Erst vor gut einer Woche vergab die «Schweiz am Wochenende» der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli die Note 4,5. Unser Fazit: «Müller muss aufpassen. Sie hat der CVP zwar Selbstbewusstsein eingehaucht, doch die Entfremdung von SVP und FDP kann ihr zum Verhängnis werden. Der CVP-Parteitag vom 18. Oktober wird zeigen, ob eine Mehrheit sie trägt.»

Der Parteitag als Krönung oder Köpfung für die 42-Jährige? Dazu wird es nicht kommen, denn Müller-Kaderli verkündete vergangenen Donnerstag ihren Rücktritt per Sommer 2019 – aus privaten Gründen, da ihr Mann beruflich nach Kanada beordert wurde.

Scherrer hofft auf Kurswechsel

So bekommt der Parteitag im Gemeindesaal zu Zwingen eine ganz neue Bedeutung. Es geht nicht mehr darum, ob die CVP-Basis mit ihrem Entscheid, welche Regierungskandidaten sie unterstützt, die Präsidentin trägt, sondern darum, mit welchem politischen Kurs die Partei in die Zeit nach Müller gehen will: Mitte-Links oder stramm bürgerlich.

«Es wäre wichtig, dass die Partei wieder auf den bürgerlichen Kurs zurückfindet, der vor vier Jahren eingeschlagen wurde und für alle Beteiligten ein Erfolg war», sagt CVP-Landrat Marc Scherrer. Der direkte Vorgänger von Müller-Kaderli macht kein Geheimnis daraus, dass er die Allianz mit SVP und FDP wieder stärken möchte. «Wenn nicht heute, dann sind wir in vier oder acht Jahren wieder auf starke und zuverlässige Partner angewiesen.»

Dementsprechend setzt sich Scherrer dafür ein, dass eine Mehrheit das bürgerliche Vierer-Ticket mit Anton Lauber (CVP), Monica Gschwind (FDP) sowie Thomas Weber und Thomas de Courten (beide SVP) unterstützen wird – obwohl Müller-Kaderli sich gegen de Courten ausgesprochen hat.

Auch die «starken Partner» von einst schauen mit Argusaugen auf den Parteitag der Christdemokraten. «Dieser Abend ist viel wichtiger als die Frage, wer Mitte 2019 neuer Präsident der CVP wird», sagt SVP-Präsident Oskar Kämpfer, denn: «Dort wird sich zeigen, wie bürgerlich die CVP-Basis wirklich ist.»

Kämpfer, der als Wahlkampfleiter der Bürgerlichen amtet, gibt sich zuversichtlich, dass das Vierer-Ticket Sukkurs erhält. «Es würde mich überraschen, wenn die Basis nicht der Empfehlung ihres eigenen Regierungsrates folgt.» Lauber war es schliesslich, der nach dem Nein des CVP-Vorstands zur offiziellen Unterstützung der Kandidaten von FDP und SVP darauf pochte, dennoch zusammen mit ihnen auf ein Plakat zu kommen.

Kämpfer ist auf jeden Fall schuld

Hier kommt die Präsidenten-Frage ins Spiel, denn für Kämpfer ist klar: «Für welche Regierungskandidaten sich die CVP-Basis entscheidet, ist ein starkes Signal an die Parteileitung, wie die Ausrichtung des neuen Präsidenten sein soll.» Kämpfer will Müller-Kaderli nicht direkt kritisieren, sagt aber auch: «Die Zusammenarbeit mit der CVP war nie einfach, aber die Vorgänger von Frau Müller tendierten schon stärker in die bürgerliche Richtung.»

Scherrer hält fest: «Ich kritisiere Brigitte Müller nicht – ich habe ein gutes Verhältnis zu ihr – aber ich habe in diesem Punkt eine andere Meinung. Dass wir in der CVP gegensätzliche Flügel haben, war immer so und wird immer so bleiben.» Scherrer gibt sich skeptisch, was die Mehrheitsverhältnisse am Donnerstag angeht. «Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Mehrheit die drei Bisherigen unterstützen wird. Ob dies bei Thomas de Courten auch der Fall ist, da habe ich Zweifel - er wird die Basis überzeugen müssen.» Nicht gut fände Scherrer, sollte die Basis nur Toni Lauber allein zur Wahl empfehlen. «Das wäre mit Blick auf die Wahlempfehlung von 2015, die auch Thomas Weber und Monica Gschwind umfasste, ein Widerspruch.»

Allerdings: Sollte auch nur ein bürgerlicher Regierungskandidat am 31. März 2019 nicht gewählt werden, so wird zumindest jemand nicht mit dem Finger auf Brigitte Müller-Kaderli zeigen: Oskar Kämpfer. «Als Wahlkampfleiter bin ich für alle vier Kandidaten verantwortlich, also bin ich auch schuld, sollten sie die Wahl verpassen.»