. Gegenwärtig finanziert Shanti Med die Aus- beziehungsweise Weiterbildung von noch vier anderen Personen im Spitalbereich.

Hilfe für ehemalige Sklaven

Weitere Hilfsprojekte betreffen die fachgerechte Abfallentsorgung in den Spitälern – diese deponieren ihre Abfälle laut Gonseth oft offen in Spitalnähe, wo sie dann Bedürftige nach «Brauchbarem» wie Spritzen durchwühlen – und die Unterstützung eines Dorfes ehemaliger Sklaven. Dazu sagt Gonseth: «In Kamaya sieht man das ganze Elend. Die Leute verfügten kaum über Wasser, haben keinen Strom und keine Toiletten. Und die Kinder werden wie Sklaven verdingt, was nicht selten ist in Nepal.» Inzwischen hat Shanti Med einen Pumpbrunnen sowie ein Schul- und Versammlungshaus finanziert. Dieses soll nun noch mit Solarpanels bestückt werden; das nicht zuletzt mithilfe des Benefizkonzerts von kommendem Sonntag (siehe Kasten).

Der Verein Shanti Med Nepal kann auf 250 Gönner respektive Mitglieder zählen, die jährlich um die 50'000 Franken spenden. Dazu kommen Zuschüsse von Stiftungen und Service-Clubs sowie ein einmaliger Beitrag des Baselbieter Swisslos-Fonds. Und dann gibt es noch etliche Schweizer, die wie Gonseth ehrenamtlich medizinische Hilfe in Nepal leisten. Im vergangenen Jahr waren das fünf Ärzte und fünf Pflegefachpersonen.

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