Gabholz

Wo es sie noch gibt, erfreut sich die Holzgant grosser Beliebtheit

Kulturelles Ereignis: Daniel Stocker, Gantmeister der Bürgergemeinde Sissach, in Aktion. Otto Graf

Kulturelles Ereignis: Daniel Stocker, Gantmeister der Bürgergemeinde Sissach, in Aktion. Otto Graf

Zahlreiche Gemeinden kennen das Gabholz heute noch. Sie sind autonom und entscheiden frei, wer wie viel Holz für einen bestimmten Preis bekommt.

Mit dem Inkrafttreten des Waldgesetzes am 1. Januar 1999 fiel das kantonale Gabholzgesetz als überflüssig weg. Zuvor regelte dieses, wie die Gemeinden – in den meisten Fällen die Bürgergemeinden – beim Abgeben eines Bürgernutzens in Form von Brennholz zu verfahren hatten. Die Bürgerinnen und Bürger hatten Anspruch auf eine bestimmte Menge Holz. Daher kommt auch die Bezeichnung «Gabholz».

Auf eine Gabe beschränkt

Zahlreiche Gemeinden kennen das Gabholz heute noch. Sie sind autonom und entscheiden frei, wer wie viel Holz für einen bestimmten Preis bekommt. Bezugsberechtigt sind mündige Bürgerinnen und Bürger der betreffenden Gemeinde, wenn sie im Kanton Baselland Wohnsitz haben. Wer Bürger von Rothenfluh ist und in Pratteln wohnt, kann folglich seinen Anspruch bei der Heimatgemeinde geltend machen. Die Bezugsmenge ist pro Haushalt auf eine Gabe beschränkt. Obwohl von Gabholz die Rede ist, müssen die Berechtigten den Macherlohn, wie die Rüstkosten des Holzes im Fachjargon bezeichnet werden, bezahlen. In der Regel gibt die Bürgergemeinde Rothenfluh zwei Ster Brennholz zu einem Preis ab, der die forstlichen Rüstkosten deckt und etwas unter dem ordentlichen Preis für Brennholz liegt. Nach ausserordentlichen Ereignissen, wenn grosse Mengen Windfallholz anfallen, können die Forstbetriebe die Abgabemenge erhöhen und auch weniger gefragte Sortimente, zum Beispiel «Tannigs» anbieten.

Das Holz wird an einer Waldstrasse in Form von Spälten, Länge ein Meter, bereitgestellt. Das Heimführen und Weiterverarbeiten des Holzes ist Sache des Bezügers. Das Gabholz ist eines der wenigen Privilegien, das die Bürgerinnen und Bürger von «ihrem» Wald noch haben.

Bedeutung ging zurück

Während vieler Jahrzehnte war die Holzgant in den ländlichen Gemeinden praktisch die einzige Möglichkeit, Brennholz zu ersteigern. Oft fanden pro Winter und Dorf mehrere Ganten statt. Mit dem Aufkommen der Kohle- und Ölfeuerungen sowie anderer Heizungen ging die Bedeutung der Gant zurück. Während in Rothenfluh vor 40 Jahren 270 Ster unter den Hammer kamen, ist es heute nur noch die Hälfte.

Namentlich im oberen Kantonsteil hat sich die Gant bis heute behauptet und sich im Verlauf der Zeit zu einem kulturellen Ereignis gewandelt. In Diepflingen und Sissach etwa legt der Gantmeister hin und wieder ein Sackmesser, ein Brot oder eine Portion Speck auf die Holzbeige und kurbelt so das Kaufinteresse an. Oltingen und Rothenfluh werfen Sonderprämien für eifrige Käufer und für solche, die sich das Holz etwas kosten lassen in die Waagschale. Oft setzt ein Spezial-Ster, wie etwa in Ormalingen, Akzente.

Zur Persona non grata erklärt

In Titterten entscheidet die Bürgergemeinde demnächst über die Zukunft der Gant und des Gabholzes. Und Läufelfingen hat mangels Interesse die Gant aufgegeben. In Rünenberg ist die Holzgant in der Regel reine Männersache. So wurde vor Jahren die Korrespondentin einer Lokalzeitung, die über den Anlass berichten wollte, kurzerhand zur Persona non grata erklärt. Doch das ist Geschichte. 2012 wurde Gant- und Gemeindeschreiber Ruedi Buser nach 45 Amtsjahren an der Holzgant vom Gemeinderat verabschiedet. Dabei waren auch Gemeindepräsidentin Astrid Buser und Gemeinderätin Rebecca Gröflin mit von der Partie.

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