Bedenken

Wird das Eidgenössische Schwingfest 2022 in Aesch stattfinden?

Hätte es im Birstal Platz für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest? Diese Frage treibt auch die Baselbieter Regierung um (Foto: Arena in Burgdorf 2013).

Hätte es im Birstal Platz für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest? Diese Frage treibt auch die Baselbieter Regierung um (Foto: Arena in Burgdorf 2013).

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 wird in Basel-Stadt oder Baselland stattfinden. Im Birstal zwischen Aesch und Reinach wäre der einzig mögliche Veranstaltungsort, sollte die Wahl aufs Baselbiet fallen. Die Regierung ist nervös.

Das «Eidgenössische» 2022 findet in Basel-Stadt oder Baselland statt. Auf Baselbieter Boden ist die Ebene zwischen Aesch und Reinach die einzige Option, da nur sie genügend gross wäre für den Anlass. Kommt das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, wie es offiziell heisst, im Birstal zustande, so erwartet den Kanton der wahrscheinlich grösste Volksauflauf seiner Geschichte – schon jetzt bestehen aber grosse Zweifel daran, ob er überhaupt bewältigt werden kann.

Zwar entscheidet der Basellandschaftliche Kantonalschwingerverband frühestens Ende November, ob er die Kandidatur Aeschs zu Handen des Nordwestschweizerischen Verbands einreicht. Bereits heute steht fest: Aufgrund des Vergabemodus hätte er das Fest de facto auf sicher, mehr als sechs Jahre vor der Eröffnungsfeier. Damit könnten also schon in wenigen Wochen Fakten geschaffen werden – Fakten, welche beim Verband, aber auch bei der Baselbieter Regierung offensichtlich Nervosität auslösen.

Der Regierungsrat beteiligt sich mit 100 000 Franken an einer Machbarkeitsstudie, wie die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion gestern Informationen der bz bestätigte. Das Papier soll unter anderem beantworten, ob der grösste Sportanlass der Schweiz im Birstal durchführbar wäre. Auftraggeber der Studie ist der Kantonalschwingerverband.

Gigantische Dimensionen

Die Nervosität ist verständlich, denn die Dimensionen des «Eidgenössischen» sind gigantisch – das zeigen die Zahlen von Burgdorf 2013, der bisher letzten Ausgabe. Am Festwochenende vom 30. August bis zum 1. September besuchten rund 300 000 Menschen das Festgelände. Dieses hatte die Grösse von über 100 Fussballfeldern, die mehr als 20 000 Parkplätze nicht miteinberechnet. SBB und BLS setzten an den drei Tagen gegen 400 Extra- und verstärkte Züge ein. Am Bahnhof Burgdorf wurden die Perrons verlängert, damit die Menschenmassen wenigstens einigermassen geordnet befördert werden konnten. Trotzdem brach der Verkehr mehrmals zusammen.

Finanziert wird die Machbarkeitsstudie aus dem Swisslos-Sportfonds Baselland. In dessen Rahmen kann die Regierung Beiträge in Eigenregie sprechen. Kommuniziert wurde der Beitrag jedoch nie. Die Generalversammlung des Baselbieter Schwingerverbandes findet am 28. November statt. Bis dahin sollte das Papier vorliegen, damit seine Erkenntnisse in die Meinungsbildung vor der möglichen Abstimmung Eingang finden könnten. Wie weit die Arbeiten fortgeschritten sind, konnte die bz gestern vom Verband trotz mehrmaliger Anfrage nicht in Erfahrung bringen.

Bereits jetzt kündigt der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband (BNV) seinen Widerstand gegen die Variante Aesch an. Man habe «grosse Vorbehalte» gegenüber einem «Eidgenössischen» im Baselbiet, sagt Geschäftsführerin Susanne Brêchet Schönthal. «Wir haben in den letzten Jahren mit viel Mühe und Geld den Naturraum im Gebiet Aesch-Reinach-Ettingen aufgewertet. Das zeigte auch Erfolge, so haben sich die Feldhasenpopulationen erholt und diverse Vogelarten niedergelassen.» Der BNV habe «überhaupt nichts gegen Schwinger», bekräftigt Brêchet. «Aber ein derart grosser Anlass», sagt Brêchet, «gehört in eine bestehende Infrastruktur und sicher nicht auf die grüne Wiese.»

So oder so auf Basler Boden

Die Möglichkeit mit der Durchführung in bestehender Infrastruktur wäre vorhanden. Der Verband könnte auch auf Nummer sicher gehen – und den Anlass im St. Jakob-Park planen. An derselben Stelle, aber noch im alten Joggeli, fand bereits 1977 ein Eidgenössisches statt, unter der Organisation der Kantonalverbände aus beiden Basel. Auch die Variante St. Jakob-Park wird in der Machbarkeitsstudie berücksichtigt. Unter einigen Baselbieter Verbandsfunktionären herrscht jedoch starke Opposition gegenüber einer Durchführung auf Basler Boden.

Da mutet beinahe ironisch an, dass die Variante Aesch-Reinach zumindest teilweise ebenfalls auf städtischem Grund stattfände. Denn etliche grosse Parzellen zwischen den beiden Gemeinden gehören der Bürgergemeinde Basel-Stadt.

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