Energiedebatte der Handelskammer beider Basel

Wirtschaftsvertreter äussern Skepsis gegenüber der Energiestrategie 2050

Hat man die Alternativenergien weit genug ausgebaut, wenn 2034 das AKW Leibstadt vom Netz geht? Foto: Chris Iseli/ AZ

Hat man die Alternativenergien weit genug ausgebaut, wenn 2034 das AKW Leibstadt vom Netz geht? Foto: Chris Iseli/ AZ

Angst um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Nordwestschweiz waren das Hauptmotiv der Wirtschaftsvertreter, sich an der Podiusmdiskussion zu beteiligen: Eine «Stromlücke» könnte die Strompreise und somit die Kosten der Industrie hochtreiben.

Die Handelskammer beider Basel (HKBB) steht der Energiestrategie 2050 des Bundesrats skeptisch gegenüber. Dies wurde bei der Basler Energiedebatte 2102 im Kunsthaus Baselland deutlich. Zwar erachtet es HKBB-Direktor Franz Saladin als legitim, dass der Staat in Energiefragen Ziele – etwa den Atomausstieg – definiert. «Aber er soll die Finger von der Umsetzung lassen und den marktwirtschaftlichen Instrumenten vertrauen.» Er warnte vor einer unbegrenzten Kostendeckenden Einspeisevergütung wie in Deutschland und forderte, dass die Energiewende möglichst umsichtig und koordiniert umgesetzt werde. «Ein Schweizer Alleingang ist nicht zielführend.» Zugleich wandte er sich gegen ein Technologieverbot.

Damit sprach Saladin unter anderem Walter Müller, Geschäftsführer der Gruppe grosser Energiekunden, aus dem Herzen. Dieser betont, dass Flüssigkristallreaktoren bereits in den 60er-Jahren erfunden wurden, man aber auf die heutige Atomtechnologie setzte, da man im Rahmen des Kalten Krieges Plutonium produzieren wollte. Er stellte die Grundannahmen der Energiestrategie 2050 infrage und bezweifelte, dass man einen grossen Teil des wegfallenden Atomstroms durch Alternativenergie ersetzen könne und dass, trotz Wirtschaftswachstum, der Stromkonsum sich in Zukunft begrenzen lasse. «Letztlich wird man nukleare durch fossile Energiequellen ersetzen.»

Steinmann: «Keine Stromlücke»

Dem hielt Walter Steinmann als Direktor des Bundesamts für Energie entgegen: «Nun werden Sie doch bitte realistisch und hören Sie auf, davon zu träumen, dass man in den nächsten 20 Jahren vom Volk ein Ja für eine neues Atomkraftwerk bekäme.» Stattdessen gelte es, diese 20Jahre für die Erschliessung neuer Energiequellen zu nutzen. Die Schweiz müsse sich auf die Stärken ihrer Ingenieurkunst besinnen und Cleantech zum Exportschlager entwickeln. Es sei eher der Bundesrat, der träume, konterte Saladin, nämlich indem er glaube, das Wirtschaftswachstum vom Stromverbrauch abkoppeln zu können. Ein Blackout von einem Tag koste die Schweizer Wirtschaft 20 bis 40Milliarden Franken. Doch das Stromlücken-Argument konnte Steinmann nicht erschüttern: «In Italien hat es fünf Gaskraftwerke, die derzeit ihren Strom nicht loswerden und ihn gern in die Schweiz verkaufen würden.»

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