Regierungsratswahlen

Wirtschaftskammer-Boss hat Kandidatur von Thomas de Courten verhindert

Thomas de Courten (links) leidet unter seinem alten Image, und Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser hat sich ein neues Image verpasst.

Thomas de Courten (links) leidet unter seinem alten Image, und Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser hat sich ein neues Image verpasst.

So freiwillig, wie es die Baselbieter SVP darstellt, war die Empfehlung der Parteileitung für ihren Regierungsanwärter Thomas Weber nicht. Exponenten der Bürgerlichen hatten Thomas de Courten nahegelegt, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Thomas de Courten (46) erzählt: Auf einem Spaziergang am Wochenende in der Natur habe er sich Gedanken gemacht, sagt der Rünenberger SVP-Nationalrat zum «Sonntag». In der Oberbaselbieter Idylle habe er sich dann zu einer abrupten Kehrtwende entschieden. Er verzichte auf eine Kandidatur. Nur eine Woche zuvor hatte er definitiv zugesagt, als SVP-Kandidat für die Regierung antreten zu wollen. Nun liess der kurzzeitige Kronfavorit der SVP das hochgesteckte Ziel bereits wieder fallen.

«Ich habe die Initiative ergriffen. Ich habe den Anfang gemacht», betont de Courten. Er habe mit seinem Rückzug die Parteileitung und die übrigen Bewerber ermutigt, sich früher als angekündet für einen einzigen Kandidaten zu entscheiden, sagt er. Er sieht sich nicht als den unentschlossenen Wackelkandidaten, sondern als den mutigen Wegbereiter der SVP-Wahlkampfstrategie. Das würde er am liebsten allen mitteilen.

Ex-Kandiaten nach hinten

An der SVP-Medienkonferenz vom Mittwoch wollte de Courten neben dem alleinigen Kandidaten Thomas Weber am Rednertisch Platz nehmen, um zu sagen, was er zu sagen hatte. Doch kaum hatte er sich gesetzt, wurde er von Wahlkampfleiter Jörg Krähenbühl mit einer unwirschen Handbewegung weggeschickt. Dem Ex-Kandidaten stand ein Platz in der hinteren Reihe zu.

Den Rücksitz im SVP-Züglein hat de Courten nicht freiwillig gewählt, wie Recherchen des «Sonntags» zeigen. Dies widerspricht zwar seiner Version, doch in anderem Zusammenhang räumt er ein, dass man in einem Wahlkampf eben nicht immer die Wahrheit sagen könne: Noch am Dienstag beteuerte er gegenüber dem «Sonntag» und «Onlinereports», dass er an seiner Kandidatur festhalte, obwohl er sich gemäss eigener Aussage schon zuvor definitiv zum Rückzug entschieden hatte.

Kampf auf verlorenem Posten

Zum Rückzug gedrängt haben ihn Exponenten der Bürgerlichen; es war kein einsamer Entscheid in der Oberbaselbieter Natur. De Courtens Handy klingelte ständig. Besonderen Druck ausgeübt hat Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser. Er bestätigt gegenüber dem «Sonntag», dass er sowie die «üblichen Verdächtigen» aus den Reihen der FDP de Courten zu einem Verzicht geraten haben. Sein Wort hat Gewicht: Ohne volle Unterstützung der Wirtschaftskammer kämpft die SVP im ohnehin wenig aussichtsreichen Wahlkampf gegen Eric Nussbaumer (SP) auf verlorenem Posten. Über den Umfang der finanziellen Schützenhilfe entscheidet der Wirtschaftsrat des Verbands. Darin sitzen zwar auch SVP-Exponenten. Hoch gewichtet werden jedoch wirtschaftliche Überlegungen: Zahlt sich eine Investition aus?

Buser hätte dem Wirtschaftsrat in einem Antrag klargemacht, dass sich eine namhafte Investition in eine De-Courten-Kampagne nicht lohnt. «De Courten wird sein Hardliner-Image in dieser kurzen Zeit nicht los», sagt Buser mit Blick auf den Wahltermin am 3.März. Persönlich sei er zwar überzeugt, dass dieses Image dem SVPler zu Unrecht anhafte, sagt Buser. Als Fraktionschef im Landrat pflegte De Courten einen bissigen Tonfall, den er als kantonaler Wirtschaftsförderer wieder abgelegt habe. Politisch stehe er zudem nicht rechter als andere SVPler. De Courten hätte von der politischen Positionierung her durchaus auch in der FDP Platz, räumt FDP-Landrat Buser ein. Nicht die Partei oder die Position war folglich das Problem, sondern die Person.

Scheute keine Kosten

Buser arbeitet schon seit Monaten an de Courtens Demontage. In einem Gastbeitrag in der «Basler Zeitung» mit dem Titel «Guten Morgen, lieber Wirtschaftsförderer» warf er ihm im September vor, defensiv zu agieren und das Einmaleins des Investitionsrechnens nicht zu beherrschen. Um zu beweisen, dass er, Buser, darin viel begabter sei, scheute der frische Wirtschaftskammer-Chef keine Kosten: Er gab zwei Studien in Auftrag, die dem Kanton aufzeigen, wie dieser mit dem Entwicklungsgebiet Salina Raurica vorgehen muss, damit sich die Investitionen auszahlen.

Mit diesem offensiven Vorgehen hat Buser ein doppeltes Ziel erreicht: Er hat sich ein eigenes Profil verpasst und sich von seinem omnipräsenten Vorgänger Hans Rudolf Gysin emanzipiert – und seinen Schatten über de Courten gelegt.

Erfolgreich hat der seit vier Monaten amtierende Buser seine neue Rolle am Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer am Mittwoch gefestigt. Er hat den prominent besuchten Anlass nicht nur an einen neuen Ort verlegt, sondern erstmals in der Verbandsgeschichte eine Rede des Direktors, seine Rede, aufs Programm gesetzt. Zu Gysins Zeiten sprach nur der Präsident. Buser kam beim Publikum sehr gut an. In seiner lebhaften Rede plädierte er dafür, «alte Zöpfe abzuschneiden»: beim Kanton, aber auch bei der Wirtschaftskammer.

Buser profiliert sich mit offensiver Art

Wer hätte das gedacht: Bis vor sieben Jahren war es der sich dynamisch gebende de Courten, der als Nachfolger von Hans Rudolf Gysin in den Startlöchern stand. Bis zum Vizedirektor hatte er sich in der Wirtschaftskammer vorgearbeitet. 2005 nahm die Karriere eine abrupte Wendung. Aus nicht ganz klaren Umständen verliess de Courten den Verband, ganz still. Buser beerbte ihn zunächst in seinen Funktionen und übernahm nun Gysins Erbe.

In seinem neuen Amt profiliert sich Buser mit seiner offensiven Art. Abstriche an seinem Image muss dafür de Courten auch als kantonaler Wirtschaftsförderer machen, zu dem er von CVP-Regierungsrat Peter Zwick vor einem Jahr in einem Schnellverfahren berufen wurde. Busers forsches Auftreten brachte ihn in Erklärungsnot.

Der Druck lastet auch auf der Partei: Defensiv trat die SVP am Mittwoch vor die Medien. Eigentlich hätte sie mit geschwellter Brust die Kandidatur von SVP-Vize Weber lancieren müssen. Stattdessen hinterliess die Parteileitung einen nervösen und angespannten Eindruck. Immer wieder erklärte sie, weshalb sie vom angekündeten Plan abgerückt ist. Die Parole des SVP-Chefs Oskar Kämpfer fand wenig Gehör: «Wir haben keinen Druck gespürt.»

Hardliner de Courten

Die FDP-Parteileitung übte auch öffentlich Druck aus. An ihrem Sonderparteitag warnte sie, einen SVP-Hardliner zu unterstützen. Der Antrag erlitt vor der Basis zwar Schiffbruch. Ein deutliches Zeichen war aber gesetzt. Obwohl niemand aussprach, wer mit «Hardliner» gemeint war, wussten es alle: de Courten. «Es ist einfacher, Weber bekannt zu machen, als bei anderen Kandidaten das Image zu korrigieren», meint FDP-Fraktionschef Rolf Richterich. «Wir haben deponiert, dass wir uns einen Kandidaten wünschen, der möglichst viele Stimmen abholt», sagt FDP-Präsidentin Christine Frey (ehemals Pezzetta). Und dies ist aus ihrer Sicht nicht de Courten. In einer euphorischen Medienmitteilung lobte sie den SVP-Entscheid für Weber und mahnte die CVP, ebenfalls mitzuziehen.

De Courten, der Wirtschaftsförderer, steht vor schweren Zeiten. Zum Image des Hardliners hat er nun noch die Etikette des Wankelmütigen angeheftet. Ein Regierungsamt ist in weiterer Ferne denn je. Die Wechselgelüste haben seiner Glaubwürdigkeit als Wirtschaftsförderer geschadet. Für seinen Vorgesetzten Zwick ist dieses Thema erledigt, wie er dem «Sonntag» ausrichten lässt.

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